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Migration und Integration in Deutschland

Er [ein Paß] kommt auch nicht auf so einfache Weise zustand wie ein Mensch. Ein Mensch kann überall zustandkommen, auf die leichtsinnigste Art und ohne gescheiten Grund, aber ein Paß niemals. Dafür wird er auch anerkannt, wenn er gut ist, während ein Mensch noch so gut sein kann und doch nicht anerkannt wird.

Bertolt Brecht, Flüchtlingsgespräche, 1940

Die Mehmetebene

Der Fall Böhmermann ist ein Trauerspiel

Es ist symptomatisch, dass Bundeskanzlerin Merkel in der Kausa Böhmermann ausgerechnet den Moment der Empathie für die türkische Rezeption zum ärgerlichen Fehler erklärt. Und hier liegt auch die ganze gesellschaftliche Tragik des Falles. Von Murat Kayman

Jan Böhmermann, ZDF, Erdogan, Recep Tayyip Erdogan
Szene aus Jan Böhmermanns "Neo Magazin Royale" im ZDF neo.

VONMurat Kayman

Murat Kayman ist Syndikusanwalt im DITIB Bundesverband und Koordinator der DITIB Landesverbände.

DATUM25. April 2016

KOMMENTARE29

RESSORTLeitartikel, Meinung

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Der Fall Böhmermann ist – kurz gesagt – ein Trauerspiel. Schon in der Böhmermannschen Darbietung selbst, mehr noch in der erstaunlich breiten und emotional geprägten medialen Aufarbeitung im Anschluss an die Ausstrahlung der Sendung, offenbart sich die ganze Schwere der deutsch-türkischen Beziehungen. Und damit ist nicht die zwischenstaatliche Diplomatie gemeint.

Gewichtiger und für unser Zusammenleben prägender ist die tiefe Dissonanz innerhalb des deutsch-türkischen Seelengeflechts hier vor Ort.

Schon zu Beginn war dieses Verhältnis nicht auf dauerhaftes Gelingen angelegt. Die Türken waren seit Beginn der Arbeitsmigration ein provisorischer Faktor. Zweifellos gab es auf persönlicher, nachbarschaftlicher Ebene viele auch enge Kontakte voller Wärme und Hilfsbereitschaft. Die große Politik hat jedoch stets eine emotionale Kluft zu wahren gesucht. Für türkischstämmige Menschen, die etwa zum Zeitpunkt des Anwerbestopps 1973 in Deutschland geboren oder hier angekommen und aufgewachsen sind, ist das deutsch-türkische Verhältnis stets von Befremden und Irritation geprägt gewesen. Jedenfalls ging es mir so.

Ich bin 1973 in Lübeck geboren worden. Ich bin in einem Land aufgewachsen, das in den 80er Jahren Rückführungsprämien gezahlt hat. Also Menschen dafür bezahlt hat, dieses Land zu verlassen. Als ich unseren damaligen Nachbarn zusah, wie die materielle Manifestation ihres ganzen Lebens in einem LKW untergebracht wurde und sie aufbrachen in eine Heimat, welche die Kinder in meinem Alter nur aus dem Urlaub kannten, wusste ich nicht, was ich davon halten soll. Wie soll ich hier ein Heimatgefühl empfinden, wenn mich der Staat dafür bezahlt, ein solches eben bloß nicht zu entwickeln?

Ich habe das deutsch-türkische Verhältnis immer als Zweckgemeinschaft, als Vernunftehe empfunden. Um es provokativer zu sagen, vielleicht als Zwangsehe. Dem einen Partner ist die Beziehung nützlich, er verbindet damit auch nur rationale Aspekte der Zweckmäßigkeit und Dienlichkeit. Der andere Partner ist materiell abhängig, nicht in der Lage, die Beziehung zu beenden. Er hat sich eingerichtet und tröstet sich durch Bequemlichkeiten darüber hinweg, ohne Zuneigung leben zu müssen. Gewiss ist dieses Bild unvollständig oder verzerrt.

