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Migration und Integration in Deutschland

Wir haben unsere Behörden über Jahrzehnte in eine Abschottungskultur hineinentwickelt. Man hat gesagt: Haltet uns die Leute vom Hals, die wollen alle nur in unsere Sozialsysteme einwandern. Jetzt müssen wir deutlich machen, dass wir Fachkräfte brauchen, dass wir um sie werben müssen.

Peter Clever, Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände, April 2013

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Der Untergang des Abendlands

Also passiert es doch. Seit Monaten demonstrieren die Dresdner gegen den Untergang des Abendlandes, nun findet er doch statt. Er wird „televised“, um genau zu sein – im Fernsehen gesendet. Und zwar jeden Abend auf RTL. Begleitet vom regen Interesse der seriösen Lügenpresse und wohl auch nicht weniger Pegidisten. Von Sven Bensmann

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MiGAZIN Kolumnist Sven Bensmann © privat, bearb. MiG

VONSven Bensmann

Sven Bensmann (geb. 1983 bei Osnabrück) hat Philosophie, mittlere und neuere Geschichte, sowie europäische Ethnologie in Kiel studiert und einige Jahre von der Öffentlichkeit weitgehend unbemerkt ein politisches Blog betrieben.

DATUM26. Januar 2016

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Schließlich kann man aber auch nicht behaupten, dass aktuell viel los wäre in der Welt, dass es Dinge gäbe, die man im Auge behalten oder diskutieren sollte. Wo doch N24 gerade per Liveticker die schockierende Schlagzeile servierte, Gwyneth Paltrow esse gern mal Pommes (!) und dann auch noch der „Gutmensch“, jenes Wort, mit dem all jene, die schlechte Menschen und auch noch stolz darauf sind, all diejenigen zu disqualifizieren versuchen, die besser sind als sie selbst, zum Unwort gekürt worden ist – von jenen gutmenschelnden Rotweintrinkern der „Gesellschaft für deutsche Sprache“, die sich wie sonst nur noch die NPD der Reinheit des Deutschen verschrieben haben. Man hätte gehofft haben können, es würde „strategischer Parter“, jenes Unwort, mit dem Mörder bezeichnet werden, die mit unseren Waffen schießen. Aber natürlich war das naiv. Nun könnte man natürlich auch ganze Abhandlungen darüber verfassen, warum die von der GfdS (Gesellschaft für deutsche Sprache) proklamierte Sprachreinheit sowohl illusorisch als auch kontraproduktiv ist – aber das wiederum haben bereits andere gemacht.

Und da sich das deutsche Abendland mit dem bisschen ariozentrischer Sprachpolitik jedoch zwar nicht retten lassen, daran aber sicher auch nicht zugrunde gehen wird, ist dieses Kinkerlitzchen deutscher Professorentöchter eben auch nicht mehr als das: ein Kinkerlitzchen; und wie das bereits erwähnte Dschungelcamp nicht der Zeilen wert, die dafür oft reichlich verschwendet werden.

Ich habe allerdings zum Beispiel schon eine Weile nichts mehr über die Ukraine gelesen, und glaube nicht, dass sich dort alles in Friede, Freude und Eierkuchen aufgelöst hat, bloß weil keine Zeitung mehr Platz dafür hat, zwischen all den E-Promis und anderen Kakerlaken. Allenfalls mittelbar hat die Ukraine noch einen Ort in der deutschen Medienöffentlichkeit, nämlich durch die teils peinlichen Versuche russischer Propaganda, per Unterstützung nationalistischer Bewegungen die deutsche Regierung zu schwächen und so den eigenen hegemonialen Einfluss auf möglichst große Teile ebenjener Ukraine zu erhalten. Dass Putins Hofberichterstatter von Russia Today und Ruptly dabei ausgerechnet von deutschen Nationalisten nicht zur „Lügenpresse“ gezählt werden, sondern den Status seriöser Berichterstattung zugedacht bekommen, es ist wohl mehr als ein Treppenwitz der Geschichte: es ist ein Armutszeugnis der deutschen Gesellschaft als solcher, die keine glaubwürdigeren innenpolitischen Quellen hervorbringt, als den russischen Präsidenten. Andererseits war der ja früher als Geheimagent stationiert in Deutschland, da muss der sich ja auskennen.

Und damit sind wir aber bereits auch wieder beim Thema: Mehr noch als syrische Ärzte, tunesische Architekten oder ägyptische Ingenieure sind Dschungelcamp und Pegida, diese Instrumente einer breit angelegten Volksverdummung, nämlich eine Gefahr für all das, was – und sei es auch nur als pure Nostalgie – vom „Land der Dichter und Denker“ noch übrig ist.

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