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Ulrich Freiherr von Gienanth, Der Arbeitgeber, 1966

Das Experiment

Muslime und Juden im Glaskasten

Tiere werden in einen Glaskasten gesetzt. Sie gehören vermeintlich unterschiedlichen Spezies an. Ein Forscherteam hält das Zusammentreffen mit einer Kamera fest: Werden sich die beiden nun zerfleischen? Oder doch überglücklich in die Arme fallen? Wie geht das „Experiment“ aus? Hannah Tzuberi über ein Video, das in sozialen Netzwerken bereits hunderttausendfach angesehen wurde.

Juden, Muslime, Umarmung, Experiment, Video, Antisemitismus
Szene aus dem Video "Das Experiment".

VONHannah Tzuberi

Hannah Tzuberi lebt in Berlin-Neukölln und ist Mitarbeiterin des Instituts für Judaistik der Freien Universität Berlin. Sie engagiert sich in der Salaam-Schalom Initiative und schreibt einen Blog.

DATUM3. Februar 2016

KOMMENTARE13

RESSORTAktuell, Meinung

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Die Spezieszugehörigkeit beider Tiere ist ganz leicht zu erkennen: Das eine Tier hat eine Kippa auf dem Kopf, es heißt „der Jude“. Das Forscherteam nimmt die Perspektive des Juden ein: Er ist das Individuum, das auf seinem Weg durch den Dschungel begleitet wird. Es ist eine Expedition des Menschen hin zu den Wilden, mitten rein in eine nicht näher differenzierte Masse von Barbaren: die Geflüchteten, die da hausen in der Mehrzweckhalle.

Mit erregter Spannung erwartet das Forscherteam den Ausgang des Experiments: Was wird passieren, wenn die Wilden das erste Mal in ihrem Leben einen Juden sehen? Ganz tief im Inneren weiß das Team natürlich: Nicht nur die Wilden, sondern auch die Forscher selber hatten in der Vergangenheit eher wenig mit Juden zu tun. Die unmittelbaren Vorfahren der Forscher nämlich löschten jüdisches Leben in ganz Europa aus. Als sie dann zum ersten Mal in ihrem Leben auf einen lebendigen Juden treffen, zittern daher vor allem sie selbst – nur gut, dass sie ihre Vergangenheit bewältigt haben, und „dem Juden“ so ganz ungezwungen gegenüber treten. So ungezwungen, dass sie ihn mitsamt seines Markenzeichens, der Kippa, in feindlicher Umgebung aussetzen, um dann mit Erregung festzustellen, dass der anti-Semitismus nun bei den Geflüchteten zu Hause ist. Welch Erleichterung!

Die Geflüchteten selber drehen sich weg. Sie wollen am „Experiment“ nicht so richtig teilhaben, was schade ist, denn nur durch dieses Experiment können die Forscher erkennen, ob die Geflüchteten integriert werden können, in die zivilisierte Welt da draußen, jenseits der Mauern der Unterkunft: da, wo Antisemitismus allenthalben geächtet wird – wo es zwar auch kaum mehr Juden gibt, wo man ab und zu Mal die Beschneidung verbieten möchte, wo man die Sichtbarkeit nicht-protestantischer Religiosität mit dem Verweis auf die eigene Neutralität kriminalisiert. Wo man Juden vor allem dann wirklich sehr, sehr gerne hat, wenn sie sich zur Bestätigung des eigenen Selbstbildes benutzen lassen.

Yonatan Shay besucht das Flüchtlingscamp in Tempelhof

Geht ein Jude in eine Flüchtlingsunterkunft… Das Experiment.

Posted by DIE WELT Video on Sonntag, 24. Januar 2016

Nein, das ist keine Relativierung von Antisemitismus. Es ist auch nicht der Versuch, ein real existierendes Problem kleinzureden, unter den Tisch zu kehren, oder zu verharmlosen. Es ist ganz einfach ein Hinweis darauf, dass wirklich niemandem damit geholfen ist, wenn Juden und Muslime wie Versuchskaninchen in eine Glasbox gesetzt werden, um ihre Feindschaft und/oder Freundschaft vor deutschen Kameras zu demonstrieren.

