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Engpass

Integrations-Deutschlehrer sollen mehr Geld bekommen

Seit Jahren kämpfen Lehrer an Integrationskursen für bessere Bezahlung und flüchten bei erstbester Gelegenheit in andere Jobs. Die Politik hat tatenlos zugeschaut – bis die Flüchtlinge kamen. Jetzt gibt es einen Engpass an Integrationskurlehrern und plötzlich mehr Geld.

Deutschlehrer für Flüchtlinge und Arbeitslose bekommen mehr Geld. Die Anhebung der Honorare zum 1. Juli ist Teil der Förderung von berufsbezogenem Deutschunterricht, wie das Bundesarbeitsministerium am Freitag in Berlin mitteilte. Die Kurse für Hartz-IV-Empfänger und Bezieher von Arbeitslosengeld sollen verstärkt für Flüchtlinge geöffnet werden, die eine gute Bleibeperspektive haben.

Schon bisher ist das größte Problem der Kursanbieter, dass sie nicht genügend Lehrkräfte finden. Ein Grund ist die geringe Vergütung. Das geht aus einem Evaluationsbericht über das bisher aus Mitteln des Europäischen Sozialfonds geförderte Programm hervor, den das Bundesarbeitsministerium in Auftrag gegeben hatte. Die Lehrer sollen nun 35 Euro pro Unterrichtseinheit bekommen. Bisher müssen sie nach Angaben des Bundesamts für Migration und Flüchtlinge mit mindestens 23 Euro entlohnt werden.

Staatlich erzwungene Scheinselbständigkeit

Die allermeisten Lehrer an Integrationskurse arbeiten als Honorarkräfte. Sie müssen Krankheiten und sonstige Ausfälle, beispielsweise wenn ein Kurs nicht zustandekommt, finanziell eigenständig kompensieren und auch ihre Altersvorsorge selbst stemmen. Experten kritisieren schon seit Jahren, dass der Staat diese Menschen mit dem geringen Lohn in den Altersarmut treibt. Juristen sind sogar überzeugt, es handele sich hierbei um staatliche erzwungene Scheinselbständigkeit in großem Ausmaß. Obwohl Lehrer zeitlich wie örtlich gebunden sind an die Vorgaben der Kursträger, sind sie nicht eingestellt und genießten auch keine Arbeitnehmerrechte.

Die Kurse werden seit 2011 angeboten. Ziel ist es, die Deutschkenntnisse der Teilnehmer so zu verbessern, dass sich ihre Chancen auf dem Arbeitsmarkt erhöhen. Um mehr Frauen zu erreichen, können sich die Teilnehmer künftig auch Kinderbetreuungskosten erstatten lassen. Die Teilnahme ist kostenlos. (epd/mig)