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Studie

15 Prozent der Mitarbeiter beim Bund haben Migrationshintergrund

Jeder Fünfte in Deutschland hat einen Migrationshintergrund. Das Personal in der Verwaltung repräsentiert diesen Durchschnitt noch nicht. Laut einer Studie arbeiten dort zwar immer mehr Migranten, sie schaffen aber die Karriereleiter oftmals nicht.

Der Anteil von Beschäftigten mit Migrationshintergrund in der Bundesverwaltung ist höher als in anderen Behörden, aber niedriger als in der Gesamtbevölkerung. Zu diesem Ergebnis kommt eine am Donnerstag in Berlin vorgestellte Studie des Statistischen Bundesamts und des Bundesinstituts für Bevölkerungsforschung. Demnach haben rund 15 Prozent der Mitarbeiter bei wichtigen Bundeseinrichtungen eine Einwanderungsgeschichte. In der gesamtem öffentlichen Verwaltung lag dieser Anteil 2013 bei gerade einmal 6,7 Prozent. In Spitzenfunktionen und bei Verbeamtungen sind Menschen mit Migrationshintergrund aber auch in Bundesbehörden unterrepräsentiert.

Rund jeder Fünfte in Deutschland hat einen Migrationshintergrund. Diese Menschen sind entweder selbst nicht in Deutschland geboren oder Nachkommen von Zugewanderten, landläufig als erste und zweite Einwanderergeneration bezeichnet. Gemessen am Gesamtanteil von Migranten repräsentiert bislang nur die private Wirtschaft den Bevölkerungsdurchschnitt. Dort haben nach Angaben der Studie 20 Prozent der Beschäftigten einen Migrationshintergrund.

Auch wenn die Bundesverwaltung mit 15 Prozent besser dasteht als vielleicht vermutet, zeigt sich im Detail, dass Menschen mit Migrationshintergrund dort trotzdem unterrepräsentiert sind. Überwiegend sind es jüngere Frauen in eher niedrigen Laufbahngruppen, die einen Migrationshintergrund haben. Zudem werden Migranten beim Bund häufiger befristet angestellt als andere und werden seltener verbeamtet.

Grundlage der Studie ist eine anonyme Befragung Beschäftigter auf freiwilliger Basis. Teilgenommen haben 14 Ministerien und das Bundeskanzleramt sowie die Bundeswehr und acht Bundesbehörden. Den geringsten Anteil von Menschen mit Migrationshintergrund wies das Verteidigungsministerium mit 6,4 Prozent auf, den höchsten das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge mit 24,2 Prozent. Überdurchschnittlich viele Menschen mit Migrationshintergrund beschäftigen das Bundeskanzleramt, wo der Arbeitsbereich der Integrationsbeauftragten Aydan Özoguz (SPD) angesiedelt ist, das Auswärtige Amt und das Entwicklungsministerium. Unter dem Durchschnitt liegen unter anderem das Justiz-, Familien-, Verkehrs- und Innenministerium.

Özoguz sprach sich dafür aus, zur Steigerung des Anteils von Beschäftigten mit Migrationshintergrund Zielmarken festzulegen. Hamburg und Berlin hätten gezeigt, dass damit einiges erreicht werden könne. In der Hansestadt habe sich der Anteil in den vergangenen Jahren von fünf auf 18 Prozent, in der Bundeshauptstadt von neun auf 24 erhöht. Wirkliche Teilhabe bedeute Chancengerechtigkeit, sagte Özoguz. Der Bund müsse in seiner Vorbildfunktion noch besser werden.

Özoguz, die die Studie gemeinsam mit dem Bundesinnenministerium beauftragt hatte, sprach sich aber gegen feste Quoten aus. Auch der Staatssekretär im Innenministerium, Hans-Gorg Engelke, ist dagegen. Er forderte spezifische Personalentwicklungsprogramme. Angesichts des demografischen Wandels könne man es sich nicht leisten, bestimmte Potenziale nicht zu erschließen, sagte er. (epd/mig)