Denn Antisemitismus ist kein mystisches Spaghettimonster, das sich wahlweise auf verschiedene Bevölkerungsgruppen setzt, dort sein Unheil anrichtet, und dann weiterfliegt, um sich ein neues Zuhause zu suchen. Antisemitismus ist, in diversen Ausformungen und Facetten, ein Bestandteil des christlichen Abendlandes, und wenn jetzt zur „Antisemitismus-Prävention“ Flüchtlingsunterkünfte und Moscheen brennen, dann schützt der weiße Europäer nicht die hier lebenden Juden, sondern benutzt sie zur Legitimation seines eigenen Rassismus.

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13 Kommentare
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  1. Volker K. sagt:

    Was ist das für ein wirrer Artikel? Ich kann beim besten Willen kaum einen Zusammenhang zwischen dem Video und diesem Hinweis am Ende des Artikels nachvollziehen. Antisemitismus ist schon lange kein Bestandteil des christlichen Abendlandes mehr sondern – Gott sei Dank – nur noch eine Randerscheinung irgendwelcher extremer Minderheiten im Land, die man sicherlich weiterhin bekämpfen muß. Sicherlich ist es auch fragwürdig ob dieses Video irgendwelchen Mehrwert erzeugt oder nicht, aber es gehört schon sehr viel einseitige Emmotion dazu aus diesem Video den Brückenschlag zur angeblichen Legitimation des angeblichen Rassismuses des weißen Europäers zu konstruieren. Wenn das mal nicht eine lupenreine Pauschalisierung gewisser Gruppen ist.

  2. karakal sagt:

    Das ganze Experiment ist eine Chuzpe und von Anfang an darauf ausgelegt, die muslimischen Flüchtlinge als „Antisemiten“ (Judenfeinde) darzustellen! Um Vertrauen zwischen Muslimen (einschließlich orientalischer Christen) und Juden aufzubauen, müsste man neutrale Juden nehmen, die nicht darauf bestehen, dass Palästina nicht „Palästina“ genannt werden darf, Juden, die sich deutlich von den Verbrechen des zionistischen Regimes distanzieren und nur als Juden leben und ihre Religion praktizieren wollen.
    Allein schon die falsche Verwendung des Begriffes „Antisemitismus“, indem dieser allein auf Juden bezogen wird, führt zu Missverständnissen. Es gibt keine „semitische“ Rasse oder Ethnie, sondern „semitisch“ ist allein durch den Gebrauch einer der semitischen Sprachen definierbar, deren ursprünglichste das Arabische ist. Daraus folgt, dass Juden, die weder Hebräisch noch eine andere semitische Sprache sprechen, keine, jedoch alle Araber „Semiten“ sind. Unterstellt man den Arabern „Antisemitismus“, stößt das daher bei ihnen auf Unverständnis, und sie entgegnen: Wir selbst sind doch auch Semiten! Wenn man mit „Antisemitismus“ Judenfeindlichkeit meint, sollte man sie auch so nennen und nicht fälschlicher und irreführender Weise „Antisemitismus“.
    Weiterhin ist es ein grundlegender Fehler, nicht zwischen Juden und Zionisten zu unterscheiden, was es dem zionistischen Regime und dem Zentralrat der Juden in Deutschland als dessen Sprachrohr erleichtert, im missbrauchten Namen des Judentums auf perfide Weise Antizionismus mit „Antisemitismus“ gleichzusetzen.
    Aus islamischer Sicht ist ein Jude jemand, der der jüdischen Religionsgemeinschaft angehört, und wenn er diese verlässt und zu einer anderen Religion konvertiert, ist er keiner mehr. Somit war bspw. Heinrich Heine kein jüdischer Dichter, sondern ein deutscher protestantischer. Das bedeutet, dass Juden als Angehörige einer anderen Offenbarungsreligion für Muslime gewöhnlich akzeptabel sind, solange sie nicht als Vertreter des Zionismus auftreten, wie dieser junge zionistisch indoktrinierte, auf die angebliche Demokratie seines Apartheidstaates „Israel“ einbildete Jude aus Tel Aviv im Video.
    Es wäre wohl besser gewesen, für dieses Experiment einen in Deutschland aufgewachsenen deutschen Juden zu nehmen, der mit dem zionistischen Gebilde („Israel“) nichts am Hut hat.

