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Niedersachsens Ministerpräsident David McAllister, Anlässlich „50 Jahre deutsch-türkisches Anwerbeabkommen“, 28.03.11, Hannover

Engpass

Integrations-Deutschlehrer sollen mehr Geld bekommen

Seit Jahren kämpfen Lehrer an Integrationskursen für bessere Bezahlung und flüchten bei erstbester Gelegenheit in andere Jobs. Die Politik hat tatenlos zugeschaut – bis die Flüchtlinge kamen. Jetzt gibt es einen Engpass an Integrationskurlehrern und plötzlich mehr Geld.

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Arm © chris@APL @ flickr.com (CC 2.0), bearb. MiG

Deutschlehrer für Flüchtlinge und Arbeitslose bekommen mehr Geld. Die Anhebung der Honorare zum 1. Juli ist Teil der Förderung von berufsbezogenem Deutschunterricht, wie das Bundesarbeitsministerium am Freitag in Berlin mitteilte. Die Kurse für Hartz-IV-Empfänger und Bezieher von Arbeitslosengeld sollen verstärkt für Flüchtlinge geöffnet werden, die eine gute Bleibeperspektive haben.

Schon bisher ist das größte Problem der Kursanbieter, dass sie nicht genügend Lehrkräfte finden. Ein Grund ist die geringe Vergütung. Das geht aus einem Evaluationsbericht über das bisher aus Mitteln des Europäischen Sozialfonds geförderte Programm hervor, den das Bundesarbeitsministerium in Auftrag gegeben hatte. Die Lehrer sollen nun 35 Euro pro Unterrichtseinheit bekommen. Bisher müssen sie nach Angaben des Bundesamts für Migration und Flüchtlinge mit mindestens 23 Euro entlohnt werden.

Staatlich erzwungene Scheinselbständigkeit

Die allermeisten Lehrer an Integrationskurse arbeiten als Honorarkräfte. Sie müssen Krankheiten und sonstige Ausfälle, beispielsweise wenn ein Kurs nicht zustandekommt, finanziell eigenständig kompensieren und auch ihre Altersvorsorge selbst stemmen. Experten kritisieren schon seit Jahren, dass der Staat diese Menschen mit dem geringen Lohn in den Altersarmut treibt. Juristen sind sogar überzeugt, es handele sich hierbei um staatliche erzwungene Scheinselbständigkeit in großem Ausmaß. Obwohl Lehrer zeitlich wie örtlich gebunden sind an die Vorgaben der Kursträger, sind sie nicht eingestellt und genießten auch keine Arbeitnehmerrechte.

Die Kurse werden seit 2011 angeboten. Ziel ist es, die Deutschkenntnisse der Teilnehmer so zu verbessern, dass sich ihre Chancen auf dem Arbeitsmarkt erhöhen. Um mehr Frauen zu erreichen, können sich die Teilnehmer künftig auch Kinderbetreuungskosten erstatten lassen. Die Teilnahme ist kostenlos. (epd/mig)

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5 Kommentare
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  1. Julia sagt:

    Das sind ja tolle Neuigkeiten! Und wirklich schon ab Juli? Da mich die Honorarerhöhung betrifft, wüsste ich gerne, ob es irgendwo eine Quelle mit der offiziellen Mitteilung des Bundesarbeitsministeriums dazu gibt. Dann würde ich gleich mal beim Kursträger bzgl. der künftigen Honorare nachfragen. Wäre ganz lieb, wenn ihr das verlinken könntet, ich finde über Google nämlich nichts. Danke!

  2. Susanne sagt:

    Heißt das jetzt, dass nur die Kolleg*innen in den berufsbezogenen Kursen mehr Honorar bekommen? Was ist mit all den anderen, die in den Integrationskursen unterrichten? Ich bitte herzlich und dringend um ganz genaue Information.
    Vielen lieben Dank!

  3. Han Yen sagt:

    Die Bundesregierung spielt wie immer Feuerwehr. Das Problem der Integrationskurs Lehrer ist die unvernünftige Budgetverteilung. Verlage erhalten viel zu viel Geld und Honorar Kräfte nagen am Hungertuch. Dabei könnten Lehrerausbilder sehr leicht einen Integrationssprachkurs unter Creative Commons CC-BY-SA-NC veröffentlichen. Die frei werdenden Mittel können dann für die Honorar Kräfte genutzt werden. Die Arbeitsbücher und Kopienvorlagen sollten unter einer CC-BY Lizenz veröffentlicht werden, um Honorarkräften kommerzielle Bildungsdienstleistungen zu erlauben.

