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Friedrich Landwehrmann, Strukturfragen der Ausländerbeschäftigung, 1969

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„Was ist denn das für eine Scheiße?“

Es ist wieder mal Zeit, etwas so wirklich Unpopuläres zu sagen. Es muss einfach mal gesagt werden. Til Schweiger ist so schlecht nicht. Von Sven Bensmann

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MiGAZIN Kolumnist Sven Bensmann © privat, bearb. MiG

VONSven Bensmann

Sven Bensmann (geb. 1983 bei Osnabrück) hat Philosophie, mittlere und neuere Geschichte, sowie europäische Ethnologie in Kiel studiert und einige Jahre von der Öffentlichkeit weitgehend unbemerkt ein politisches Blog betrieben.

DATUM25. August 2015

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Und heute gibt es dazu auch kein „Ja, aber“, diese so populäre Haltung, die unter Möchteungern-Rassisten ebenso verbreitet ist, wie unter jenen, die dieser Tage Position für Schweiger beziehen: Ja, der Schweiger ist schon toll, wenn er sich für Flüchtlinge einsetzt und in kürzester Zeit mal ne Viertelmillion zusammenbekommt, aber so allgemein, naja…der redet schon viel Stuss, und erst seine Filme…

Kann jeder.

„Ja, aber“, das ist Verrat am eigenen Ethos. Egal wie unethisch dieses auch sein mag. Es ist entweder ja, oder nein. Aber ist der Ausweg der Rückgratlosen und Feiglinge.

Nein. Til Schweiger ist inspirierend: seine Facebookseite ist voll mit Wortmeldungen zu seinen Kommentaren. Schweiger ist einer derjenigen Anständigen, deren Aufstand wir immer und immer wieder einfordern: er ist bereit, selbst und persönlich einzustehen für das, was er fordert. Schweiger ist mit dem Herzen dabei: er geht mit all seiner Rage in Diskussionen. Eine Rage, die echt ist – ein so guter Schauspieler is er nicht. Und Schweiger ist hervorragend darin, Filme ohne jeden Anspruch zu machen, die beim Massenpublikum gut ankommen. Selbst wenn er sich dabei auf eine fast schon fetischisierenden Weise auf Ohren fokussiert.

Dass er nervt, ein Prolet ist, oder, dass er nervt: das hat keine Bedeutung dafür, dass sein Engagement lobenswert ist.

Denn Til Schweiger hat schließlich dafür gesorgt, dass beim Flüchtlingsthema mal nicht nur kurze Strohfeuer im Kommentar der Tagesthemen brennen – bis dann wieder jemand vom BR redet – die gegen das große Hassgebrüll von CSU, Pegida und Nazis kaum ankommen. Ist einer, der vor laufenden Kameras einem dieser fremdenfeindlichen, bescheuerten Apparatschiks ein „Sie gehn mir auf den Sack!“ entgegengebellt. Nur so wird doch ein Schuh draus. Da kommen die dann auch mit deren „Gutmenschen“-Gebrabbel nicht viel weiter, wenn sie da einer anbellt, mit: „Sie gehn mir auf den Sack!“. Es muss eben einer vorangehen, der „Sie gehn mir auf den Sack!“ bellt, damit auch diejenigen duckmäusernden Gammarüden es sich trauen, die sonst schweigen – das hat bei Pegida ja schließlich genau so funktioniert.

Dann kann er uns dieser dummschwätzende Prolet ruhig auch an anderer Stelle gern mal aufn Sack gehen. Hier hat er recht. Ohne aber. Es braucht keine Distanzierung von der Person. Man kann sich ja auch uneingeschränkt zur Idee des Tyrannenmordes bekennen, ohne sich gleich vom Stauffenberg, diesem alten Nazi, distanzieren zu müssen.

Und dem Stauffenberg würde ich den Schweiger jederzeit vorziehen.

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