  3. Magistrat sagt:

    Sehr guter Artikel! Mit diesem reißerisch, diffamierendem „Experiment “ sollen lediglich Vorurteile und Ressentiments in die andere Richtung, nämlich gegenüber Muslimen, befeuert werden. Das ist weder den Juden, noch den Muslimen oder der Gesellschaft an sich dienlich, sondern einzig im Sinne der spalterischen Kräfte, denen friedliche Koexistenz seit jeher ein Dorn im Auge ist. Es gab niemals Progrome der Muslime gegen Juden, im Gegenteil! Muslimische Herrschafter waren immer wieder Beschützer und Retter verfolgter Juden, sei es nach der christlichen Reconquista in Spanien, als die osmanischen Sultane verfolgte Juden mit offenen Händen aufnahmen oder in der heutigen Zeit, wo sich eine der größten jüdischen Minderheit im islamischen Iran befindet. Dagegen diskriminiert Israel selbst bestimmte jüdische Strömungen, die dem Zionismus widersprechen, man denke nur an den Umgang mit den Mizrahis oder den Sepharden. Es ist also völlig verfehlt, den Muslimen Judenhass zu unterstellen, für die Muslime ist in ihren Heimatländern das friedliche Miteinander mit Juden und Christen seit jeher eine Selbstverständlichkeit gewesen.

  4. Matthias sagt:

    Zitat Magistrat: für die Muslime ist in ihren Heimatländern das friedliche Miteinander mit Juden und Christen eine Selbstverständlichkeit gewesen.

    Ob man das in überall auf der Welt so sieht. Die Top 20 von Open-Doors enthält 18 muslimische Länder. Die Top 30 immerhin 28.

    So sieht es also aus mit dem friedlichen Miteinander…..http://www.weltverfolgungsindex.de/

  5. Magistrat sagt:

    @Matthias. Was an diesem „Index“ repräsentativ, geschweige denn empirisch sein soll, ist mehr als fraglich. Das ist leider rein ergebnisorientiert. Anscheinend berührt die Macher dieser Seite das Schicksal der Christen in Israel überhaupt nicht, das Land erscheint im Index gar nicht, obwohl die Christen im Heiligen Land von einst 200.000 auf weniger als 1 % dezimiert worden sind. Stattdessen machen sie Verfolgung an Einzelfällen, Überwachung und Schikane fest. Nach diesem kruden Maßstab wären auch Muslime in Europa „verfolgt“. Sie sehen, wie einseitig eine solche „Erhebung“ ist. Nichtsdestotrotz: Ich finde es verfehlt, wenn man die einen Ungerechtigkeiten mit anderen aufzuwiegen versucht.

  6. Matthias sagt:

    Irgendwann ist mit der Gleichmacherei auch mal Schluss. Das Opferdenken mancher weniger Muslime ist schlichtweg nervend. Selbstverständlich wird nicht korrekt mit vielen Muslimen umgegangen.

    Aber in 2015 tötete doch kein Christ ein Muslim wegen des Glaubens. Klar, krude linksintellektulle finden auch noch in jedem Krieg ums Öl, um Macht religiöse Hintergründe. Aber wieviele Moslems werden denn staatlicherseits wegen des Moslemseins umgebracht. Wieviele Morde begehen denn Christen an Moslems? Ich brauche keine ausgewogene Quote für mein Gerechtigkeitsempfinden, aber blindes Opferdenken ist daneben.

    Und es braucht jetzt auch keiner mehr mit dem Kreuzfahrertum kommen, wir leben nicht mehr im Mittelalter, es sei denn man ist zufällig Saudiking oder IS-Scherge.

    Lieber Magistrat, kennen Sie Aramäische Christen die wegen Ihres Christseins in Syrien ermordet wurden? Das passierte schon lange vor dem Krieg? Die ältesten Christlich-Aramäischen Kirchen verfallen in der Türkei, warum werden Pastöre dort ermordet? Ich rede hier nicht von Diskriminierung, hier wird gemordet.

    Was passiert mit Drusen? Was passiert mit Yeziden? Wenn hier weiterhin der Muslim schlechthin als Opfer permanenter Diskriminierung dargestellt wird, treibt das dem IS immer mehr Unterstützer in die Arme.