Es beschreibt aber die Paradoxie der jahrzehntelang postulierten Aufforderung zur Integration, bei gleichzeitig stetiger gesellschaftlicher Zurückweisung. Fordern ohne Fördern.

Ein solcher Moment war beispielsweise die Unterschriftenaktion gegen die doppelte Staatsbürgerschaft, durch den damaligen hessischen Ministerpräsidenten Roland Koch populistisch inszeniert zum „Wo kann man hier gegen Türken unterschreiben?“. Oder die Trauerfeier nach dem Brandanschlag in Solingen Anfang der 90er Jahre, als der damalige Bundeskanzler Helmut Kohl öffentlich erklärte, er werde sich nicht am Beileidstourismus beteiligen. Stellvertretend nahm Klaus Kinkel an der Trauerfeier teil. Als Außenminister. Denn ermordet worden waren ja nur „Ausländer“, also Fremde.

Wenige Jahre zuvor, gab es einen Moment der Annäherung, des Dazugehörens. Nämlich als die Mauer fiel. Für einen kurzen Augenblick der Geschichte war der „Ossi“ der Ausländer. Die Türken gehörten zu den Einheimischen, zu denen, die hier zu Hause waren. Es gab „Ossi-Witze“ die gingen so: Versucht sich ein „Ossi“ bei Aldi an der Kasse vorzudrängeln. Ruft der Türke in der Schlange „Stell dich gefälligst hinten an! Wir waren vorher hier!“

Damit war es aber schnell vorbei. Mit den Rufen „Deutschland den Deutschen, Ausländer raus!“ in Rostock-Lichtenhagen oder Hoyerswerda, mit den Anschlägen in Mölln und Solingen war schnell klar, wer hier zu Hause ist und wem welcher Platz in der Gesellschaft gebührt.

Unter großem gesellschaftlichem Applaus durfte dann auch mal endlich gesagt werden, dass die Türken kaum mehr zur Produktivität dieses Landes beitragen, als Taxis zu fahren, Gemüse zu verkaufen und Kopftuchmädchen zu zeugen. Ein Satz, der die Lebenswirklichkeit vieler Deutschen beschreibt, die den „Ali“ nur vom Gemüsestand oder als Taxifahrer kennen, sich mit „Ali“ aber nie auf einer Geburtstagsfeier unterhalten haben. Gleichzeitig ist das ein Satz, der den Kumpel „Ali“, der sich durch harte Arbeit im Bergbau oder in der Schwerindustrie um seine Gesundheit geschuftet hat, um den Stolz auf seine Lebensleistung betrügt.

Nun mag das für deutsche Ohren vielleicht wehleidig oder mimosenhaft klingen. Aber Türken sind emotional. Auch ihr Verhältnis zum Staat ist emotional geprägt. Der Staat ist „devlet baba“, „Vater Staat“. Das Heimatland ist „Anavatan“, „Mutterland“. Interessanterweise heißt es im Deutschen „Vaterland“. Der Türke liebt sein Mutterland, er will stolz sein auf sein Mutterland. Dem Deutschen ist angesichts der historischen Erfahrungen jede „Vaterlandsliebe“, gar Stolz auf das „Vaterland“ suspekt.

Die oben beschriebenen Erfahrungen der Ablehnung oder der Nichtachtung werden kaum durch positive Erfahrungen der Triangulierung zwischen Vater- und Mutterland aufgefangen. Von deutscher Seite gab und gibt es wenig Interesse an allem Türkischen. Ein intensives Verhältnis, vergleichbar der deutsch-französischen Freundschaft, hat sich nie entwickelt.