    Integrationskurs Lehrer sollen eine Weiterbildung im Theaterpädagogik/Theatersport erhalten, um den Deutsch Förderbedarf für alle A-Gruppen – also auch Kinder von Alleinerziehenden, Armen, alten und Alkoholiker und Ausländern decken zu können. Nur so kann man aus den Honorarkräften öffentliche Angestellte machen. Die aufgewerteten Deutsch Fachkräfte können durch Theatersport Fettleibigkeit bekämpfen und durch Improvisationstheater Sprechgelegenheiten schaffen.

    Integrationskurs Lehrer sollten sich auch ein Vorbild an FluentU nehmen, dass Basis Sprachkenntnisse mit Youtube Clips vermittelt. Deutsch als Fremdsprache gibt es auch auf Youtube, aber um diese Youtube Videos hat sich keine Fansub Community gebildet, um die Videos zu untertiteln. Das Finanzamt sollte Fansubbing von DaF Videos auf Youtube als haushaltsnahe Dienstleistung deklarieren, um postmigrantische Deutsche dafür mobilisieren zu können. Freie Text2Speech Anwendungen können genutzt werden, um deutsche Texte in unterschiedlichen Geschwindigkeiten vorzulesen. Das kann man für Diktate und Selbststudium nutzen. Rhinospike ermöglicht es Audio Aufnahmen für eingesendete Texte von Muttersprachlern einsprechen zu lassen. Lang-8 ist eine Community für freie Übersetzungen für Sprachlerner.

    Bei den DaF Kursen hätte man nach dem Vorbild der VHS Goslar in Richtung virtueller Welten gehen sollen. Die Serverkosten für das deutschsprachige Metropolis Grid liegen bei 20 €. Metropolis Grid ist hypergidfähig, d.h. Avatare kann man für andere virtuelle Welten wiederverwenden.

    Um Qualität zu sichern sollte man ähnlich wie bei Bildungsgutscheinen für Schulen, mehrere Gemeindezweckverbände für DaF schaffen, um einen Wettbewerb auf einen Quasi-Markt zu schaffen. Die Eingangvoraussetzungen der Sprachlerner sind nicht homogen, und es ist besser sie unterschiedlichen virtuellen Sprachschulen zuzuweisen. Die Erstellung von Objekten kann nach Indien und China ausgelagert werden. amazon Mechanical Turk und Witsmart sind Hausmarken. Fachkräfte sollten Zugang den zu 100% geförderten 3D Modellierungskurs der Ausbildungsfernkurse erhalten. Auch die Mama lernt Deutsch Programme profitieren davon, weil man die Leute zu Hause unterrichten kann. Über web Analytics kann man individuell Fortschrittsberichte erstellen. Das maritime Englisch für Seeleute wird bereits so geschult, um Krisensituationn kommunikativ in einer simulierten Umgebung üben zu können. Die Elite der DaF Kräfte gehört an die Universität und sollten über vocaional Open Online Courses Best Practices weitergeben.

    Auch bei der steuerlichen Anerkennung der Bildungsinvestitionen in Deutsch Kenntnisse hapert es. Deutsch Kenntnisse sind geldwerte Leistungen, die das Lebenseinkommen verbessern und sie unterscheiden sich daher fiskalisch nicht von anderen Bildungsinvestitionen. Bildungsinvestitionen in eine Ausbildung und Studium und berufliche Weiterbildung sind mit Investitionen in einen DaF Kurs gleichzustellen. Der investierende Lerner weiß nicht genau, wann sich die Bildungsinvestitionen in Einkommensvorteile realisieren lassen. Daher sollte das Lebenseinkommen der Bezugspunkt sein für die Gleichstellung aller Bildungs- und Ausbildungsleistungen. Der abstrakte Steuerbürger ist fiskalisch ungerecht, weil er nur ein Jahr lebt. Die gerechte fiskalische Behandlung aller Lebenseinkommen läßt sich nur mit Verlustvorträgen, Zinsbereinigung und eingeschränkten Verlustrückträgen herstellen. Väter, Mütter in Elternzeit und ältere Arbeitslose, die wieder zurück in den Arbeitsmarkt wollen, brauchen Steuergerechtigkeit bei Bildungsinvestitionen für Beschäftigungsfähigkeit. Aber nicht nur Arbeitnehmer auch persönlich geführte Unternehmen sind bei Bildungsinvestitionen benachteiligt durch die Fiktion des ein Jahr lebenden Steuerbürgers. Die Insolvenzquote bei deutschen Existenzgründungen ist erschreckend. Ohne Existenzgründungen sind kommunale Haushalte zu stark von der Gewerbesteuer von Großunternehmen abhängig, was sie erpressbar macht. Existenzgründer scheitern an einfachen Sachen wie Buchhaltung und Marketing.

    Der Heidelberger Steuerökonom Manfred Rose hat das Lebenseinkommenssteuer Konzept sauber ausgearbeitet und Gesetzesvorschläge gemacht.

