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Filmtipp zum Wochenende

Er ist wieder da – und – er ist anders

Er ist wieder da: Rasend bösartige Satire nach Bestsellervorlage, in der Adolf Hitler 70 Jahre nach seinem Tod Deutschland zurückerobern will. Sabine Schiffer hat sich nicht nur den Film angeschaut, sie hat auch das Buch zum Film gelesen.

Der Kinofilm zum gleichnamigen Buch von Timur Vermes ist ein ähnlich provokanter Knüller wie sein literarischer Vorläufer. Ich konnte mir nicht vorstellen, wie man diese Geschichte verfilmen will, schließlich spielen die Gedankengänge des 2011 in einer Baulücke in Berlin aufgewachten Hitler die Hauptrolle in dem sehr lesenswerten Buch. Durch seine Brille – und seine Konzeption als 1945 ins Koma Gefallener ist brillant – wird die heutige Gesellschaft betrachtet und sein Urteil ist vernichtend: Unser Mediensystem mache eine Zeitung wie den Völkischen Beobachter überflüssig, die NPD sei ein Abklatsch einer rechtsnationalen Partei, dafür jedoch ist rechts-nationalistisches und rassistisches Gedankengut weit verbreitet. Gerade die Begeisterung, die er als TV-Star hervorruft, lässt erschrecken.

Nachdem man sich einige Zeit mit der Frage beschäftigt hatte, ob man mit dem Bösen schlechthin in dieser satirischen Form umgehen darf und über Hitler lachen dürfe – weil man offensichtlich nicht gemerkt hat, dass das Buch zum Lachen bzw. Weinen über den Zustand unserer Gesellschaft heute einlädt – gibt es nun eine Art Fortsetzung der Geschichte. Denn der Film „Er ist wieder da“ hat klugerweise gar nicht erst versucht, den Buchinhalt bildlich umzusetzen, sondern eine Adaptation in der Jetztzeit gestaltet.

Dem Regisseur David Wendt ist es dabei gelungen, aktuelle Entwicklungen einzubeziehen – wie zum Beispiel die sog. PEGIDA-Bewegung – indem man die Hauptfigur Hitler hier drei Jahre später, 2014, erwachen lässt. Der Film geht personalisierter vor und löst sich teilweise sehr von seiner literarischen Vorlage – etwa in der Figur des freien Journalisten Sawatzki, der mit Hitler eine Art Deutschlandtour macht und nach seiner Entlassung aus einem PrivatTV-Sender versucht, erneut und um jeden Preis in den Medien Fuß zu fassen. Der Medienbetrieb kommt auch hier nicht gut weg, wenn auch die Programmkritik fast gänzlich auf Kochshows reduziert wurde. Allein der Erfolg des Protagonisten in Fernsehen und Internet jedoch lässt Zweifel an politischer Reife und Medienkompetenz der Bürger aufkommen. Es bleibt natürlich gewagt, Hitler ein Gesicht zu geben, auch wenn es das von Schauspieler Oliver Masucci ist. Genau in diesem Detail ist dem Buch mit seinem kryptischen Cover – ohne Gesicht und im Kontrast schwarz-weiß – ein Kunstwerk gelungen, das für sich spricht.

Leider fehlt Renate Künast im Film, die im Buch doch sehr ausführlich vorgeführt wird. Dafür sind aktuelle Bezüge zu Politikeraussagen von Merkel bis Gabriel prominent platziert. Alles in allem gilt: So sehenswert der Film ist, so lesenswert bleibt das Buch. Es sind zwei ziemlich unterschiedliche Akzentsetzer in der Infragestellung unseres Selbstbildes. Das kann weht tun, muss aber dringend ausgehalten werden.