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Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich (CSU), Deutsche Presse-Agentur (18.01.2013)

Systematische Abschreckung?

Nur ein Rückkehrer ist ein guter Flüchtling

Wöchentlich verlassen etwa 500 Flüchtlinge Deutschland in Richtung Heimat. Sie fliehen vor unmenschlichen Zuständen. Wie Flüchtlingshelfer munkeln, steckt System dahinter: Abschreckung durch unzumutbare Behandlung. Von Said Rezek

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Sais Rezek © Privat, bearb. MiG

VONSaid Rezek

Said Rezek studiert an der NRW School of Governance den Master - Studiengang Politikmanagement, Public Policy und öffentliche Verwaltung. Er beschäftigt sich inhaltlich mit Fragen der Einwanderungsgesellschaft, insbesondere mit der Medienberichterstattung über Muslime. Im Jahr 2015 erhielt er die Auszeichnung der Akademischen Arbeit des Jahres, welche vom Dachverband der schiitischen Muslime Deutschlands (IGS) ausgeschrieben wurde.

DATUM28. Januar 2016

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RESSORTAktuell, Meinung

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Die Bundesregierung diskutiert aufgeregt darüber, wie die Anzahl der Flüchtlinge reduziert werden kann. Von der europäischen Lösung bis hin zu nationalen Alleingängen ist alles dabei. Einige Regierungsmitglieder, insbesondere aus der CSU dürften mit Freude zur Kenntnis nehmen, dass jede Woche etwa 500 Flüchtlinge aus Deutschland flüchten.

Menschen flüchten aus Deutschland und die Bundesregierung zeigt sich großzügig und unbürokratisch. Sie spendiert den Flüchtlingen ein one-way-ticket in die Heimat, wenn sie keine finanziellen Mittel mehr besitzen. Auf dem Weg in Richtung Europa ist von dieser unkomplizierten Hilfe nichts zu spüren. Legale Einreisemöglichkeiten für die Flüchtlinge? Fehlanzeige. Stattdessen müssen die Menschen auf ihrem Weg in Richtung Europa Lebensgefahren auf sich nehmen, indem sie über den Fuß- und Seeweg mehrere tausend Kilometer zurücklegen.

Es scheint als wolle man es den Flüchtlingen so schwierig wie nur irgendwie möglich machen, Europa zu erreichen. Dabei nimmt man auch in Kauf, dass viele Menschen auf dem Weg sterben. Tausende sind auf ihrer Flucht bereits in den Tiefen des Mittelmeers ertrunken oder auf andere Weise ums Leben gekommen. Die EU wird nicht müde, den Schleppern die Schuld für den Tod der Flüchtlinge zu geben. Dabei wären die Schlepper arbeitslos, gäbe es legale Einreisewege nach Europa.

Abschreckung durch unzumutbare Behandlung?

Auf der anderen Seite verlassen wöchentlich etwa 500 Flüchtlinge Deutschland in Richtung Heimat, obwohl sie dort Gefahr für Leib und Leben erwartet. Sie berichten von unmenschlichen Zuständen in Deutschland. Sie warten über Monate hinweg auf eine Registrierung und leben bis dahin nicht selten ohne jegliche Privatsphäre. Willkommenskultur Fehlanzeige. Zuletzt klagten Leiter von Flüchtlingsunterkünften, dass das Flüchtlingsamt in Berlin kein Essensgeld mehr auszahle und die Menschen hungern müssten.

In einem vertraulichen Gespräch äußerte mir gegenüber ein Flüchtlingshelfer aus Berlin bereits vor Wochen die Vermutung, dass durch die unzumutbare Behandlung der Flüchtlinge, indirekt versucht werde, sie zu einer Rückreise zu bewegen. Das ist natürlich schwer zu belegen, ergibt aber einen gewissen Sinn. Dass solche Flüchtlinge in ihrer Heimat nicht positiv über Deutschland berichten werden, ist absehbar. Vielleicht ist genau das die Absicht, damit sich nicht noch mehr Menschen auf den Weg in Richtung Europa machen.

