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Migration und Integration in Deutschland

Letztlich haben einige Industriestaaten ihren Bedarf an zusätzlichen Arbeitskräften … dadurch gedeckt, dass sie bei der Einstellung von irregulären Arbeitsmigranten ein Augen zudrücken.

Deutsche Gesellschaft für die Vereinten Nationen, Migration in einer interpedenten Welt, 2004

Friedensdemo der Sikh

„Wären es ihre eigenen Leute gewesen…“

Eine Woche nach dem Anschlag auf einen Essener Sikh-Tempel fand am Samstag die „Nagar Kirtan“ der Sikh-Gemeinschaft statt. Rund tausend Sikhs nahmen an der Prozession teil. Trotz Sicherheitsbedenken der Polizei wurde die Nagar Kirtan nicht abgesagt. Um ein Zeichen zu setzen – für Frieden und Toleranz.

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Die Sikh-Solidaritäts-Demo wird angeführt von Trommlern und Dudelsackspielern © Puja Kaur Matta

Am frühen Morgen war die Straße zum Gurdwara gesperrt worden. Wer hinwollte, musste zehn Minuten zu Fuß gehen, vorbei an Polizisten und Polizeiautos. Bereits im Vorfeld hatte der Essener Polizeipräsident Frank Richter erhöhte Sicherheitsmaßnahmen angekündigt. Im Zuge dessen war die Prozession, bereits Monate vorher geplant, vom Zentrum Essens ins Gewerbegebiet zum Stadion verlegt worden.

Geführt wurde die Prozession von fünf Fahnenträgern, die das Nishan Sahib trugen. Trommelspieler begleiteten den Zug musikalisch. Sie wechselten sich mit weißen Dudelsackspielern ab. Die Sangat sang religiöse Hymnen. Die leuchtenden Farben der Sangat trotzten dem grauen Himmel und dem eisigen Wind. Sie waren angereist aus ganz Deutschland: Stuttgart, Hannover oder Frankfurt, um nur einige Städte zu nennen.

Ein deutliches Signal

Zwischen Kinderwagen, Polizisten, weißen Anwohnern, die ihre Solidarität zeigten, waren auch Jaspreet und Sindeep Kaur angereist. Am Morgen sei sie ein wenig nervös gewesen wegen dem Anschlag, erzählt Sindeep, aber umso wichtiger sei es, sich zu solidarisieren. Die jungen Frauen sind überzeugt, dass auch deshalb besonders viele Sikhs angereist waren, um ein deutliches Signal zu senden. An die Öffentlichkeit. Ein Anschlag auf ein Gebetshaus, unabhängig der religiösen Zugehörigkeit, sei nie gerechtfertigt. Sie wollen wissen, wer dahinter steckt und was sich die Hintermänner dabei gedacht hatten.

Erfahren haben sie vom Anschlag durch den Sikh-Channel und anderen internationalen Medien. Die deutschen hätten kaum Interesse gezeigt. Zwar wurde berichtet, aber zunächst mit Falschmeldungen. Von einer hinduistischen Hochzeit war die Rede gewesen. Das würde zeigen, so Jaspreet, wie wenig sich Journalisten interessiert hätten. „Wären es ihre eigenen Leute gewesen, hätten sie sofort mehr recherchiert“, sagt Jaspreet, ihre Freundin nickt zustimmend, „es war sehr verletzend, dass die mediale Aufmerksamkeit in Deutschland nicht groß war.“

Zwischen tiefer Betroffenheit und Zuversicht

Am Stadion angekommen, ergreift der Vorsitzende der Essener Sikh-Gemeinschaft das Wort. Auf Punjabi dankt er für die Solidarität und die intensive Polizeiarbeit. Auch dem indischen Konsul, der aus Frankfurt angereist war, dankt er für die Unterstützung. Oberbürgermeister Thomas Kufen (CDU), hatte die Prozession den ganzen Tag begleitet. Auf Deutsch spricht er seine tiefe Betroffenheit aus, Essen sei bunt und die Sikh-Gemeinschaft gehöre dazu.

Der indische Generalkonsul meldet sich am Rednerpult ebenfalls zu Wort. Er begrüße es sehr, dass die Sikh-Gemeinschaft die Nagar Kirtan feiert. Frank Richter, der Essener Polizeipräsident, war auch zum Stadion angereist. Er sprach seiner Bestürzung über den Anschlag aus. Es sei durch den Einsatz der Kollegen gelungen, die Täter in weniger als hundert Stunden „dingfest“ zu machen. Dass einer der Täter sich freiwillig gestellt hatte, erwähnte Richter nicht. Hingegen versicherte er, dass noch hundert weitere Polizisten im Einsatz wären, um auch die Hintermänner fassen zu können. Schockierend sei es, so Richter, dass sich junge Menschen bereits so früh radikalisierten. Immer wieder betonte Richter wie wichtig es ihm ist, dass die Sikh-Gemeinde sich in Essen sicher fühlte, denn sie gehöre hier hin.

Vorfreude auf die nächste Nagar Kirtan

Seine Worte machten Jaspreet Kaur und Sindeep Kaur Mut. Sowohl die Anwesenheit von Kufen, als auch von Richter machten die Enttäuschung über das wenige Interesse der Öffentlichkeit wieder wett. Sie sind zuversichtlich, dass die Polizei ihr Bestes tut, um die Gründe für die Tat aufzuklären. Auch weitere junge Sikhs bewerten die Präsenz positiv. Deutschland sei ihr Zuhause und hier wolle man sich sicher fühlen.

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Ein Kommentar
Diskutieren Sie mit!»

  1. Dr. Pawel Petrovic sagt:

    Dass die Täter Islamisten waren, wurde hier leider gar nicht erwähnt. Man könnte meinen, es handelte sich um Rechtsradikale.



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