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Migration und Integration in Deutschland

Wenn die deutsche Gesellschaft die Muslime toleriert, hat das noch nichts mit Gleichberechtigung zu tun.

Prof. Dr. Hans-Peter Großhans, MiGAZIN, 20. Januar 2010

DITIB

Özoğuz vom islamischen Fastenbrechen in Hamburg ausgeladen

Nach Bundestagspräsident Norbert Lammert hat die DITIB auch ein geplantes Iftar-Essen mit Staatsministern Aydan Özoğuz platzen lassen – aufgrund von „Sicherheitsbedenken“. Daraufhin sagte Bischöfin Fehrs ihre Teilnahme ab.

Die Integrationsbeauftragte der Bundesregierung, Aydan Özoğuz (SPD), ist kurzfristig von der Türkisch-Islamischen Union (Ditib) von einem gemeinsamen Fastenbrechen während des Ramadan ausgeladen worden. Ihre Sprecherin bestätigte dem Evangelischen Pressedienst (epd) am Donnerstag in Berlin entsprechende Medienberichte. Nach der Ausladung von Özoguz sagte die Hamburger Bischöfin Kirsten Fehrs ihre Teilnahme am gemeinsamen Fastenbrechen ab, das ursprünglich für Mittwochabend in der Hamburger Gemeinde angesetzt war.

Ditib-Nord habe die Ausladung von Özoğuz damit begründet, es gebe „Sicherheitsbedenken und die Furcht, dass ein reibungsloser Ablauf nicht gewährleistet werden könne“, sagte die Sprecherin der Staatsministerin dem epd. Wie andere türkischstämmige Bundestagsabgeordnete hatte auch die Integrationsbeauftragte Drohungen erhalten, nachdem der Bundestag die Verbrechen an den Armeniern und anderen christlichen Bevölkerungsgruppen im Osmanischen Reich als Völkermord eingestuft hatte.

Mehr als befremdet

Über die Ausladung vom Fastenbrechen sei Özoğuz „mehr als befremdet“ gewesen, sagte die Sprecherin: „Sie kennt die Gemeinde seit Jahren, war dort häufig zu Gast.“ Über einen Alternativtermin habe man sich nicht verständigt. Ditib-Nord hoffe jedoch, die Staatsministerin in naher Zukunft doch als Gast begrüßen zu dürfen.

Die Hamburger Bischöfin Fehrs sagte ihre Teilnahme am gemeinsamen Fastenbrechen mit der Ditib ab. Ein Besuch der Bischöfin am Empfang wäre möglicherweise politisch instrumentalisiert worden, teilte die Hamburger Bischofskanzlei dem Evangelischen Pressedienst mit.

Die evangelische Bischöfin wies in ihrer Stellungnahme darauf hin, dass dies keine Absage an einen weiteren Dialog mit der Ditib-Nord bedeute. Gerade dieser Landesverband der Ditib habe sich in der Vergangenheit „sehr konstruktiv und dialogbereit“ gezeigt. Laut Medienberichten soll die Absage zum Hamburger Fastenbrechen offenbar von der Kölner Ditib-Zentrale angeordnet worden sein. (epd/mig)

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Ein Kommentar
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  1. Josef Clemens Artzdorf sagt:

    Vorkommnisse dieser Art konterkarieren in erheblicher Weise das Bemühen um Integration und ein gedeihliches Zusammenleben von autochthonen Deutschen mit türkisch-Deutschen und türkischen Mitbürgern. So lange Ditib die türkisch-stämmigen deutschen MdB´s als „Interessenvertretung“ der türkischen Community sieht und sehen will, so lange haben sie das parlamentarische System hierzulande nicht verstanden. Abgeordnete sind stets Vertreter der gesamten Bevölkerung, unabhängig von Herkunft, Stand, Religion oder Hautfarbe. Es ist sehr schade, dass sich die Ditib-Führung offenbar zunehmend als verlängerter Arm Erdogans definiert. Es wird schwer sein für die in einer positiven und Verständnis fördernden Integrationsarbeit Tätigen, einer eh schon unwilligen Bevölkerung versuchen die Hintergründe zu verdeutlichen.
    Im Übrigen halte auch ich die offensichtliche Unfähigkeit weiter Teile der türkischen Nation die eigene Vergangenheit kritisch zu hinterfragen, für ein trauriges Beispiel unreflektierten Geschichtsbewusstseins. Unter hervorragend integrierten, guten türkischen Freunden, selbst in meinem Umfeld, ist dieses an zu treffen. Und so lange eine große Mehrheit der „europäischen“ Türken entsprechende Beschlusslagen demokratischer Parlamente als böswillige Angriffe auf sich selbst definiert, was ja in keiner Weise der Fall ist, wird ein wirkliches „Ankommen“ in der Realität westlicher Gesellschaftsordnungen nur schwer erreichbar sein.



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