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Empörung

AfD-Vize Gauland beleidigt Nationalspieler Boateng

Würden Sie Fußballnationalspieler Jêrome Boateng gerne als Nachbarn haben? Der stellvertretende AfD-Vorsitzende Alexander Gauland sagt: Nein! Er befürchte, dass eine fremde Religion sehr viel prägender sei als die abendländische Tradition. Dabei ist Boateng gläubiger Christ.

Der stellvertretende AfD-Vorsitzende Alexander Gauland hat den Fußballnationalspieler Jêrome Boateng laut einem Zeitungsbericht beleidigt. Gauland sagte der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung, die Leute fänden Boateng zwar „als Fußballspieler gut. Aber sie wollen einen Boateng nicht als Nachbarn haben“. Diese Aussage löste Empörung aus. Der Präsident des Deutschen Fußballbundes, Reinhard Griebel, sagte der Zeitung zufolge, es sei „einfach geschmacklos“, die Popularität Boatengs und der Nationalelf „für politische Parolen zu missbrauchen“.

Vizekanzler Sigmar Gabriel (SPD) betonte, Boateng sei kein Fremder. Gaulands abfällige Bemerkung zeige damit, dass der Politiker „nicht nur gegen Fremde, sondern auch gegen das Gute an Deutschland“ sei, sagte Gabriel der Bild: gegen Modernität, Weltoffenheit und Liberalität. „Gaulands AfD ist auch deutschfeindlich.“

Team-Manager Oliver Bierhoff sagte der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung, es sei nicht das erste Mal, dass man mit solchen Aussagen konfrontiert werde. Sie diskreditierten Gauland ohne Kommentierung von alleine. Der Sprecher der Fußball-Nationalmannschaft wollte sich am Sonntag auf Anfrage des Evangelischen Pressedienstes nicht weiter zum Thema äußern: „Dazu ist alles gesagt.“ Boateng ist in Berlin geboren und aufgewachsen, sein Vater ist Ghanaer, seine Mutter Deutsche.

Gauland sagte dem Bericht zufolge weiter, es gebe unter den AfD-Anhängern die Sorge, „dass eine uns fremde Religion sehr viel prägender ist als unsere abendländische Tradition“. Dabei ist Boateng kein Muslim, sondern gläubiger Christ. Der AfD-Vize sagte außerdem, es gehe der Partei in ihrer Frontstellung gegen den Islam nicht um die Verteidigung des Christentums, sondern um die Abwehr des kulturell Fremden. „Wir wollen nicht das Christentum im religiösen Sinne verteidigen.“ Die AfD-Wähler wollten, das man für das „von den Vätern“ Ererbte kämpfe: „Das Christentum ist dafür dann eine Metapher“, sagte der brandenburgische AfD-Fraktionschef. (epd/mig)