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Positives Signal

GEW begrüßt mögliche Lohnerhöhung für Integrationslehrkräfte

Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft sieht in der möglichen Lohnerhöhung für Integrationslehrkräfte ein positives Signal. Die Bundesregierung müsse die notwendigen Mittel bereitstellen. Integrationsarbeit könne nicht von Billiglöhnern geleistet werden.

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Gewerkschaft für Erziehung und Wissenschaft © MiG

DATUM20. Mai 2016

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RESSORTAktuell, Politik

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Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) hat sich erneut dafür ausgesprochen, die Bezahlung von Lehrern zu verbessern, die Integrationskurse für Flüchtlinge und Ausländer geben. GEW-Vorstandsmitglied Ansgar Klinger sagte am Donnerstag in Frankfurt am Main, die Pläne der Bundesregierung dazu gingen in die richtige Richtung: „Das Bundesinnenministerium hat offenbar verstanden: Integrationsarbeit und Sprachunterricht können nicht von Billiglöhnern geleistet werden.“

In einem internen Papier des Innenministeriums zufolge soll das Mindesthonorar für Dozenten von Integrationskursen von 23 auf 35 Euro pro Stunde angehoben werden.

Ein Sprecher des Ministeriums wollte die Berichte nicht bestätigen, teilte aber mit, dass zur Höhe des Kostenerstattungssatzes, den das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) an die Träger der Kurse entrichtet, derzeit Gespräche in den Ausschüssen des Bundestags stattfinden. „Das BMI setzt sich dabei engagiert dafür ein, dass die finanziellen Rahmenbedingungen für Lehrkräfte verbessert werden.“

Die GEW sieht in den Bemühungen ein positives Signal. „Folgt der Haushaltsausschuss diesem Vorstoß, wird die Arbeit in den Integrationskursen für Akademiker attraktiver“, sagte Klinger. Er wies zugleich darauf hin, dass 35 Euro pro Stunde das Minimum seien. „Die Bundesregierung muss jetzt die notwendigen Mittel bereitstellen und die Träger verpflichten, dieses Mindesthonorar einzuhalten“.

Die GEW fordert, dass Integrationslehrer fest angestellt werden sollen. Ihre Bezahlung solle sich an dem Tarifverträgen für den öffentlichen Dienst orientieren, hieß es. Alternativ könnten Honorarverträge mit einem Stundenlohn von 54 Euro angeboten werden. Wenn die Bundesregierung Zuwanderer zur Integration verpflichten wolle, müsse sie dafür auch die Mittel zur Verfügung stellen, forderte Klinger. (epd/mig)

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3 Kommentare
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  1. Ute Diri-Dost sagt:

    Integrationslehrer oder Deutschlehrer???Alle zugewanderten Gastarbeiter,die wesentlich zum Aufschwung der deutschen Wirtschaft beigetragen haben,aus verschiedenen Ländern, sowie ausländische Studenten haben sich seit vielen Jahren bestens integriert und bilden seit langem einen Teil der Gesellschaft!Wir brauchen keine lntegrationslehrer,sondern mehr Lehrer an Schulen und Fördermittel,wir brauchen mehr Sonderschule für Kinder mit Lernschwächen,im Bildungswesen liegt Vieles im Argen!Deutschkurse an Schule und Volkshochschule vermehrt anbieten,es gibt genug Studenten und Lehrkraftsanwärter,die sich Geld dazuverdienen möchten!Erst wird von Deutschkursen gesprochen und dann plötzlich von Integrationskursen,wie geht das?Bitte mal scharf nachdenken!

  2. Lehrkraft sagt:

    „Die GEW sieht in den Bemühungen ein positives Signal. „Folgt der Haushaltsausschuss diesem Vorstoß, wird die Arbeit in den Integrationskursen für Akademiker attraktiver“, sagte Klinger.“

    Nein, von „Attraktivität“ kann man in den Integrationskursen wirklich nicht sprechen. 35 € sind kein positives Signal, sondern die Verlängerung von scheinselbstständiger Arbeit im Auftrag der Bundesregierung. Warum müssen VHSn eigentlich keine Sozialversicherungsbeiträge für die Lehrkräfte abführen? Antwort: weil es nicht geprüft wird. Wenn die RV Bund diese Arbeitsbedingungen prüfen würde, dann könnten die Träger die Integrationskurse einstellen, weil von den 35 € kein abhängig Beschäftigter bezahlt werden kann.

    Lehrer an Schulen sind in die Betriebsabläufe eingegliedert, deshalb muss das Land Sozialversicherungsbeiträge für sie abführen. Sie müssen sich an Anweisungen bezüglich Arbeitsort und -zeit halten, mit KollegInnen in Konferenzen sitzen usw. Genau so ist es in den Integrationskursen, zumindest wäre es wünschenswert, wenn eine Lehrkraft sich an vorgegebene Räume und Zeiten hält. Aber bis heute wird so getan, als ob die Lehrkraft eine externe Firma wäre, die „mal“ vorbeikommt um „mal“ einen Job auszuführen. So wie der Elektriker, der „mal“ eine kaputte Steckdose repariert. „Fremdarbeiter“ oder „Außenstehender“ ist man, wenn man an einer VHS als Honorarkraft unterrichtet. Also das Gegenteil von dem, was „Integration“ eigentlich bedeutet.