  7. Schön sagt:

    Magistrat: „obwohl die Christen im Heiligen Land von einst 200.000 auf weniger als 1 % dezimiert worden sind.“
    Informieren sie sich erst wer die Christen vertreibt ohne versteckte Anschuldigungen an Israel zu verstreuen.
    Der griechisch-orthodoxe Priester Gabriel Nadaf verteidigt Israel vor dem (UN-Menschenrechtsrat) und ruft zu einem Ende der anti-israelischen “Hexenjagd” auf. Er ist ein Leiter der aramäischen christlichen Minderheit in Israel,
    “Im ganzen Nahen Osten wurden jedes Jahr in den vergangenen zehn Jahren 100.000 Christen ermordet. Das bedeutet, dass alle fünf Minuten ein Christ wegen seines Glaubens getötet wird,” berichtete Nadaf. “Diejenigen, die der Verfolgung muslimischer Extremisten entkommen konnten, sind geflohen. … Diejenigen, die bleiben, existieren als zweit-, wenn nicht als drittrangige Bürger ihrer muslimischen Herrscher.”

  8. Schön sagt:

    (Gabriel) Nadaf führte weiter aus, dass es “heute im Nahen Osten nur ein Land gibt, wo Christen nicht nur nicht verfolgt werden, sondern wo ihnen gütig die Freiheit der Meinungsäußerung, Glaubensfreiheit und Sicherheit gewährt wird. … Das Land ist Israel, der jüdische Staat. Israel ist der einzige Platz, an dem Christen im Nahen Osten sicher sind.”
    Ein wahrhaft mutiger Mann der sich offen gegen die „Hexenjagd“ auf Israel wiedersetzen.

  9. Schön sagt:

    Bedrängte Christen in Flüchtlingsunterkunft
    „Die Zahl der Hilferufe erhöht sich“
    Unter den Flüchtlingen, die nach Deutschland kommen, sind auch viele Christen. Oft war die Verfolgung wegen ihres Glaubens ein Fluchtgrund. Doch in deutschen Flüchtlingsunterkünften werden sie häufig von Muslimen bedrängt.
    http://www.tagesschau.de/inland/bedraengte-christen-101.html
    Endlich wird lautstark darüber berichtet, was bis jetzt unter der Decke gehalten wurde.

    „…dann schützt der weiße Europäer nicht die hier lebenden Juden, sondern benutzt sie zur Legitimation seines eigenen Rassismus.“

    Der „weiße Europäer“ kennt aber die Nachrichten aus den Arabischen Ländern und auch die Übergriffe auf Christen in arabischen Regionen wie auch in den Flüchtlingsheimen, und fürchtet sich ganz einfach von denen die die arabisch/türkische Hasskultur und Intoleranz in der die Flüchtlinge aufwuchsen und sie nun mitbringen.

  10. Magistrat sagt:

    Also, Mathias, DAS ist nun krude, was Sie hier schreiben. Vielleicht glauben Sie ja Menschen, die tatsächlich für diesen schmutzigen Antiterrorfeldzug gegen die muslimische Welt herhalten mussten und einem Präsidenten gedient haben, der unter Missbrauch von Jesaja, den Psalmen und der Briefe des Paulus an die Epheser zur Vernichtung muslimischer Zivilisationen aufgerufen hat. Jon Soltz, ein jüdischer Veteran, weiß zu berichten: „Little did I know that while I was preparing to go to Iraq, the Bush administration was using Bible passages (both Old and New Testaments) on cover sheets of security reports, emblazoned on top of pictures of our armed forces. The implication was clear – this was a religious war, and our troops were fighting for the God of the Bible.“ (http://www.huffingtonpost.com/jon-soltz/its-official-bush-admin-s_b_204745.html).
    Sehen Sie doch einfach der Realität ins Auge, anstatt eine verbrecherische Politik, für die unschuldige Menschen und getäuscht Soldaten ihr Leben lassen mussten zu revidieren und die Wahrheit als „linksintellektuellen“ Schwachsinn abtun. Es gibt kein „muslimisches Opferdenken“, aber es gibt viel zu viele muslimische Opfer.


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