Nun haben Deutschland und die Türkei keine gemeinsamen Grenzen. Aber sie haben gemeinsame Menschen, etwa 3 Millionen. Dennoch blieb das Verhältnis distanziert. Der Deutsche kann heute formvollendet seine Tagliatelle alla emiliana bestellen, seinen Montepulciano ordern und sich „mille grazie!“ für den Espresso macchiato bedanken. Aber mit dem stummen türkischen Dehnungs-g kommt er auch nach 50 Jahren noch nicht klar.

Das Land der Dichter und Denker kann die Rührung nicht nachempfinden, die der Türke bei Versen eines Orhan Veli oder eines Cahit Sıtkı Tarancı empfindet. „Bakakalırım giden geminin ardından; Atamam kendimi denize, dünya güzel; Serde erkeklik var, ağlayamam.“ Die stille Verzweiflung in diesen Zeilen bleibt ihm verborgen. „N’eylersin ölüm herkesin başında. Uyudun uyanamadın olacak. Kim bilir nerde, nasıl, kaç yaşında? Bir namazlık saltanatın olacak. Taht misali o musalla taşında.“ Die Melancholie, das Gefühl des „Hüzün“ in diesen Versen kann er nicht nachempfinden.

Statt sich für die Gedichte des Türken zu interessieren, schreibt der Deutsche halt lieber selbst Gedichte. Und die Böhmermann-Nummer hat bewusst oder fahrlässig den deutschen Blick auf das Türkische konzentriert auf den Moment der Verachtung. Sie hat genau jene Saiten angeschlagen, die in der türkischen Seele nach über 50 Jahren Migrationserfahrung schmerzen. Sie wurde verstanden als die dominante Geste des Hausherren, mit der er den ewigen Gast auf seinen Platz verweist. Der Anspruch mag ein anderer gewesen sein. Die kalkulierte oder vielleicht auch im Nachhinein hineininterpretierte satirische Raffinesse konnte in und gerade wegen der Inszenierung nicht verstanden werden.

Denn Böhmermann hat in dem Moment, in dem er die türkische Flagge im Hintergrund hat einblenden lassen, sein türkisches Publikum verloren. Ab diesem Zeitpunkt konnte die Nummer für den türkischen Empfänger nicht mehr nur als Schlagabtausch zwischen Böhmermann und Erdogan begriffen werden.

Vielleicht hat Böhmermann mit der Verwendung stereotyper Beschimpfungen gerade der deutschen Verachtung den kritischen Spiegel vorhalten wollen. Vielleicht muss man ihm – im Zweifel für den Satiriker – diese Absicht zugestehen, die Nummer auf eine Metaebene transformiert haben zu wollen. Aber auf der Mehmetebene blieb nur der Geschmack des verkrusteten Ressentiments gegen den stinkenden türkischen Sodomisten.

In der medialen Besprechung dieser Inszenierung war sie dann wieder da, die Geste der kulturhierarchischen Belehrung über Kunst und Satire, Freiheit und Demokratie. Das verächtliche Ausspucken wurde uminterpretiert zum kritischen Räuspern.

Die klügste Geste der Bundeskanzlerin war die öffentliche Bekundung, das Gedicht als bewusst verletzend bewertet zu haben. In diesem Moment war sie die Kanzlerin auch der türkischstämmigen Bürgerinnen und Bürger. Natürlich spielt diese Bewertung keine Rolle für die juristische Würdigung des Falles. Und das hätte sie auch deutlich hinzufügen können und sollen. Und der Bezug dieser Bewertung nur auf das Gedicht und nicht auf die gesamte Inszenierung hätte diese Äußerung in ihrer Differenziertheit sogar glaubwürdiger gemacht.

Es ist aber symptomatisch für die deutsch-türkische Beziehung, dass sie ausgerechnet diesen Satz nun öffentlich als Fehler bezeichnet und erklärt, sich darüber geärgert zu haben. Sie erklärt den Moment der Empathie für die türkische Rezeption der Böhmermann-Nummer zum ärgerlichen Fehler. Und hier liegt auch die ganze gesellschaftliche Tragik des Falles.

