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Migrationsexperte

Muslimische Männer würden keinen Alkohol trinken und Frauen angreifen

Bei den Ausschreitungen in Köln spielen laut Experten-Meinung patriarchalische Vorstellungen eine Rolle und nicht die Religion. Männer, die Alkohol trinken und fremde Frauen angreifen würden unter Muslimen als ehrlos gelten.

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Kein Alkohol! © Matthew Paul Argall @ flickr.com (CC 2.0), bearb. MiG

Integrationskurse für Einwanderer und Flüchtlinge müssen nach Ansicht des Migrationsexperten Ahmet Toprak stärker die Themen Geschlechterrollen und Sexualität thematisieren. „In muslimischen Familien ist Sexualität absolut tabuisiert“, sagte der Dortmunder Erziehungswissenschaftler dem Evangelischen Pressedienst mit Blick auf die massenhaften Übergriffe auf Frauen in der Silvesternacht in Köln. Mit jungen Migranten müsse offen darüber geredet haben, dass es in Deutschland unterschiedliche Geschlechterrollen gebe und dass sie diese akzeptieren müssten. „Die Deutsch- und Integrationskurse wären dafür ein guter Ort.“

Bei vielen Männern vor allem aus ländlichen Gebieten im arabischen Raum seien traditionelle Geschlechterrollen präsent, wonach der Mann der nach außen orientierte Ernährer der Familie und die Frau die nach innen orientierte Erzieherin der Kinder ist. „Manche Männer deuten die Form der offenen Gesellschaft in Deutschland, wo Frauen offen durch die Stadt laufen und vielleicht auch mit Männern flirten, falsch“, sagte Toprak, der Professor für Erziehungswissenschaften an der Fachhochschule Dortmund ist und sich unter anderem mit dem Thema Gewalt bei jungen muslimischen Migranten beschäftigt.

Wenn Drogen- oder Alkoholmissbrauch und Gruppendynamiken hinzu kämen und Hemmschwellen fielen, könne das wie in Köln dramatische Folgen haben. Zugleich betonte Toprak, die Größenordnung und Form der Übergriffe auf Frauen stellten eine neue Dimension dar.

Ursache: patriarchalische Strukturen

Nach Topraks Ansicht spielen dabei eher patriarchalische Strukturen in den Herkunftsländern eine Rolle als die Religion als solche. Religiöse muslimische Männer würden keinen Alkohol trinken und fremde Frauen nicht ansprechen oder gar angreifen, betonte der Migrationsexperte. „Männer, die so etwas machen, sind in dieser Community ehrlos und werden nicht hoch angesehen.“

Mit Blick auf Ermittlungsergebnisse, nach denen unter den Tatverdächtigen in Köln auch Flüchtlinge sind, glaubt Toprak, dass Frustration eine Rolle spielen könnte. Vielleicht hätten manche Flüchtlinge ein bestimmtes Bild vom reichen Deutschland im Kopf gehabt und seien nun von ihrer Lebenssituation enttäuscht. „Möglicherweise haben sich Frust und Langeweile entladen“, sagte der Erziehungswissenschaftler. (epd/bk)

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16 Kommentare
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  1. Babs sagt:

    „Muslimische Männer würden keinen Alkohol trinken und Frauen angreifen

    Bei den Ausschreitungen in Köln spielen laut Experten-Meinung patriarchalische Vorstellungen eine Rolle und nicht die Religion. Männer, die Alkohol trinken und fremde Frauen angreifen würden unter Muslimen als ehrlos gelten.“

    Als Muslim begeht man also per se keine Sünden (Alkohol trinken) und ist ein ehrvoller Mann. Wow, welch Expertise!!! Der Islam ist m.M. nach ganz offensichtlich gescheitert? Und ja, das geht offensichtlich, denn er funktioniert nicht!

