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Angela Merkel, Aussiedler- und Minderheitenpolitik in Deutschland, 2008

Niedrigschwellig

München eröffnet Beratungscafé für illegale Tagelöhner

München ist eine Hochburg für bulgarische und rumänische Tagelöhner, die unter äußerst prekären Bedingungen in Deutschland leben und arbeiten. Mit einem Beratungscafé geht die Stadt nun das Problem an.

Kirche, München, Frauenkirche, Bayern
Die Frauenkirche in der bayerischen Landeshauptstadt München © rkirchne auf flickr.com (CC 2.0), bearb. MiG

DATUM7. Januar 2016

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RESSORTWirtschaft

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Mit dem neuen Beratungscafé in der Münchner Sonnenstraße haben die rumänischen und bulgarischen Tagelöhner erstmals einen Aufenthaltsraum und feste Ansprechpartner. Hier können sie sich aufhalten, einen Kaffee trinken und Hilfe bekommen, ihre prekäre Lebenssituation in Deutschland zu meistern. Mitarbeiter der Arbeiterwohlfahrt unterstützen sie dabei, Deutsch zu lernen und in legale Arbeitsverhältnisse zu gelangen. Das Angebot trifft auf großen Bedarf und enorme Nachfrage. Schon nach wenigen Monaten kann von einem Erfolg gesprochen werden, der dringend weitergeführt werden sollte.

Niedrigschwellige Angebote für Tagelöhner sind rar

Das Beratungscafé in der Sonnenstraße ist eines der wenigen niedrigschwelligen Angebote, das speziell für die Tagelöhner aus Bulgarien und Rumänien zur Verfügung gestellt wird. Diese Immigranten fallen durch die üblichen Netze der Sozialsysteme: Da sie kein Asyl beantragen, haben sie kein Recht auf die Sozialleistungen, die ihnen durch diesen Status sonst zukämen. Viele der Tagelöhner leben deshalb auf der Straße und verbringen ihre Tage auf den sogenannten „Arbeiterstrichs“, wo Arbeitgeber sie abholen und ihnen zu schlechten Konditionen tageweise Arbeit verschaffen. Die Netzwerke, die den Tagelöhnern zur Verfügung stehen, sind meist nur die eigenen: Untereinander bieten sich die Tagelöhner Unterstützung und Schutz und warnen vor betrügerischen Arbeitgebern, die sie prellen oder abzocken. Nun können sie dies zumindest im Warmen tun, was in den Wintermonaten eine enorme Erleichterung darstellt.

Ausgebuchte Deutschkurse und volle Räumlichkeiten

„Unsere Deutschkurse sind ausgebucht“, erklärt der Streetworker Savas Tetik gegenüber der Süddeutschen Zeitung – nur ein Indiz dafür, wie gut das Angebot in der Sonnenstraße 12 angenommen wird. Tatsächlich suchen nicht nur die Tagelöhner des benachbarten „Arbeiterstrichs“ das Café auf, sondern auch viele, die sonst an anderen Stellen in München auf illegale Arbeit warten. Das Café ist so gut gefüllt, dass die Betreiber bereits Bedarf an weiteren Betreuungskräften angemeldet haben.

Auch die Nachbarn zeigen sich laut der Süddeutschen Zeitung zufrieden. Der Betreiber des Goethe-Hotels hatte sich zuvor beschwert, weil die herumstehenden Tagelöhner die Gäste irritiert hätten. Nun trete dieses Problem nur noch am Wochenende auf, wenn das Café geschlossen hat. Deshalb fordert der Hotelier nun, das Angebot auszuweiten und das Café auch am Wochenende zu öffnen – ein Wochenende gibt es für die meist wohnungslosen Tagelöhner ohnehin nicht.

Einer der langfristigen Ziele der Beratungsstelle ist es, den Tagelöhnern Zugang zum regulären und legalen Stellenmarkt zu ermöglichen und ihnen zu legaler Beschäftigung zu verhelfen. Einfach wird dieses Ziel nicht zu erreichen sein, da die Arbeiten, welche den Tagelöhnern angeboten werden, unregelmäßige und informelle Aushilfsjobs sind. Trotz des positiven Starts des Beratungscafés sollte man die Erwartungen deshalb nicht zu hoch hängen. Die angebotenen Deutschkurse immerhin sind schon einmal ohne Zweifel ein wichtiger Schritt, um den Tagelöhnern aus der gesellschaftlichen Isolation zu helfen. (eb)

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