Politiker und Medien überbieten sich regelmäßig in der Entrüstung über Erdogan-Sätze zur Assimilation als Verbrechen gegen die Menschlichkeit. Sie beklagen sich über einen tatsächlichen oder vermeintlichen Einfluss der Türkei auf türkischstämmige Menschen in Deutschland.

Dabei merken sie nicht, dass Erdogan nur eine Lücke füllt – und das nicht einmal besonders geschickt. Wir leugnen seit Jahren, dass es eine hybride deutsch-türkische Identität geben kann. Wir verstehen auch nach 15 Jahren Islamdebatte „Deutsch“ und „Muslim“ immer noch als einander ausschließende Begriffe, obwohl es sich um unterschiedliche Kategorien handelt. Wir fragen hier in Deutschland geborene Menschen, warum sie so gut Deutsch sprechen. Oder wo sie „wirklich“ herkommen.

Dafür, dass junge Menschen, deren einzige soziale Realität sich hier in Deutschland abspielt, sich dennoch von dieser Gesellschaft abwenden, ist nicht Erdogan verantwortlich. Das haben wir ganz allein geschafft.

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29 Kommentare
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  1. StolzerTürke Kein Deutscher sagt:

    Warum gibt es unter Tagesschau.de nicht so einen Artikel. Ach ja, das passt nicht in den gesetzten Rahmen. Wir sind nur gut genug, Rundunkgebühren zu zahlen.

  2. Claudia sagt:

    …vielen Dank, großartiger Text an dem ich viel gelernt habe!! Das Subtile wird greifbar und ganz Gegenständlich. Ich hätte diese Linien so nicht aufschlüsseln können, das Schwarz-Weiß ist in diesem Fall so unglaublich schnell greifbar und natürlich auch wieder gar nicht! Die Frage sollte doch in der heutigen Gesellschaftsepisode immer darin liegen das Gemeinsame, Gewachsene und Selbstverständliche der Migrationsgesellschaft zu betonen und die Augenhöhe und Wertschätzung – auch Anerkennung von Diskriminierungserfarhung dabei nie aus den Augen verlieren.

  3. derkritiker sagt:

    „Es beschreibt aber die Paradoxie der jahrzehntelang postulierten Aufforderung zur Integration, bei gleichzeitig stetiger gesellschaftlicher Zurückweisung. Fordern ohne Fördern. “

    sehr gut erkannt ! es geht nicht um integration sondern eine bessere ,mainstream fähige methode vorurteile weiter zu vertreten !

    bisher wurde der begriff der integration ( den jeder benutzt aber keiner eindeutig definieren kann und der selbst gar nicht sooo alt ist ) nicht rechtsverbindlich definiert . man sagt noch dazu das es eine bringschuld ist .

    mir kommt das bild vom despotischen herrscher in den sinn , der nicht weiss was er will oder sagen kann und alle speisen weg tritt die ihm gebracht werden .

    „Dabei merken sie nicht, dass Erdogan nur eine Lücke füllt – und das nicht einmal besonders geschickt. Wir leugnen seit Jahren, dass es eine hybride deutsch-türkische Identität geben kann“

    Ja Deutschland ist nach dem letzten Völkermord ethnisch sehr homogen , entweder sind die anderen deutschen tot oder geflohen .
    Es fällt ihnen schwer Minderheiten im eigenen Land anzuerkennen , oder wahrzunehmen .Wahrscheinlich in der leisen hoffnung das wenn die Schutzmacht des Westens mal abziehn sollte man wieder die alten fahnen rausholen kann und aufräumt . ordnung muss sein .

    in vielen ländern der welt wird nunmal nationalität nicht mit ethnizität gleichgesetzt . nur in deutschland .

    interessanterweise nehmen aber die meisten deutschen minderheiten im ausland das für selbstverständlich und werden aus der alten heimat darin bestärkt . z.b brasilien ,chile , namibia ,belize etc . wo sich die leute selbstverständlich als bürger dieses landes sehn und anehmen aber trotzdem als deutsche verstehn .

