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Die Umstellung darauf, dass jetzt die Ausländer die Überlegenen sind, da sie wenigstens einen Arbeitsplatz besitzen, ist für viele nicht nachvollziehbar.

Friedrich Landwehrmann, Strukturfragen der Ausländerbeschäftigung, 1969

Hochqualifizierte

Wissenschaftsorganisation will talentierten Flüchtlingen Perspektive eröffnen

Auch wenn unklar ist, wie viele Hochqualifizierte unter den in Deutschland ankommenden Flüchtlingen sind, das Potenzial soll gehoben werden. Die Bundesagentur hat dazu ein neues Projekt auf den Weg gebracht.

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Hochschulabsolventen © Luftphilia @ flickr.com (CC 2.0), bearb. MiG

Deutschlands größte Wissenschaftsorganisation, die Helmholtz-Gemeinschaft, will in den kommenden Monaten bis zu 360 Flüchtlingen einen Berufseinstieg ermöglichen. Dies könne über Hospitationen, Anstellungen für Wissenschaftler oder Ausbildungsplätze für Jugendliche erfolgen, sagte Helmholtz-Präsident Otmar Wiestler am Freitag in Berlin. Koordiniert wird die Initiative von der Bundesagentur für Arbeit. Die Kosten tragen je zur Hälfte die Bundesagentur und die Helmholtz-Gemeinschaft.

Der Chef der Bundesagentur für Arbeit und Leiter des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge, Frank-Jürgen Weise, hofft mit dem Projekt auf Nachahmer. Andere Wissenschaftsorganisationen, Universitäten und Institute könnten dem Beispiel folgen. Zusammen mit der Helmholtz-Gemeinschaft solle gezeigt werden, dass die Hürden zur Einstellung von Flüchtlingen überwunden werden können, sagte Weise.

Ziel sei es, an jedem der bundesweit 18 Helmholtz-Zentren 10 bis 20 Menschen eine berufliche Zukunft zu geben. Erste Gespräche mit Bewerbern würden bereits geführt, sagte Wiestler, der seit September die Wissenschaftsorganisation leitet. Die Helmholtz-Gemeinschaft hat rund 38.000 Mitarbeiter in 18 Forschungszentren. Ihr Jahresbudget beträgt mehr als vier Milliarden Euro. Die Arbeit steht in der Tradition des Naturforschers Hermann von Helmholtz (1821-1894). Knapp 20 Prozent ihrer Mitarbeiter kommen aus dem Ausland.

Talentierten Flüchtlingen eine Perspektive eröffnen

„Wir wollen unserer gesellschaftlichen Verpflichtung nachkommen und talentierten Flüchtlingen eine Perspektive eröffnen“, sagte Wiestler. „Deshalb bieten wir wissenschaftlich oder technisch ausgebildeten Menschen verschiedene Möglichkeiten für einen Job-Einstieg in einem wissenschaftsnahen oder wissenschaftlichen Umfeld.“ In den vergangenen Wochen seien die Abläufe in einer Pilotphase umfassend geprüft worden.

Bundesagentur für Arbeit erfasst Qualifikationen

Die Bundesagentur für Arbeit erfasst dazu die Qualifikationen von Bewerbern, sobald sie einen Aufenthaltsstatus haben. Anschließend leitet die Agentur die Bewerbungsunterlagen geeigneter Kandidaten an die Helmholtz-Zentren weiter. Die Helmholtz-Gemeinschaft stellt für diese Aufgabe eine Million Euro, etwa ein Viertel der Gesamtkosten, zur Verfügung. Zusätzlich beteiligen sich die jeweiligen Zentren insgesamt mit einer Summe in ähnlicher Höhe, hieß es. Die andere Hälfte der Kosten übernimmt die Bundesagentur.

So finanziert die Bundesagentur etwa die Kosten für sechswöchige Probekurse an den Helmholtz-Zentren sowie eventuell notwendige Qualifizierungsmaßnahmen oder Einstiegsqualifizierungen. Zudem stehen Eingliederungszuschüsse zur Verfügung, wenn Bewerber dauerhaft eingestellt werden.

Wie viele Flüchtlinge mit einer qualifizierten Ausbildung nach Deutschland kommen, darüber gebe es widersprüchliche Aussagen, sagte Weise. Allerdings sei bekannt, dass mehr als 90 Prozent der jungen Menschen aus Syrien eine gute Schulausbildung genossen hätten.

„Ich bin sehr zuversichtlich, dass wir vielen Menschen damit eine Tür in eine bessere Zukunft öffnen“, sagte Wiestler. Viele Asylsuchende würden gerne ein Studium beginnen, sagte Kabeya Kabambi, Arbeitsvermittler im Team Asylsuchende der Agentur für Arbeit in Berlin. Dabei versuche er, mit einer Berufsausbildung Alternativen zum Studium aufzuzeigen. (epd/mig)

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Ein Kommentar
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  1. Han Yen sagt:

    Nein, immer diese eigennützigen Ideen, die niemand braucht.

    In der BRD haben wir ausreichend hochqualifizierte arbeitslose Zuwanderer – ein schlagendes Beispiel sind die jüdischen Kontingentflüchtlinge aus der ehemaligen UdSSR.

    Hochqualifizierte Geflüchtete sind zu wichtig für den Wiederaufbau der kriegsgeschädigten Staaten. Wir brauchen daher keine Eingliederung der hochqualifizierten Geflüchteten in den deutchen Akademiker Arbeitsmarkt. Das wäre ja noch schöner, wenn man sich durch Rüstungsexporte, Beschaffungsmärkte für hochqualifizierte Geflüchtete erschießt.