    Mich wundert bei solchen Experten gar nichts mehr…

    Arme Frauen

  2. Volker K. sagt:

    „Möglicherweise haben sich Frust und Langeweile entladen“, sagte der Erziehungswissenschaftler.

    Mir fehlen die Worte. Ich bin entsetzt was hier in unserem Land passiert und wer nun bemüht ist von den eigentlichen Ursachen abzulenken. Diese bürgerkriegsähnliche Situation war wohl organisiert. Da steckt mehr dahinter.

  3. Isabelle sagt:

    @ Volker und Babs: Was sind denn Ihrer Meinung nach die Ursachen?
    Ich möchte hier gerne einmal eine Zahlendimension einbringen, die unseren schlauen Journalisten und Medien wohl abhanden gekommen ist. Schätzungen zufolge sind 2015 ca. 1,1 Mio Flüchtlinge nach Deutschland gekommen, die meisten aus dem arabischen Raum. In der Silvesternacht haben sich zwischen 400 und 1000 Männer versammelt (Angaben variieren stark). Davon haben mehrere kleine Gruppen mit 10-20 Männern kriminelle Taten verübt. Gehen wir jetzt einmal von 400 Männern aus, dann entspricht das nicht einmal 1% der Flüchtlinge, die in dieser Nacht in Köln kriminell aktiv wurden. Schließlich ist ja die Rede davon, die Männer seien aus dem gesamten Bundesgebiet nach Köln gekommen. In Wirklichkeit wissen wir überhaupt
    Desweiteren wurde (und wird) in Deutschland jede vierte Frau schon einmal sexuell belästigt. (Überwiegend von Männern ohne Migrationshintergrund) Wo sehen Sie hier die Ursachen für? Dominantes Männerbild in der Gesellschaft? Frustration? Religion? Keine Religion? Macho-Kultur?
    Ich finde es furchtbar, dass einer ganzen Kultur kriminelle Grundhaltungen unterstellt werden und die Opfer als Legitimation von Fremdenfeindlichkeit herhalten müssen.
    Wie würde Ihnen diese Frage schmecken: Ist Rassismus in der deutschen Kultur verankert? Ca. 15.000 rechtsextreme Straftaten 2015 (Dunkelziffer viel höher, weil viele Straftaten als nicht rechtsextrem ad acta gelegt werden) Über 100 rechtsradikal motivierte Tötungen seit 1990. Die wahre Zahl kennt nur Gott, denn seit den NSU Prozessen weiß man ja, dass ein rechtsradikaler Hintergrund so lange ausgeschlossen wird, bis man es nicht mehr leugnen kann…

  4. Georg sagt:

    „Desweiteren wurde (und wird) in Deutschland jede vierte Frau schon einmal sexuell belästigt. (Überwiegend von Männern ohne Migrationshintergrund) Wo sehen Sie hier die Ursachen für?“

    Hallo Isabelle,
    bis zum Mai 1997 gab es noch nichtmal den Straftatbestand der Vergewaltigung in der Ehe. Der Mann durfte frei über die Frau verfügen, das muss man sich mal vorstellen. Wenn der Staat schon grünes Licht gibt, weil er sich ja nicht in die „Privatsphäre“ der Familie einmischen will…

    „Jahrzehntelang galten Ehefrauen als „nicht vergewaltigbar“. Bis zum Mai 1997 waren eheliche Vergewaltigung und eheliche sexuelle Nötigung nicht nach den Strafgesetzbuch-Paragraphen 177 und 178 strafbar. Dort hieß es: „Wer eine Frau mit Gewalt oder durch Drohung mit gegenwärtiger Gefahr für Leib oder Leben zum außerehelichen Beischlaf mit ihm oder einem Dritten nötigt, wird mit Freiheitsstrafe nicht unter zwei Jahren bestraft. In minder schweren Fällen ist die Strafe Freiheitsstrafe von sechs Monaten bis zu fünf Jahren.“ Gleiches galt bei sexueller Nötigung.“
    http://www.grundrechte-report.de/1998/inhalt/details/back/inhalt-1998/article/keine-privatsache-vergewaltigung-in-der-ehe-1/

  5. Warmduscher sagt:

    @Isabelle
    Auch wenn in Deutschland jede vierte Frau schon einmal sexuell belästigt wurde, wäre das immer noch erschreckend viel!
    Wobei ich gerne mal Quellen sehen würde, vor allen bezgl. der Behauptung mit dem „(Überwiegend von Männern ohne Migrationshintergrund)“ .

