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Neue deutsche Medienmacher

Wenn, dann die Religionszugehörigkeit aller Straftäter nennen

Seit den Kölner Silvester-Übergriffen wird darüber diskutiert, ob Herkunft und Religionszugehörigkeit von ausländischen Straftätern genannt werden sollen. Nun mahnen Journalisten mit Migrationshintergrund, den Pressekodex einzuhalten oder konsequent zu sein.

Sollen Polizei und Medien die Herkunft und die Religionszugehörigkeit von ausländischen Straftätern nennen? Diese Frage hat nach den Silvester-Ausschreitungen in Köln erneut an Dynamik gewonnen. So sehr, dass sich nun die „Neuen Deutschen Medienmacher“, ein Zusammenschluss von Medienschaffenden mit und ohne Migrationshintergrund, mahnend zu Wort melden und die Einhaltung des Pressekodex fordern.

Danach sollen weder Herkunft noch Religion genannt werden, wenn kein unmittelbarer Zusammenhang mit der Tat besteht. Deshalb verzichten Medien und Polizeibehörden meist darauf. Die „Neuen deutschen Medienmacher“ plädieren dafür, an dieser Praxis festzuhalten. Begründung: Die Nennung können Vorurteile gegen Minderheiten befördern.

„Das hat nichts mit einem Verschweigen oder Vertuschen unliebsamer Wahrheiten aufgrund von falscher Toleranz und übertriebener Political Correctness zu tun, wie manche Kollegen, aber vor allem rassistische Blogger und populistische Publizisten meinen. Es verhindert vielmehr eine Diskriminierung und Stigmatisierung von Minderheiten, die von genau diesen Kreisen in Sippenhaft genommen werden“, so die „Medienmacher“ in einer Stellungnahme.

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Es sei bekannt, dass bestimmte Gruppen in manchen Kriminalitätsbereichen zum Teil überrepräsentiert seien. Das habe viele, komplexe Gründe und lasse keine Rückschlüsse auf die Gesamtgruppe zu. „Dennoch nutzen rechte und rassistische Kreise diese Umstände, um einen Generalverdacht gegen Minderheiten zu schüren“, so die „Medienmacher“ weiter.

Wenn, dann ausnahmslos

Allen Medienschaffenden, die darauf beharren, die Herkunft von Straftätern zu thematisieren, empfiehlt der Zusammenschluss „im Sinne der ausgleichenden Gerechtigkeit“, dies bei ausnahmslos allen Tätern zu tun. Exemplarisch führen die „Medienmacher“ folgende Beispiele aus:

„Am letzten Beispiel dürften historisch sensible Zeitgenossen erkennen, was an dieser Praxis problematisch ist“, so die „Neuen deutschen Medienmacher“. Erklärtes Ziel des Zusammenschlusses ist es, für mehr Vielfalt in den Medien einzutreten. (bk)