    Das einzige was man gebrauchen könnte sind Inkubatoren in der Weltbank, AIIB nd UNDP für Infrastruktur und Diaspora Entrepreneurship für internationale Franchise Modelle, die man mit hochqualifizierten Geflüchteten auffüllen kann. Franchise Modelle gibt es für jeden Wirtschaftsbereich. Die Mitgliedstaaten der Weltbank, AIIB und UNDP könnten die Franchise Beratungskosten unter sich aufteilen, im Gegenzug dürfen alle Franchise Ketten aus den Mitgliedsstaaten sich um die Märkte bewerben.

    Geeignete Lehrstühle für Familiengründungen, Finanzen, Energie & Finance, Handel etc. kann man eine Senior-Professur anbieten, damit die Professoren im Pensionärsalter nicht mehr in die USA abwandern. Diese Leute haben das Prüfungsrecht und sind geeignet in Krisengebieten einen wissenschaftlichen Nachwuchs heranzuziehen. Die Professorengehälter sollte nicht die BRD allein tragen, sondern ebenfalls ein Verteilungsschlüssel zwishen die Mitgliedsstaaten der Weltbank, AIIB und UNDP gefunden werden. Während die AIIB für alle Disziplinen im Zusammenhang mit Infrastruktur und Energie zuständig ist, sollte die Weltbank die Finanzmärkte übernehmen. Für kleine Strassenprojekte und energetische Insellösungen sowie für bezahlbares Wohnen ist die UNDP zuständig. Chinesische 3D Drucker sind heutzutage in der Lage Villen für ca. 5000 USD auszudrucken und zu montieren. Energetische Niedrigenergie Einfamilien Häuser liegen jetzt ab 40 000 USD aufwärts.

    Arbeitsämter können Jobsharing Programme für Arbeitnehmer in Elternzeit oder Bachelor 40+ Programme einrichten, um geflüchteten Hochqualifizierten einen befristeten Arbeitsplatz zu geben, bis unsere Leute aus der Elternzeit heraus sind oder das Bachelor 40+ Studium abgeschlossen haben. Jobsharing Programme gibt es für alle erdenklichen Branchen, um eine Stelle in zwei Stellen aufzuteilen. Es kommt dabei auf die Superviser an, um die zwei halbe Stellen zu koordinieren. Transnationale Konzerne mit Dutzenden von Schichtsytemen und Arbeitszeitprogrammen bekommen so etwas mühelos hin.

    Für die Qualifizierung von geflüchteten Akademiker sollten ausschließlich Education Hubs wie die USA, UK, Australien und deren Partnerstaaten Singapur und Hong Kong zuständig sein, um die Leute mit einem brauchbaren anglophonen Nachqualifizierungsprogrammen zu versorgen.

    Entrepreneurship Programme aus transnationalen Konzernen und öffentlichen Unternehmen, um rasch eine Privatwirtschaft und öffentliche Unternehmen für staatliche Aufgaben aufzubauen, ist etwas für Israel, Taiwan und Irland. Israel hat es geschafft obwohl es von feindlichen Staaten umzingelt ist und kaum ein normales Außenhandelsumfeld hat, eine funktionierende Wirtschaft aufzubauen. Taiwan gelang es mit einem trickreichen Entwicklungsstaat mit einer Zwergpopulation von zur Zeit 23 Mio. Einwohnern ein moderner Industriestaat mit der einzigen echten Demokratie in Pazifik Asien zu werden. Irland gelang es auf trickreiche Weise sich mit Hilfe der riesigen irischen Auswanderer Diaspora geschickt zwischen den USA und UK zu positionieren und ist solide aus der Stellung des Armenhauses Europas heraus gekommen – und dass obwohl mißgünstige angelsächsische Nationen den Iren immer einen IQ in der Nähe der verachteten Neger wissenschaftlich nachgewiesen haben.

    Die G20 Staaten und die Weltbank, AIIB und die UNDP könnten ruhig einmal so gnädig sein einige Hospitalschiffe und Kreuzfahrtschiffe aufzukaufen und in schwimmende Business und öffentliche Inkubatoren umzubauen, damit transnationale Entrepreneurs steuerbefreit aus internationalen Gewässern die vom Krieg heimgesuchte Staaten wieder aufbauen können, ohne lästige Visa und Einwanderungsgesetze.

    Außerdem brauchen sie einen Trainingskurs für Verhandlungen mit chinesischen Staatsunternehmen, die vom Krieg heimgesuchte Länder mit Infrastruktur versorgen können. Um die Aufgaben abwickeln zu können werden Juristen und Wirtschaftsprüfer für die transnationalen Schiedsgerichte gebraucht. Für die Arbeitskräfteversorgung sind juristische Fakultäten in den anglophonen Staaten verantwortlich.

    Die BRD sollte vielleicht kleine Brötchen backen und sich eher auf Preference Trade Agreements für vom Krieg heimgesuchte Länder konzentrieren, um den EU Markt für den Wiederaufbau zu verwenden. Das EU nahe Ausland ist für uns wichtiger, als es für die Briten und Amerikaner der Fall ist. Ich bin mir auch sicher, dass Indien und China einen gewissen Wert in stabilen Staaten im EU nahen Nahost Ländern sehen.



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