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4 Kommentare
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  1. Matthias sagt:

    Also selten habe ich von einem Menschen mit akademischer Bildung so etwas sinnfreies gelesen.

    1. Natürlich verlassen Menschen Deutschland. Nämlich weil ein nicht anerkannter Flüchtling ausreisepflichtig ist und der Großteil nicht abgeschoben werden möchte. Die Mehrheit sind Menschen vom Balkan, das ist ein wichtiger Fakt, den man nicht unterschlagen sollte. Ein Leser denkt doch gleich, dass jede Woche Iraker und Syrer zurück ins Kriegsgebiet gehen. Der weit überwigende Teil des Ausreisenden zieht aber gen Balkan. Im Übrigen deswegen, weil das unmenschliche und böse deutsche Regime den Leuten damit eine Wiederkehroption bietet….

    2.Man kann doch nicht wirklich glauben, dass Behörden, die mit der Registrierung überfordert sind, absichtlich langsam arbeiten, damit man Flüchtlinge abschreckt. Wenn man die Augen aufmacht und die „Deutsche Behörden Bashing Filter“ aus den Ohren nimmt fehlt das Personal überall. Grund ist die Anstieg der Flüchtlingszahlen und nicht ein ominöses Abschreckungsdenken durch Verlangsamung der Verfahren. Es gibt auch viel zu wenige Lehrer in den Integrationskursen. Die Logik des Autors weitergedacht müsste das ja auch Absicht sein, weil man dadurch die anerkannten Flüchtlinge vom Deutsch lernen abhalten will.

    3. Will der Autor wirklich erzählen, dass ich aufgrund der Wartezeiten auf die Registrierung und die ggf eingeschränkte Privatsphäre lieber zurück ins Kriegsgebiet ziehe? Welche Logik steckt dahinter? Gewährt Der IS oder Al-Assad mehr Privatsphäre, bessere Registrierung? Wenn das wirklich der Fall ist, sollte man Plakate in Syrien aufhängen: ACHTUNG! Kommt nicht nach Deutschland! Hier gibt es Sammelunterkünfte und die Behörden arbeiten nicht so schnell. ACHTUNG! Absoluter Schwachsinn den der Autor von sich gibt.

  2. Said sagt:

    Ich hätte auch nicht für möglich gehalten, dass es Menschen gibt, die freiwillig in Krisen und Kriegsregionen ausreisen. Wohlgemerkt freiwillig.
    Sehen sie selbst: http://www.spiegel.de/video/fluechtlinge-kehren-freiwillig-zurueck-in-den-irak-video-1643969.html

  3. Trutz Schadt sagt:

    Was Herr Rezek schreibt, klingt plausibel. Was die Unsensibilität von Sachbearbeitern in einschlägigen Ämtern angeht, geduldet und sogar gefordert auf Grund von Dienstanweisungen, da können Hartz4-Bewerber ein garstig Liedchen singen.
    Zu Matthias: Gilt nicht auch für die gesichtslose Kommunikation im Internet jene nebst der Goldenen Regel ebenfalls universal gültige Regel, die besagt, man spreche mit einem andern derart, dass sein Gesicht gewahrt bleibt?
    Es ist dies die Höflichkeitsmaxime.

  4. Harry sagt:

    Ausgehend von einer Vermutung eines Flüchtlingshelfers in Berlin wird ein Vorsatz konstruiert, der auf alle Rückkehrerinnen und Rückkehrern bezogen wird und im Fazit „sie fliehen vor unmenschlichen Zuständen“ endet. Das ist meiner Meinung nach kein Qualitätsjournalismus.

    Missstände können durch eine gründliche Recherchen – die über ein einziges Gespräch hinaus gehen – aufgedeckt werden. Nur auf diese Weise können sie in einem weiteren Schritt beseitigt werden.

    Phrasen wie „möglicherweise“, „es scheint“ und Fragezeichen hinter zentralen Aussagen bieten keinen Informationswert..



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