    Mit dem Finger auf andere zu zeigen (Hey, andere machen das doch auch!), ist leider nur ein schwacher Relativierungs- und Verharmlosungsversuch, der weder hilfreich ist, noch den Fakten entspricht und die vielen Opfer verhöhnt!
    Das was in Köln und vielen anderen Städten in Deutschland und Europa passiert ist kennt man seit 2011 aus Ägypten vom Tharirplatz unter dem Namen „el-Taharrush“ und hat mit der üblichen sexuellen Belästigung weder qualitativ noch quantitativ etwas zu tun.
    Und es waren Muslime, auch wenn du oder Herr Toprak es nicht wahrhaben wollen.

    Wenn wir uns dann die Zahlen von sexueller Belästigung und Gewalt aus muslimisch geprägten Gesellschaften anschauen, aus denen die Asylbewerber und Flüchtlinge stammen, ist ein Zusammenhang mit gewissen kulturell-religiösen „Eigenheiten“ nicht mehr zu leugnen.

    Zum Beispiel Ägypten (Das theologische Zentrum des Islam):
    Nach einer Uno-Untersuchung geben 99,3 Prozent aller Ägypterinnen an, schon einmal sexuell belästigt worden zu sein.
    http://egypt.unfpa.org/english/Staticpage/3/c94040b0-542a-4a2d-a549-da8756195c6e/Sexual_Harassment.aspx

    http://www.spiegel.de/politik/ausland/studie-in-aegypten-leben-frauen-am-schlechtesten-a-933158.html

  6. Volker K. sagt:

    Liebe Isabelle, lieber Georg, ich möchte keinen zu drastischen Worte wählen aber angesichts dieser kläglichen Versuche ein derartiges Fanal an sexuellen Demütigungen zu relativieren fällt das schon sehr schwer.
    Sie nehmen Bezug auf die immer noch vorhandenen Mißstände in unserer Gesellschaft um eine unvergleichlichen Menschenjagd auf Frauen zum Ziele ihrer Herabwürdigung zu bagatellisieren. Das kann doch nicht wirklich ihr Ernst sein. Ich glaube Sie werden mir nicht viele Länder nennen können in deren Gesetzgebung und der Haltung der Gesellschaft eine fortschrittlichere Einstellung zur sexuellen Freizügigkeit des Individuums verankert ist.
    Ich stehe außerdem auf dem Standpunkt daß man durchaus alle Faktoren hinterfragen muß (!) die zu dieser zivilgesellschaftlichen Katastrophe (anders kann man es kaum noch nennen) am Silvesterabend – nicht nur in Köln – geführt haben. Sollte sich dabei herausstellen, daß man als auslösende Faktoren auch die kulturelle Herkunft und die Religion erkennen kann, dann ist das zunächste erstmal so. Wie man damit weiter umgeht ist dann die nächste Frage. Sie schließen das von vorneherein aus, weil Sie ein derart ausfallendes Ergebnis einfach dann nicht wahr haben wollen. Glauben Sie daß das irgendjemanden hilft? Haben sie kein Mitgefühl mit den mißbrauchten Opfern? Verfügen Sie über so wenig Empathie? Diese Frauen haben ein Recht auf Aufklärung und selbst wenn es gewissen Kreisen in unserem Land nicht paßt, wird man nicht drumherum kommen auch die unangenehmen Fragen zu stellen und vielleicht unangenehme Konsequenzen zu ziehen. Sonst ziehen sie andere und das wollen wir wohl alle nicht. Daher meine Bitte an Sie, sich noch mal in Ruhe zu überlegen welche Motivation Sie dazu bewegt solch unvergleichlichen Verletzungen der Menschenwürde zu relativieren.

