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Migration und Integration in Deutschland

[Die Verhinderung der Sesshaftmachung] würde den Vorteil haben, dass das Interesse an einer Familienzusammenführung zurückgeht und damit uns erheblich geringere Infrastrukturkosten entstehen würden.

Ein Vertreter der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände, Weber, 1974

"Widerlich und abscheulich"

Empörung über Schadenfreude nach Asylheim-Brand

Ein Mob hetzt gegen ankommende Flüchtlinge, Anwohner bejubeln den Brand eines Asylheims: Politiker sind entsetzt über neue Vorfälle in Sachsen, nennen sie „abscheulich und widerlich“. Das Feuer in Bautzen wurde vermutlich absichtlich gelegt.

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Das abgebrannte Haus sollte eine Flüchtlingsunterkunft werden © Martin Gommel

„Da läuft etwas sehr verkehrt in Sachsen“: Nach neuer Hetze gegen Flüchtlinge in Sachsen brachte die Flüchtlingsbeauftragte der Bundesregierung, Aydan Özoğuz (SPD), am Sonntag auf den Punkt, was viele Politiker in Bund und Ländern empfanden. Die versuchte Blockade einer Flüchtlingsunterkunft in Clausnitz und die unverhohlene Schadenfreude von Schaulustigen über den vermutlich absichtlich gelegten Brand eines Asylheims in Bautzen lösten Empörung und Fassungslosigkeit aus.

Wer unverhohlen Beifall klatsche, wenn Häuser brennen, handele „abscheulich und widerlich“, twitterte Bundesjustizminister Heiko Maas (SPD). Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) sieht in Sachsen „Schwellen des Anstands und Rechts überschritten“. Auch Ministerpräsident Stanislaw Tillich (CDU) bezeichnete die Vorfälle in Clausnitz und Bautzen als „widerlich und abscheulich“: „Das sind keine Menschen, die sowas tun. Das sind Verbrecher“, sagte er.

Mob verhindert Arbeit der Feuerwehr

Sein Bundesland geriet am Wochenende nicht zum ersten Mal in den Mittelpunkt der Debatte um fremdenfeindliche Straftaten. Wiederholt hatten in Sachsen Flüchtlingsunterkünfte gebrannt. Neu ist diesmal der offene Jubel darüber. Wie die Polizei mitteilte, kommentierten Anwohner während der Löscharbeiten in der Nacht zum Sonntag „das Brandgeschehen mit abfälligen Bemerkungen und unverhohlener Freude“. Drei Personen versuchten, die Arbeit der Feuerwehr zu behindern. Nach ersten Erkenntnissen geht die Polizei von Brandstiftung aus. Wie sie am Nachmittag mitteilte, wurden Brandbeschleuniger in dem Gebäude entdeckt.

Dieses Verhalten nur wenige Tage nach den Schlagzeilen über einen Mob, der im mittelsächsischen Clausnitz den Einzug von Flüchtlingen in eine Unterkunft zu verhindern versuchte, ließen CDU-Vize-Chef Armin Laschet nach eigenen Angaben „erschaudern“. „In Bautzen und Clausnitz ist die Integration mancher Deutscher in unsere Leitkultur, die für Humanität, Respekt und Anstand steht, gescheitert“, sagte Laschet der Welt.

Rassismus und Fremdenfeindlichkeit seien „hausgemacht“

Bei allem Entsetzen fühlen sich in Sachsen aber auch die bestätigt, die seit langem kritisieren, Rassismus und Fremdenfeindlichkeit seien „hausgemacht“, wie es SPD-Vertreter am Wochenende erneut formulierten. Bestätigt sehen sie sich unter anderem durch das Verhalten der Chemnitzer Polizei, die wegen des Einsatzes in Clausnitz am Wochenende selbst in die Kritik geriet. (epd/mig)

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4 Kommentare
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  1. […] geriet am Wochenende auch wegen einem Feuer in die Schlagzeilen. In der Nacht zum Sonntag brannte in Bautzen ein für Flüchtlinge vorgesehenes Gebäude. Wie die Polizei in Görlitz mitteilte, brannte der komplette Dachstuhl des sogenannten Husarenhofs […]

  2. Lutz Grubmüller sagt:

    Da tummelt sich der braune Mob wieder in seinem Element.
    In der BRD wurde die braune Gesinnung seit Kriegsende gehegt
    und Altnazis zuhauf in hohen Ämtern geduldet – die rechtsnationale
    Srtimmung in Deutschland ist nicht zuletzt auch die Frucht dieses
    gravierenden politischen Fehlers!
    Überfällig sind schärfere Gesetze und die unbedingte Verfolung
    rechtsmotivierter Straftaten. Polizei und Justiz schauen bis jetzt
    gern weg – wen wundert es!

  3. So ganz „vom Himmel gefallen“ ist mit Sicherheit dieser Brandanschlag in Bautzen (wie auch die anderen) nicht und so friedlich kann es auch nicht gewesen sein, wenn man bedenkt, dass sehr viele Menschen div. Anzeichen rechten Gedankenguts ignoriert, oder einfach nur übersehen haben ? Wie z.B. in Bautzen.

    So fand ich dort vor längerer Zeit dort sehr große „SS“-Runen und andere unter Verbot stehende NS-Symbole in einer kleinen Passage in der Innenstadt, die ich zum Entsetzen einiger BürgerInnen selbstverständlich übersprayt habe, was sonst?

    Luz Grubmüller kann ich auch zustimmen, aber ich muss noch ergänzen, dass jene Projekte gegen Rechtsextremismus und für Toleranz meist nur einen kosmetischen Touch haben.
    Während authentische und im Endergebnis tatsächlich nachhaltige Projekte öffentlich meist rigoros abgelehnt werden!
    So bekam ich z.B. vor einem Jahr in Dresden Hausverbot von der Schulleitung einer Schule erteilt und durfte somit nicht der Einladung einer Lehrerin folgen!

    So frage ich mich schon langsam, warum dann Inititiven und engagierte Personen überhaupt dann noch geehrt werden ?

  4. […] "Widerlich und abscheulich"  Empörung über Schadenfreude nach Asylheim-Brand […]



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