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Muslime

Antisemitismus-Vorwurf gegen Flüchtlinge unbegründet

Bringen Flüchtlinge aus muslimischen Ländern Antisemitismus nach Deutschland? Diese Sorge hatte der Präsidenten des Zentralrats der Juden mehrfach geäußert. Jetzt weisen Muslime den Vorwurf zurück und appellieren an die Juden, Vorurteile gemeinsam zu bekämpfen.

Muslime wehren sich gegen den Vorwurf der jüdischen Verbände, Flüchtlinge aus muslimischen Ländern brächten Antisemitismus nach Deutschland. Die Aussagen des Präsidenten des Zentralrats der Juden in Deutschland, Josef Schuster, seien falsch und pauschalisierend, sagte der Vorsitzende des Landesverbandes der Muslime in Niedersachsen („Schura“), Avni Altıner, dem epd: „Steht denn Herr Schuster an der Grenze und befragt die Flüchtlinge nach ihrer Einstellung? Diese Menschen fliehen vor radikalen Muslimen, die sie bedrohen.“

Dennoch könne er grundsätzlich verstehen, dass die Juden sich Sorgen machten, betonte Altıner: „Aber ich hätte mir von den Verantwortlichen gewünscht, dass sie mit uns intern darüber reden und nicht mit sehr offensiven Parolen nach außen treten.“ Auch dem Vorsitzenden des Landesverbandes der Jüdischen Gemeinden in Niedersachsen, Michael Fürst, warf Altıner vor, zuerst bei einer öffentlichen Veranstaltung seine Befürchtungen geäußert zu haben.

Der Zentralratsvorsitzende Schuster hatte in Interviews gesagt, viele Flüchtlinge kämen aus muslimisch geprägten Kulturen, „in denen der Hass auf Juden und die Intoleranz ein fester Bestandteil“ seien. Fürst hatte diese Einschätzung bekräftigt. Altıner rief die jüdischen Verbände dazu auf, gemeinsam mit den muslimischen Verbänden gegen Vorurteile zu kämpfen. (epd/mig)