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Verwirrung

Jüdische Gemeinde ehrt Islamhasser und wirbt für Religionsvielfalt

Die Jüdische Gemeinde Düsseldorf hat mit der Auszeichnung des als islamfeind bekannten Schriftstellers Abdel-Samad für Verwirrung gesorgt. Auf derselben Veranstaltung warb die Gemeinde für ein neues jüdisches Gymnasium, auf das Schüler verschiedenen Glaubens gehen sollen.

Die Jüdische Gemeinde Düsseldorf wird im kommenden Jahr ein eigenes Gymnasium eröffnen. Der Vorstandsvorsitzende der drittgrößten jüdischen Gemeinde in Deutschland, Oded Horowitz, sagte, das Gymnasium werde nach jahrelangen Gesprächen mit der Stadt nun zum Schuljahresbeginn am 24. August 2016 starten. Die Schule soll vierzügig sein und im Endausbau 750 Schüler haben. Nach Horowitz‘ Worten werden rund 40 Prozent der Schüler jüdischen Glaubens sein.

Er denke, dass der neben der jüdischen Ausrichtung vorgesehene naturwissenschaftliche Schwerpunkt des Gymnasiums auch ausreichend interessierte Schüler und Eltern anderer Religionen anspreche, sagte Horowitz bei der Verleihung der Josef-Neuberger-Medaille in Düsseldorf. Wenn Schüler verschiedenen Glaubens an einer Schule seien, werde das zudem das gegenseitige Verständnis fördern und Vorurteile abbauen.

Ob auch muslimische Schüler auf der Schule erwünscht sind, ließ Horowitz offen. Bei der Verleihung der Josef-Neuberger-Medaille wurde in diesem Jahr unter anderem der mit seinen islamfeindlichen Aussagen und Büchern bekannt gewordene Autor Hamed Abdel-Samad ausgezeichnet. Der ebenfalls als islamfeindlich bekannte Publizist Henryk M. Broder bezeichnete Abdel-Samad in seiner Laudatio als einen unabhängigen Geist, der „sich aus eigener Kraft von den Fesseln ihrer Erziehung befreit“ habe. Die arabische Welt sähe heute anders aus, wenn es „viel mehr Hamed Abdel-Samads gäbe“, sagte Broder weiter. Viele junge Ägypter, Syrer, Iraker, Araber und Muslime schafften es nicht, „vom Glauben zum Wissen zu konvertieren“.

Abdel-Samad war eigener Aussage zufolge „vom Islam zum Wissen“ konvertiert. Zuletzt sorgte sein Buch „Mohamed: Eine Abrechnung“ für Aufsehen. Darin beleidigt Abdel-Samad den islamischen Propheten Mohammed auf vielfältigste Art. Abdel-Samad ist bereits mehrmals auf AfD Veranstaltungen aufgetreten oder auch bei der nationalistischen Burschenschaft Germania in Marburg.

Warum die jüdische Gemeinde, die sich nach außen immer wieder für einen Dialog verschiedener Religionen ausspricht, ausgerechnet einen Islamfeind auszeichnet, sorgte unter Muslimen für Verwunderung. „Wir Muslime würden wohl nie im Leben auf die Idee kommen, jemanden auszuzeichnen, der einen christlichen oder jüdischen Propheten übelst beleidigt – schon aus Respekt gegenüber den Gläubigen“, erklärte ein ein Funktionär der Türkisch-Islamischen Union (DITIB), der namentlich nicht genannt werden möchte. Schon darüber zu sinnieren, sei peinlich genug.

Die Jüdische Gemeinde Düsseldorf ist mit rund 7.500 Mitgliedern die größte Gemeinde in Nordrhein-Westfalen sowie nach der Jüdischen Gemeinde zu Berlin und der Israelitischen Kultusgemeinde München und Oberbayern die drittgrößte Gemeinde in Deutschland.

Mit der Neuberger-Medaille zeichnet die Jüdische Gemeinde Düsseldorf seit 1991 jährlich nichtjüdische Personen des öffentlichen Lebens für ihre Verdienste um die jüdische Gemeinschaft aus. Namensgeber ist der jüdische Rechtsanwalt und frühere NRW-Justizminister Josef Neuberger (1902-1977). Zu den früheren Preisträgern gehören Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und der 2006 gestorbene frühere Bundespräsident Johannes Rau (SPD). (epd/eb)