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Andreas Scheuer, CSU-Generalsekretär, PresseClub Regensburg, 15.9.2016

Europaweites Novum

Muslim wird Londoner Bürgermeister

Mit dem Labour-Politiker Sadiq Khan wurde erstmals ein Muslim Bürgermeister einer europäischen Hauptstadt. Während des Wahlkampfes bekannte er sich zu seinem Glauben. Das ist nicht selbstverständlich. In Deutschland haben muslimische Bürgermeister Angst vor dem „Outing“.

London, Stadt, Big Ben, Themse
London © derwiki @ pixabay (CC 0)

Der Labour-Politiker Sadiq Khan hat die Bürgermeisterwahl in London gewonnen. Er wird damit der erste muslimische Bürgermeister einer europäischen Hauptstadt. Khan erreichte nach Auszählung der Zweitstimmen 56,8 Prozent der Stimmen, während der konservative Kandidat Zac Goldsmith nur auf 43,2 Prozent kam, wie der Wahlleiter in der Nacht zum Samstag in London mitteite.

Der bisherige konservative Bürgermeister Boris Johnson, der über die Grenzen Londons bekannt ist, war nicht mehr angetreten. Der Londoner Bürgermeister wird direkt von den Bürgern gewählt. Sadiq Khan versprach in seiner Dankesrede, ein Bürgermeister aller Einwohner zu sein.

Khan verschwieg seinen Glauben nicht

Sadiq Khan, der Sohn eines aus Pakistan stammenden Busfahrers, hatte im Wahlkampf mehr bezahlbare Wohnungen versprochen. Der Politiker war selbst in einer Sozialwohnung aufgewachsen. London leidet seit Jahren unter stark steigenden Mietpreisen und gleichzeitigem Mangel an Sozialwohnungen. Zudem versprach Khan Unterstützung für die lokale Wirtschaft.

In Großbritannien leben rund drei Millionen Muslime, jeder achte Londoner ist Muslim. Während des Wahlkampfs verschwieg Khan seinen Glauben nicht, betonte aber, dass sein Glaube nur einer von vielen Dingen sei, die ihn ausmachten: „Ich bin ein Londoner, ein Europäer, ich bin britisch, ich bin englisch, ich bin islamischen Glaubens, asiatischer Abstammung, pakistanischer Abstammung, ein Vater, ein Ehemann“, sagte er.

So frei können sich nicht alle Bürgermeister bewegen – auch in Deutschland nicht. MiGAZIN weiß von mindestens einem Bürgermeister einer deutschen Stadt, der sich nicht traut, sich als Muslim zu „outen“. Er hat die Befürchtung, nicht wiedergewählt zu werden. Zudem möchte er nicht, dass seine Religionszugehörigkeit wichtigere Themen überschattet.

Konkurrent hatte Khans Glauben zum Thema gemacht

Genau das hatte Khans Konkurrent in London, Zac Goldsmith von den Konservativen, versucht. Er warf Khan vor, sich mit muslimischen Extremisten abzugeben. Dennoch gilt Khan als liberal. Er hatte Morddrohungen von Extremisten erhalten, nachdem er im britischen Parlament für die gleichgeschlechtliche Ehe gestimmt hatte.

London hat erst seit 2000 einen Bürgermeister, der für die ganze Stadt, die aus vielen verschiedenen Gemeinden besteht, zuständig ist. Allerdings hat er im Vergleich zu Bürgermeistern anderer Hauptstädte nur eingeschränkte Macht. Er hat unter anderem Einfluss auf die Verkehrspolitik der Stadt, die Polizei sowie die Wohnungspolitik. Viele andere Entscheidungen werden aber in den Gemeindeparlamenten getroffen.

Die Wahlbeteiligung lag bei 45,6 Prozent. Neun der 14 Londoner Wahlkreise gewann Labour. Fünf gewannen die Konservativen.

In Deutschland hatte sich Raed Saleh (SPD) 2014 in Berlin um das Amt des Bürgermeisters beworben. Er hatte sich in seiner Partei aber nicht durchsetzen können gegen seinen Konkurrenten und den späteren Bürgermeister Michael Müller. (epd/mig)

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