  4. Wiebke sagt:

    Ein sehr einleuchtender Beitrag. Ich würde gerne die türkischen Zeilen verstehen und bedauere auch sehr die Ignoranz und Arroganz der Deutschen gegenüber türkischer Kultur. Wo bleibt der Tükrisch-Unterricht an Schulen?
    Wäre die Türkei früher an an die EU angebunden worden, zumindest Visumsfreiheit gewährt, wer weiß, vielleicht hätten wir heute keinen Erdogan sondern einen mehr demokratischen Staatenlenker. Heute sehen wir, wie wichtig das Land für Europa ist. Und zweifellos durch die Schnittmenge der drei Millionen seiner Staatsbürger, die in D ansässig sind, auch ein Teil davon!

  5. Stefan Weber sagt:

    Man kann überall alles hineininterpretieren.

    Böhmermann hat aus meiner Sicht das Ziel seiner Satire genau getroffen. Die Bundesregierung hat auf die Reaktion bezüglich dem extra3 Beitrag nicht konsequent reagiert und Böhmermann hat die deutsche Bundesregierung daher der Lächerlichkeit Preis gegeben. Dass die Satire durch den Schlingerkurs der Kanzlerin noch mehr zur Realsatire wurde, war dagegen wohl eher nicht beabsichtigt, aber dafür nicht minder komisch.

    Herrn Erdogan wurde in dieser Satire lediglich die Statistenrolle eines Despoten zugedacht, der sich auf Kommando echauffiert. Seine Rolle in dieser Satire war ja bereits genau vorgezeichnet und selbst das ZDF handelte wie erwartet.

    In Bezug auf die türkische Flagge, gehe ich nicht davon aus, dass diese ein Bezug zum türkischen Volk darstellen sollte. Deutschland hat keinen richtigen Nationalstolz und eine Flagge müsste daher eher symbolisch als Ironie auf die jeweilige „offizielle Regierung“ umgemünzt werden.

    Der Artikel zeigt mir übrigens auch ein Bild von Deutschland auf, wie ich es nicht kenne. Ich bin etwa zur gleichen Zeit geboren wie der Autor, aber neben Pizza esse ich auch mit Vorliebe Döner. Vielleicht kann ich nicht auf türkisch einen Tee bestellen, aber schon in unserer Jugend hänselten wir uns dafür gegenseitig mit Worten wie „eşek“.

    Und was die Religion anbetrifft, haben viele von uns „Nathan der Weiße“ von Lessing gelesen. Daher bin ich zuversichtlich, dass auch viele begriffen haben, dass Judentum, Christentum und der Islam 3 Brüder sind, die sich aus der Sicht ihres Vaters kaum unterscheiden lassen.

    In Bezug auf Satire sollten wir auch nicht vergessen, dass es manchmal einfacher ist Misstände außerhalb überspitzt aufzuzeigen, als diese innerhalb des eigenen Landes sichtbar zu machen. Von diesem Kunstgriff lebt Satire, auch wenn man den Stil des „Gedichts“ wohl tatsächlich nicht unbedingt lieben muss. Wer sich aber Satire von Charlie Hebdo genauer anschaut, wird auch hier vieles entdecken, was seinem persönlichen Geschmack nicht ganz entspricht 😉

  6. aloo masala sagt:

    Ich stimmte dem Autor in vielen Punkten zu, was den Umgang mit Türken und die Heuchelei deutscher Politiker betrifft. So berechtigt die Punkte sind, so verfehlt sind sie auch im Zusammenhang der Causa Böhmermann.

    Das Trauerspiel in der Causa Böhmermann ist in erster Linie das Verhalten von Erdogan. Es ist beschämend einen solchen Präsidenten in seinem Vater/Mutterland zu haben und es ist noch beschämender, wenn man einen solchen Präsidenten unterstützt. Dieser Präsident spaltet die Menschen in der Türkei und versprüht sein Gift auch außerhalb der Türkei. Er vereinigt so ziemlich alle Kritikpunkte, die in diesem Artikel gegen Deutsche hervorgebracht werden und schießt dabei noch weit über das Ziel hinaus.

