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Migration und Integration in Deutschland

Wenn die deutsche Gesellschaft die Muslime toleriert, hat das noch nichts mit Gleichberechtigung zu tun.

Prof. Dr. Hans-Peter Großhans, MiGAZIN, 20. Januar 2010

Ethik-Banken

Forderungen nach nachhaltigen Investments werden laut

Wer sein Geld zur Bank bringt, weiß in der Regel nicht, was die Bank mit dem Geld macht. Nicht selten fließen diese Gelder in die Rüstungs- oder Atomindustrie. Wer das nicht möchte, hat inzwischen Alternativen. Vor allem im Hinblick auf die aktuellen Flüchtlingszahlen.

Reichtum © Nicola @ flickr.com (CC 2.0), bearb. MiG
Gebäudekomplex © Nicola @ flickr.com (CC 2.0), bearb. MiG

DATUM12. Januar 2016

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RESSORTWirtschaft

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Eine Meldung kursierte vor gar nicht allzu langer Zeit in den Medien und erhitzte die Gemüter: „Deutsche Banken investieren Milliarden in Atomwaffenhersteller“, hieß es in einem Artikel der Zeit, in dem sich der Autor auf eine Studie beruft, nach der von 2010 bis 2012 mindestens 7,6 Milliarden Euro in die Atomwaffenindustrie investiert wurden. Die Investoren taten dies nicht etwa wissentlich, sondern brachten ihr Geld zur Bank. Jedoch sei der Weg von dort direkt verfolgbar in die Atomwaffenindustrie.

Knapp 300 Finanzdienstleister aus 30 Ländern seien weltweit beteiligt, heißt es im Bericht weiter. Mit den aktuell steigenden Flüchtlingszahlen gewinnt das Thema noch einmal deutlich an Brisanz. Grund genug einmal nachzuforschen, welche anderen Optionen es gibt, auch in Finanzthemen nachhaltig und mit Bedacht zu agieren.

Experten fordern kritische Verbraucher

Wer mit wachen Augen durch den Supermarkt schlendert und beim Einkauf auf Nachhaltigkeit achtet, sollte dies auch mit Blick auf Finanzangelegenheiten tun, fordern Vertreter nachhaltiger Banken. Das heißt auch: Wer Geld anlegt, sollte eine transparente Information darüber fordern, was damit passiert. Nachhaltig und ethisch agierende Finanzdienstleister haben sich genau das auf die Fahnen geschrieben und informieren ihre Kunden darüber, was mit ihrem Geld passiert. Diese Prüf-Optionen haben bereits Schule gemacht:

  • Wer die Option „Best-in-Class“ wählt, der nutzt gleich zweierlei: Er investiert nur in die nachweislich vorbildlichsten Unternehmen der Branche und stimuliert dabei zudem noch den brancheninternen Wettbewerb.
  • Wer klare und vor allem realistische Ausschlusskriterien definiert, kann verhindern, dass das Geld in Betriebe oder Länder fließt, die wegen Waffenproduktion oder Verletzung von Arbeits- und Menschenrechten von sich Reden machen.

Und ein Blick in die Zahlen zeigt: Der Nachhaltigkeitstrend macht auch in punkto Finanzen Schule. Stimmungsbarometer zeigen, dass der Blick sich auf die Richtung fokussiert, in der das investierte Geld einmal fließen soll. Best Practice-Beispiele sind neben Großunternehmen, Stiftungen und kirchlichen Anlegern auch ausgewählte Banken. Das Angebot dieser nachhaltig agierenden Banken ist indes keinesfalls schlechter als bei anderen, bieten sie doch ein umfassendes Produktportfolio, eine ordentliche Rendite und Kundenservice, wie beispielsweise die Ethik-Bank jetzt mit Konto-Wechselservice ihren Kunden einen klaren Mehrwert bietet.

Das Investment in nachhaltige Optionen zahlt sich aus

„Wer sein Vermögen in nachhaltige Geldanlagen investiert, hat größere Chancen damit Geld zu verdienen, als wenn er das Kapital in herkömmliche Anlagen steckt. Zu diesem Resultat kommt eine Untersuchung der Universität Kassel, die dem Handelsblatt vorliegt […]. Die Forscher haben 35 empirische Studien analysiert, um die Leistungen von nachhaltigen mit denen konventioneller Geldanlagen zu vergleichen“, heißt es in der WirtschaftsWoche. Zudem wird mit dem Trugschluss aufgeräumt, dass nachhaltiges Investment mit der Umweltbranche Hand in Hand geht, was in der Praxis faktisch nicht der Fall ist, jedoch das negative Image von nachhaltiger Geldanlage geschürt hat.

Doch nicht nur die Rendite sollte dabei im Fokus stehen, auch ein weiterer, aktueller Faktor muss in diesem Zusammenhang genannt werden, den Rex Osa, ein Flüchtling aus Nigeria mit diesen Worten gegenüber der TAZ deutlich auf den Punkt bringt: „Gäbe es in meinem Land keine Waffen, könnte ich die Politik als Oppositioneller herausfordern. So kann ich das nicht. Die Waffenproduzenten stützen korrupte Regime und damit Ausbeutung und Ausplünderung, das hat in Nigeria eine lange Geschichte. […] Woher stammen all die Waffen, die die Dschihadisten haben? Nigeria produziert keine. Unsere Botschaft ist: Wer Instrumente der Gewalt produziert oder die Wirtschaft eines Landes ausbeutet, erntet Flüchtlinge.“

Keine neue Entwicklung, sondern eine Regel aus dem 19. Jahrhundert

Die Bank-Regel, die auf die Mitte des 19. Jahrhunderts zurückzuführen ist, schafft im Übrigen die Grundlage für nachhaltige Investment-Gedanken. Darin nämlich wird eine Kongruenz der Investmentlaufzeit und der Investment-Qualität gefordert. Ursprünglich angedacht, um die Liquidität langfristig zu sichern, könnte die Bank-Regel heute dabei helfen, nachhaltige Investments zu forcieren. (etb)

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