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Durch die Möglichkeit der Beschäftigung ausländischer Arbeitnehmer in solchen [einfachen, manuellen] Positionen hat sich die Chance der deutschen Arbeiter, sich beruflich weiterzuentwickeln und in der Betriebshierarchie aufzusteigen zweifellos verbessert.

Bundesanstalt für Arbeit, Repräsentativuntersuchung ’72 über die Beschäftigung ausländischer Arbeitnehmer…, 1973

Spendenaktion #Hasshilft

Ein Euro für jeden gemeldeten Hasskommentar

Die Aktion „#Hasshilft“ spendet für jeden fremdenfeindlichen Hasskommentar ein Euro. Mit Sprüchen wie „Rechts extrem spendabel!“ oder „Über 1 Millionen Flüchtlingen gefällt das.“ wird die unfreiwillige Spende zudem provokant kommentiert. Am Dienstag wurden zwei Mal 5.000,88 Euro gespendet.

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Spendenaktion #Hasshilft

Die Anti-Hasskommentare-Aktion „#Hasshilft“ hat am Dienstag in Berlin Spenden von jeweils 5.000,88 Euro an Exit Deutschland und die „Aktion Deutschland Hilft“ übergeben. Der Organisator, das Zentrum für Demokratische Kultur, hatte für jeden gemeldeten Hasskommentar in sozialen Netzwerken einen Euro für das Neonazi-Aussteigerprogramm sowie die Flüchtlingshilfe gesammelt.

Die Aktion sei „eine großartige Idee, die Dumpfheit und Angst unterbricht und zum Nachdenken anregt“, sagte Manuela Roßbach von der „Aktion Deutschland Hilft“. Mit dem Projekt, das seit Ende Oktober läuft, wollen die Organisatoren Nutzern beistehen, die sich online gegen Hassreden starkmachen. „Gegenrede kann eine Verklumpung der Diskussion aufweichen“, sagte Mitinitiator Fabian Wichmann.

Er unterscheidet zwischen zwei Arten von Kommentaren: affekthafte aus Angst oder Frust sowie organisierte von rechtsradikalen Akteuren. Letztere fielen dadurch auf, dass sie Flüchtlinge mit Tieren verglichen und zu Mord sowie Massenvernichtung aufriefen, erklärte Wichmann.

Nutzer können der Initiative Hasskommentare auf Facebook oder in anderen sozialen Netzwerken melden. „#Hasshilft“ überprüft die Aussagen und schreibt anschließend einen Dankeskommentar für die Spende an den Verfasser. Dafür nutzen sie satirisch verfremdete rechtsradikale Symbolik und Sprache. Zu dem Dank für die Spende schreiben sie beispielsweise: „Da kann man ruhig nationalstolz drauf sein“ oder „Über 1 Millionen Flüchtlingen gefällt das“. So sind auch die 88 Cent bei den Spenden eine Anspielung auf einen Neonazi-Code. Die Achter entsprechen den jeweiligen Buchstaben im Alphabet, also „HH“, was für „Heil Hitler“ steht. Die Initiative interpretiert es als „Hass hilft“.

Gestartet ist die Aktion bereits am 23. Oktober. Das Geld stellen unter anderem der FC St. Pauli, der Bezahlsender Sky, das Wirtschaftsmagazin „brand eins“ und die Initiative „Du bist ein Gewinn“ der Deutschen Fernsehlotterie zur Verfügung. Betrieben wird das Portal von sieben ehrenamtlichen Helfern. „Unser weiterer Erfolg hängt von zwei Faktoren ab: Hass und Spenden“, sagte Wichmann. „Hass kriegen wir auf jeden Fall genug“, fügte er hinzu.

Bisher seien etwa 5.000 bis 6.000 Hasskommentare beantwortet worden, weitere 3.000 bis 4.000 seien dokumentiert, bei denen eine Kommentierung blockiert ist. „Die Differenz zu den 10.000 Euro ist durch Clausnitz zustande gekommen, das haben wir als einen riesigen Hasskommentar bewertet“, sagte Wichmann zu den Pöbeleien eines Mobs gegen Flüchtlinge.

Das Zentrum für Demokratische Kultur war bereits im November 2014 mit einer ähnlichen Aktion aufgefallen. Bei einem Aufmarsch von Rechtsradikalen im oberfränkischen Wunsiedel hatten sie erstmals für jeden gelaufenen Meter der Extremisten einen Euro gespendet. Die Initiative lief unter dem Namen „Rechts gegen Rechts“. Bisher hat das Projekt über 33.000 Euro an Spenden gesammelt. (epd/mig)

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