  7. Babs sagt:

    „Ich finde es furchtbar, dass einer ganzen Kultur kriminelle Grundhaltungen unterstellt werden und die Opfer als Legitimation von Fremdenfeindlichkeit herhalten müssen.“

    Kriminell ist die Grundhaltung dieser Menschen nur hier, in den jeweiligen Herkunftsländer würde man den Frauen die Schuld geben, den Männern über den Weg gelaufen zu sein…natürlich wäre es auch dort verboten, aber wir wissen ja wie es da abläuft… 😉

    Übrigens waren es die Täter die ihre arabische (Jugend)kultur in den Dreck gezogen haben.

  8. Magistrat sagt:

    „Religiöse muslimische Männer würden keinen Alkohol trinken und fremde Frauen nicht ansprechen oder gar angreifen, betonte der Migrationsexperte. „Männer, die so etwas machen, sind in dieser Community ehrlos und werden nicht hoch angesehen.““

    Das ist richtig. Muslime, die sich an diese im Koran verankerten Verbote (kein Alkohol, keine fremden Frauen belästigen, kein GV vor und außerhalb der Ehe, keine Drogen, kein Glücksspiel) halten, werden hierzulande gleichzeitig schnell als „Fundamentalisten“, „Extremisten“ u. m. ä. Schmähbegriffen bezeichnet. Man denke nur an den niederländischen Fußballprofi Nacer Barazite vom FC Utrecht, der aus seinem Anstandsgefühl und muslimischem Verständnis heraus einer Reporterin nicht die Hand geben wollte. Das wurde medial völlig hypersensationalisiert und kritisiert. Wenn also ein muslimischer Mann „zu viel“ Respekt vor Frauen zeigt, ist es den Medien auch nicht recht. Eigentlich sind Alkohol trinkende und pöbelnde Asylanten doch auf dem besten Weg zur Integration…

  9. Volker K. sagt:

    @ Magistrat
    “ Eigentlich sind Alkohol trinkende und pöbelnde Asylanten doch auf dem besten Weg zur Integration…“ ist Ihr Statement. Ich weiß zwar nicht in welchen Kreisen Sie verkehren, aber in unsere Gesellschaft integriert sich niemand in dem er Alkohol trinkt und pöbelt. Sie scheinen da ein ganz anderes Umfeld zu kennen. Ich habe eine Menge Kollegen mit so genanntem Migrationshintergrund. Die sind auch alle sehr gut in die deutsche Gesellschaft integriert und fühlen sich hier pudelwohl. Das ist ihnen nicht gelungen nur dadurch daß sie herumpöbeln. Sie trinken zwar alle hin und wieder einen Schluck Alkohol, aber das war nicht wesentlicher Bestandteil der Intergrationsleistung die sie erbracht haben. Viel mehr haben sie unserer Kultur und den Regeln in unserer Gesellschaft viel Sympathie und Respekt entgegen gebracht. Vielleicht probieren Sie das auch einmal aus. Damit kommt man weiter als mit – ich nenn es mal unkluge Bemerkungen.

  10. Ute Diri-Dost sagt:

    Inzwischen dürfte es sich wohl schon herumgesprochen haben,dass die ganze Sache inszeniert war,wo ist auch die Auswertung der Überwachungskameras?(Nicht freigegeben).Also,wem dient diese ganze Aufregung wohl an erster Stelle? -Wie bereits gesagt,Vergewaltigung,Anpäbeln und Frauen begrapschen gehören weder zu dem Standard des Islams noch zu dem gängigen ethischen Werten der hiesigen Gesellschaft,noch jedenfalls,und das sollte auch so bleiben.


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