    Wer einen Artikel über die Causa Böhmermann schreibt und diesen Aspekt weitgehend unbeachtet lässt oder bagatellisiert, ist nur dank der Gnade seiner Geburt kein guter Deutscher geworden, der die Schuld immer bei uns, den defizitären Kanacken sucht.

  7. Bonhomius sagt:

    „Der Türke“ bzw. „der Deutsche“ handelt/denkt so uns so. Schön, dass Sie denken, Sie wüssten wie „der Türke“ und „der Deutsche“ an sich empfindet. Wahrer wird es dadurch nicht. Ist dies ein Fall von Hybris, oder lediglich unreflektierter Nationalismus?

    Bitte verzichten Sie künftig darauf, im Namen anderer zu sprechen, zumal, wenn Sie offensichtlich keine Ahnung davon haben.

  8. Herbert Kleber sagt:

    Richtig Herr aloo masala eine schöne und intelligente Retourkutsche an den Schreiber. Sehe ich genauso.

  9. Gerd Weghorn sagt:

    @Stefan Weber sagt:“ Man kann überall alles hineininterpretieren.

    Böhmermann hat aus meiner Sicht das Ziel seiner Satire genau getroffen. Die Bundesregierung hat auf die Reaktion bezüglich dem extra3 Beitrag nicht konsequent reagiert und Böhmermann hat die deutsche Bundesregierung daher der Lächerlichkeit Preis gegeben.“

    Wer hier in B. Aktion etwas „hineininterpretiert“, das sind ausschließlich Sie.
    B. hat nicht die Bundesregierung gemeint, sondern Herrn Erdogan; durch die Einblendung der türkischen Fahne hat er in Erdogan auch die Türken beleidigt. Basta.

    Sie kommen mit der Ausrede, dass B. mit dem Abhaspeln seiner Zoten ein edukatives, ein aufklärerisches Interesse gehabt hätte, dass er Erdogan hätte erklären wollen, was in Deutschland Satire und was eben eine Beleidigung sei. Das aber wusste Herr E. schon, darum hat er nicht gebeten. Und B. wusste, dass seine Zeilen nicht mit Art. 1 GG vereinbart sind, demzufolge die Würde eines jeden Menschen unantastbar zu sein hat.

    Das wusste auch die Merkel, aber dann ist Sie vor Leuten wie Sie einer sind, eingeknickt und ist zurückgerudert.

    Josef Augstein hat für Gehirnpygmänen, für die Beleidigungen die normale Umgangsform sind, hat ein Gleichnis gebracht, das vielleicht auch Sie verstehen werden. Er sagte sinngemäß: es ist mir nicht erlaubt, eine Oma zusammenzuschlagen um ihr zu „erklären“, was in Deutschland den Straftatbestand der Körperverletzung erfüllt.

    Dass Sie meine Argumentation nicht widerlegen können, das wissen Sie; lernen Sie dazu, was Recht und was Unrecht ist, dann hat sich auch Ihre Meinungsäußerung für Sie gelohnt.

  10. Frieda sagt:

    @Gerd Weghorn
    „Er sagte sinngemäß: es ist mir nicht erlaubt, eine Oma zusammenzuschlagen um ihr zu „erklären“, was in Deutschland den Straftatbestand der Körperverletzung erfüllt.“

    Die Analogie stimmt nicht, da es sich ja bei Herrn Böhmermann und seiner Show um eine Satire handelt und nicht um Otto-Normalo oder einen Journalisten.

    Es ist die Kombination aus Satire und Ankündigung einer nicht erlaubten Schmähkritik, die den Fall nicht so klar und einfach macht, wie so manch humorloser Mensch es gern hätte.


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