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Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich (CSU), Deutsche Presse-Agentur (18.01.2013)

Hoaxmap

Online-Karte soll Gerüchten über Flüchtlinge entgegentreten

Immer mehr Gerüchte über Asylsuchende kursieren im Internet. Einmal in die Welt gesetzt, verbreiten sie sich in sozialen Netzwerken rasant. Eine online Karte räumt nun auf. Es stimmt gar nicht, dass Gemeinden „Sexarbeiterinnen für Geflüchtete“ bezahlen.

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Hoaxmap zeigt Gerüchte von Flüchtlingen © Hoaxmap

Mit der Onlinekarte hoaxmap.org will deren Entwicklerin Karolin Schwarz (30) Gerüchten über Flüchtlinge entgegenwirken. Die in die Seite eingebaute Googlemaps-Karte visualisiere Orte, an denen Gerüchte über Flüchtlinge entstanden und widerlegt worden seien, sagte Schwarz dem Evangelischen Pressedienst. „Heutzutage gibt es an jeder virtuellen Straßenecke Gerüchte über Flüchtlinge, die gefühlt an Intensität zugenommen haben, deshalb habe ich mich entschlossen, das Projekt zu machen“, sagte Schwarz. Die Karte, die seit dem 8. Februar online ist, liste bisher 187 Datensätze auf.

Die in die Homepage eingebaute Google Maps-Karte zeigt gelbe Punkte, an denen Gerüchte über Flüchtlinge entstanden sind. Durch einen Klick auf einen Punkt öffnet sich ein kleines Fenster mit den Informationen über das Gerücht, dem Datum und dem Ort, an dem das Gerücht entstanden ist oder existiert hat sowie die thematische Kategorie. Zudem findet sich ein externer Link auf einen journalistischen Artikel, der das Gerücht durch Informationen widerlegt. Meistens ist die Quelle der Onlineauftritt einer Regionalzeitung.

Zur Gemeinde Kropp in Schleswig-Holstein findet sich zum Beispiel folgendes Gerücht: „Gemeinde Kropp bezahlt Sexarbeiterinnen für Geflüchtete, Datum: 29.01.2016, Kategorie Geldleistung/Sachleistung“. Zudem gibt es einen Link zu einem Artikel mit dem Titel: „Prostituierte im Flüchtlingsheim? Bürgermeister in Kropp kämpft gegen Gerüchte“ auf der Onlineseite der Schleswiger Nachrichten. Biepisele dieser Art gibt es viele: In Schongau soll die Gemeinde Flüchtlingen teure Markenkleider bezahlt haben, in Wertheim hätten sich Flüchtlinge vor Fahrzeuge geworfen, um Geld von der Versicherung zu erhalten.

Ein Großteil der in der Karte visualisierten Gerüchte seien ab Juli 2015 aufgekommen, sagte die Unternehmensberaterin Schwarz, die sich ausschließlich in ihrer Freizeit mit der Visualisierung von Daten beschäftigt. Die Karte sei allerdings nicht vollständig. Sie habe die Gerüchte über Suchmaschinen und den Kurznachrichtendienst Twitter gefunden und ausgewertet. Seitdem die Seite am Montagabend online gegangen sei, seien „unglaublich viele Hinweise auf Gerüchte und ihre Widerlegung“ eingegangen, sagte Schwarz. Sie wolle die neuen Informatioen nach Prüfung in die Karte einbauen.

Die Idee zu der Seite sei ihr während ihrer ehrenamtlichen Arbeit in einer Erstaufnahmeeinrichtung in Leipzig von August bis Ende des Jahres 2015 gekommen, sagte Schwarz. „Wenn man Leuten erzählt, dass man mit Flüchtlingen arbeitet, dann kommen ganz automatisch Gerüchte, mit denen man konfrontiert wird“, sagte die Initiatorin der Internet-Seite. Neben einer eigenen Seite gebe es auch noch einen Twitteraccount @hoaxmap, der auf Updates auf der Seite hinweise. (epd/mig)

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Ein Kommentar
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  1. Volker K. sagt:

    Grundsätzlich eine gute Idee. Das hilft wahr von falsch zu unterscheiden. Wer hat nicht schon selbst erlebt daß einem etwas über dies und das erzählt wird und man schon beim Zuhören das Gefühl hat hier spinnt sich jemand eine wilde Räuberpistole zusammen. Ich kann die Vorbehalte gegenüber gewissen Flüchtlingsgruppen nachvollziehen denn es gab ja auch inzwischen genügend Erignisse die zweifelsfrei belegt sind. Aber es hilft niemandem wenn immer noch eine krassere Story oben drauf gepackt wird um die ohnehin schon verfahrene Situation gefährlich zu überspitzen. Die Tatsachen sollten reichen um sich ein differenziertes Bild zu machen. Allerdings glaube ich kaum daß diese interaktive Karte wirklich etwas bewegt. Die meisten die ich kenne, denen immer eine Gruselgeschichte einfällt glauben ohnehin der Presse, der Polizei oder sonstigen Behörden nicht mehr und die geneignten Zuhörer lassen sich auch nicht von einem Dementi selbst von öffentlicher Seite überzeugen. Und klar denkende Menschen die auch ohne solche Gerüchte die Zuwanderungs- und Flüchtlingspolitik ablehnen werden bei ihrer Einsetllung bleiben, denn viele haben ihre Einstellung nicht der Bildzeitung oder Twitter usw. entnommen sondern haben sich selbständig Gedanken gemacht. Von daher finde ich den Ansatz zwar ganz gut, habe aber Bedenken daß sie nur die erreicht die ohnehin positive zu der Flüchtlingswelle stehen. Man stelle sich eine interaktive Karte vor, die genau die Gegenposition bedient, also Vorfälle die einwandfrei belegt sind und von der Polizei oder anderen Behörden bestätigt wurden auf den jeweiligen Ort visualisiert. Wen würde diese Karte interessieren? Der Kreis der Nutzer ware wohl auch sehr einseitig ausgerichtet. Ich bin gespannt wie lange es dauert bis dieses Projekt von irgendeinem in die Hand genommen wird.



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