    „Die GEW fordert, dass Integrationslehrer fest angestellt werden sollen. Ihre Bezahlung solle sich an dem Tarifverträgen für den öffentlichen Dienst orientieren, hieß es. Alternativ könnten Honorarverträge mit einem Stundenlohn von 54 Euro angeboten werden.“ Sorry, aber man kann sich in Deutschland nicht aussuchen, ob man abhängig beschäftigt oder selbstständig ist, das entscheidet alleine der Staat. Das hängt ab von der konkreten Arbeitssituation. So arbeitet ein selbstständiger Zahnarzt in seiner eigenen Praxis ganz anders als ein Lehrer an der Schule. Wenn man für die Lehrkräfte ein Honorar fordert, dann wirft man sie in einen Topf mit Zahnärzten, Unternehmern und freiberuflichen Rechtsanwälten. Wenn das möglich ist, dann kann man Lehrer an den Schulen auch als Selbstständige ansehen: sie sind Privatunternehmer, die ihr Wissen an Schulen verkaufen und von „Kunde“ zu „Kunde“ eilen um neue „Aufträge“ zu ergattern.

    Warum eigentlich nicht? Warum haben Lehrer an Schulen Privilegien wie z.B. die Lohnfortzahlung im Krankheitsfall? Die Integrationskurse funktionieren auch ohne diesen sozialen Schnickschnack. Warum bekommen Lehrer eigentlich die Ferien bezahlt? Damit wird doch jeder Unternehmergeist ausgebremst, weil die Lehrer in den Urlaub fahren und sich auf die faule Haut legen. Lehrkräfte in Integrationskursen schaffen in dieser Zeit fleißig weiter. Warum sollten Lehrer nicht auch im freien Markt miteinander konkurrieren dürfen? Der eine ist zwar nur 23 € Wert, der andere 54 €, aber trotzdem werden alle nach dem gleichen Tarif bezahlt. Das ist doch reiner Sozialismus! Warum sollte man das Schulsystem nicht komplett privatisieren? Bei den Integrationskursen hat das prima geklappt. Der Staat hat durch sein Honorarsystem gut 1 Mrd. € an Sozialversicherungsbeiträgen „eingespart“, während er für die Lehrer das X-fache verpulvert hat.

    Wer heute ein Honorar für die Lehrkräfte in Integrationskursen fordert, der steht fest auf dem Boden einer durchprivatisierten Bildungslandschaft. Die Privatisierung der Bildungslandschaft könnte man auch auf die Schulen ausweiten (das Schulministerium könnte Milliarden sparen!). Die Gewerkschaften sollten für beide Gruppen, also Lehrer und Lehrkräfte, die gleichen Forderungen aufstellen, und wenn man bei den Lehrkräften über Honorare spricht, dann doch bitte auch bei den Lehrern. Besser wäre es, wenn die GEW gar nicht mehr über Honorare spricht, sondern nur noch über sichere, langfristige Dauerbeschäftigungsverhältnisse. Jeder Lehrer an der Schule würde über die Vorstellung lachen, 54 € für jede geleistete Unterrichtseinheit bar auf die Kralle zu bekommen – von einer privaten Schule, deren Geschäftsführer Gewinn erwirtschaften will. Die Lehrer würden sagen, dass ihre Gewerkschaft – die GEW – sowas NIE dulden würde.

    Schade, dass die GEW das Thema Scheinselbstständigkeit in Integrationskursen jetzt nicht angeht, obwohl Scheinselbstständigkeit schon seit langer Zeit ein großes Thema ist, und zwar in jeder Branche.

    last but not least: 35 € oder 54 € bedeuten, dass der Träger so viel zahlen KANN, aber nicht MUSS. Die Bundesregierung hat immer wieder gesagt, dass sie die Träger nicht verpflichten kann, eine bestimmte Vergütung zu bezahlen. Wenn man Honorarvorschläge macht, dann nimmt man damit auch in Kauf, dass alleine der Träger über die Höhe des Honorars entscheidet. Sobald sich der „Markt“ ändert sind wir dann wieder bei 20 €.

  3. Ute Diri-Dost sagt:

    Lehrkraft:Werden die Schulen alle privatisiert,müsste Schulgeld erhoben werden,und das Wissen der Lehrer Handelsware,mit der er den Unterricht so gestalten muss,wie sein Auftraggeber es wünscht,oder ihm droht Kündigung.-Wir kann heutzutage auch noch für seine Kinder Schulgeld bezahlen?Es stehen als Alternative ja immer noch Privatschulen zur Vetfügung,wer sich das leisten kann.-Überhaupt-Lehrersein ist heutzutage kein Spaß mehr,sie haben sich die Ferien redlich verdient!Von „fauler Haut“ist da nicht zu sprechen!Ein Lehrer ist übrigens nicht nur Wissensvermittler,sondern auch Pädagoge,der erzieherisch tätig ist und somit die Gesellschaft(hoffentlich positiv)mit formt,deshalb steht er in einem dauerhaften Anstellungsverhältnis und ist so gewissermaßen geschützt und muss nicht dem Kündigungsdruck ausgesetzt sein,das sollte man sich einmal vergegenwärtigen.Das preußische Sytem der Staasbeamten hatte schon seinen Sinn!Durch angemessene Bezahlung in einem festen Arbeitsverhältnis wurden damals Korruption und Vetternwirtschaft vorgebeugt!Sind wir überhaupt noch ein Staat?



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