    Den postmigrantischen Ladenbesitzern und Gastronomen fehlt einfach die Zeit, um Deutsch zu lernen. Hackmann hat sich mit verschiedenden Mittelungsverfahren für die Steuerbemessungsgrundlage beschäftigt. Landwirte erhalten für ihre fluktuierende Einkommen bereits eine Mitelung über zwei Jahren. Sektorweit fehlt das für den Input Sektor Landwirtschaft und den Output Sektor ethnische Gastronomie und Reisebüro. Aber natürlich gibt es auch hier saisonale Umsatzfluktuationen im Winter und Sommer. Anstatt längere Öffnungszeiten zu dreschen sollten die Leute besser Deutsch lernen. Der Staat kann sie dazu motivieren mit Umsatz Mittelungen für Sommer- und Wintermonate. Die Umsätze hängen auch stark vom Wetter ab.

    Das bisherige Vorgehen Fördern und Fordern oder besser Stigmatisieren und Strafen führt nicht weiter. Auf diese Weise kommt man nie zu einer sprachlichen Akkulturation.

    Die Linie sollte sein fiskalische Gleichbehandlung aller Bildungsinvestitionen, dann ziehen weiße Deutsche und postmigrantische Einwohner und Deutsche am gleichen Strang.

  4. Lehrkraft sagt:

    „Bisher müssen sie nach Angaben des Bundesamts für Migration und Flüchtlinge mit mindestens 23 Euro entlohnt werden.“

    Das ist falsch. Die Bundesregierung hat immer wieder gesagt, dass sie den Trägern nicht vorschreiben könne, wie viel Honorar sie zu zahlen haben, denn der Staat dürfe nicht in die Vertragsfreiheit zwischen Lehrkraft und Träger eingreifen. Auch die 35 € werden nur eine „Empfehlung“ für den Träger sein. Wer weniger zahlt bekommt aber nur eine einjährige Zulassung.

    Die Bundesregierung verfolgt auch jetzt noch den Weg, den Juristen für Scheinselbstständigkeit und damit für einen Straftatbestand halten. Nach Ansicht vieler Leute ist es ein Sozialversicherungsbetrug, wenn Träger, besonders die Volkshochschulen, keine hälftigen Sozialversicherungsbeiträge zahlen, weil sie behaupten, dass die Lehrkräfte selbstständig seien und nichts mit der VHS zu tun hätten. Das Ansehen von Trägern, „Klitschen“ und Volkshochschulen ist bei vielen Lehrkräften auf den Nullpunkt gesunken. Man spricht von einem „verrotteten Weiterbildungssystem“.

    Man kann alle Lehrkräfte nur nachdrücklich davor warnen, in Integrationskursen zu arbeiten. Diese Arbeit ist politisch nicht gewollt, weil sie ja zur Integration führen könnte. An allen Ecken und Enden wird versucht, MigrantInnen aus dem Arbeitsleben raus zu halten, deshalb gehen die Integrationskurse nur bis zum B1-Niveau, obwohl B2 für die Arbeitsaufnahme notwendig wäre. Im Integrationskurs wird auch gar nicht versucht, Praktika oder Ausbildungsplätze zu finden, denn … das könnte ja zur Integration führen. Die Firmen haben Probleme, gute Flüchtlinge für Praktika oder die Ausbildung zu finden. Das alles könnte man im Integrationskurs organisieren, wenn Integration gewollt wäre.

    Man könnte eine lange Liste erstellen, wo den Flüchtlingen von bürokratischer Seite überall Steine in den Weg gelegt werden, um sie von einer berufsrelevanten Bildung fernzuhalten. Im Integrationskurs paukt man sechs Monate lang die deutsche Grammatik, und danach soll man fit sein für eine Ausbildung samt Berufsschule?

    Die Arbeitsagentur geht davon aus, dass die meisten Flüchtlinge nur einfache Jobs machen werden, für die sie keine großen Sprachkenntnisse brauchen. Mehr ist für Flüchtlinge nicht vorgesehen. Aber wehe, der Flüchtling will das Billigangebot „Integrationskurs“ nicht annehmen und statt dessen einen wertvolleren Schulabschluss nachmachen. Dann greifen sofort andere Regeln, die das unterbinden. Wer mit 14 Jahren nach Deutschland kommt und „nur“ vier Jahre zur Schule gegangen ist, der hat eigentlich keine Chance, hier irgendeinen Schulabschluss zu machen, weil er keine 10 Schuljahre schafft. Auf wieviel Prozent der Flüchtlingskinder trifft das wohl zu?

    Man kann heute schon ausrechnen, wieviele Flüchtlingskinder in 2,3 und 5 Jahren ohne Schulabschluss dastehen. Und man kann auch genau die gesetzlichen Regeln identifizieren, die die Erlangung eines Schulabschlusses verhindern sollen. Das ist Exklusion durch nicht vorhandene Bildungszertifikate.

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