MiGAZIN

Heidenau

Neonazi überwachte Flüchtlingsheim

Die Flüchtlingsunterkunft im sächsischen Heidenau wurde offenbar von einem bekennenden Neonazi bewacht. Er soll zur rechtsextremen Hooligan-Szene angehören. Der Bundesverband der Sicherheitswirtschaft fordert strengere Überprüfung von Wachmännern.

Ein Wachmann, der die Flüchtlingsunterkunft im sächsischen Heidenau schützen sollte, gehört offenbar der rechtsextremen Szene an. Wie die Süddeutsche Zeitung berichtet, bekennt sich der 22-jährige Dresdner Philipp B. auf Facebook zur NPD und einer rechtslastigen Hooligan-Gruppierung und bezeichnet Flüchtlinge als „Asylschmarotzer“.

Er hatte dem Bericht zufolge für ein Subunternehmen der internationalen Sicherheitsfirma Securitas Holding GmbH gearbeitet. Deren Sprecher erklärte dem Blatt: „Wir untersuchen den Fall. Wir haben bereits reagiert und den Mann vom Objekt abgezogen“.

Der Bundesverband der Sicherheitswirtschaft fordert von den Bundesländern strengere Überprüfungen von privaten Wachmännern, die in Flüchtlingsunterkünften arbeiten. „Es ist überhaupt nicht hinnehmbar, dass Rechtsextreme für solche Tätigkeiten zum Einsatz kommen“, sagte der Hauptgeschäftsführer des Bundesverbandes der Sicherheitswirtschaft, Harald Olschok, am Donnerstag dem Evangelischen Pressedienst.

In Sachsen gebe es etwa 12.000 private Wachmänner. Zwischen drei bis vier Prozent von ihnen seien in Flüchtlingsheimen im Einsatz. Eine rechtsextreme Gesinnung sei bei den privaten Sicherheitskräften „genauso stark verbreitet, wie im Durchschnitt der Bevölkerung auch“, sagte Olschok: „Wir sind ein Spiegelbild der Gesellschaft.“ Gerade in einer Region, wo die Bereitschaft der Bevölkerung geringer sei, Flüchtlinge aufzunehmen, sollten die Anforderungen an private Sicherheitsdienste und deren Beschäftigte besonders hoch und die Zusammenarbeit mit der Polizei zwingend vorgeschrieben sein, forderte der Hauptgeschäftsführer.

Das „Antifa Recherche Team Dresden“ hatte laut der Zeitung Philipp B. am Tor der Erstaufnahmeeinrichtung Heidenau wiedererkannt. Ein Foto zeigt den Mann bei der Einlasskontrolle am Gelände des ehemaligen Baumarkts, auf dem seit dem Mitte August knapp 600 Flüchtlinge untergebracht sind. Der Sicherheitsmann soll auch rund um den Besuch von Kanzlerin Angela Merkel (CDU) im Einsatz gewesen sein.

Ähnliche Fälle mit Wachmännern, die der rechtsextremen Szene angehören, gab es bereits in Jena und Brandenburg. Bekanntester Fall ist der Übergriff in einem Heim in Burbach (Nordrhein-Westfalen), wo ein Wachmann einen Flüchtling misshandelt hatte.

Mit Gewalt hatten in Heidenau rechtsradikale Demonstranten, vor allem aus dem Hooligan-Spektrum, versucht, den Einzug von Flüchtlingen in den ehemaligen Baumarkt zu verhindern. Sie blockierten Straßen und warfen mit Steinen, Böllern und Flaschen auf Polizisten und Gegendemonstranten. Es waren die gewalttätigsten Proteste gegen eine Flüchtlingsunterkunft seit den 1990er-Jahren.

Securitas ist nach eigenen Angaben in Deutschland der größte Sicherheitsdienstleister im privaten Sicherheitsgewerbe. Auf seiner Internetseite wirbt der internationalen Konzern mit „drei grundlegenden Werte von Securitas: Ehrlichkeit, Aufmerksamkeit und Hilfsbereitschaft“. Der Sitz von Securitas Deutschland ist in Berlin. (epd/mig)