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Überblick

Minderjährige Flüchtlinge in Zahlen

Minderjährige Flüchtlinge sollen künftig systematisch auf die Bundesländer verteilt werden. Ziel ist es, das Wohl der Kinder besser sichern zu können. Doch wie viele Kinder und Jugendliche sind betroffen? Wo kommen sie her? Wo gehen sie hin? Ein Überblick

Europaweit gibt es keine systematische Erfassung von unbegleiteten Minderjährigen, die auf der Flucht sind. Wer keinen Asylantrag stellt, wird auch nicht erfasst. Zwar gibt es Zahlen zu den Inobhutnahmen durch die Jugendämter, doch sind diese Angaben mit Vorsicht zu betrachten: Denn erfasst werden auch Personen, die nur kurzzeitig in Obhut genommen werden und dann wieder aus dem Kinder- und Jugendhilfesystem entlassen werden. Und: Die Dunkelziffer gilt als hoch.

Bleiben nur Schätzungen: Unicef geht davon aus, dass sich 2013 rund 36.600 Flüchtlingskinder in Deutschland aufhielten. Deutsche Sozialverbände geben für 2014 zwischen 9.000 und 12.000 unbegleitete Minderjährige an. Für dieses Jahr rechnen Experten mit rund 10.000 neu einreisenden Jugendlichen.

Im Vorjahr stellten sie 4.399 Anträge auf Asyl (2008: 770). Für dieses Jahr nennt das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge für die Zeit von Januar bis April bereits 2.171 Anträge.

Die Kinder und Jugendlichen werden zunächst von den Jugendämtern aufgenommen und betreut. 70 Prozent von ihnen waren 16 oder 17 Jahre alt (2013). Sechs Prozent waren jünger als 14 Jahre. Die Mädchen sind klar in der Unterzahl: 89 Prozent der asylsuchenden unbegleiteten Minderjährigen waren im vergangenen Jahr männlich. Die Flüchtlinge kamen aus vier Hauptherkunftsländern: Afghanistan, Eritrea, Syrien, Somalia.

Vor dem Hintergrund der zähen Debatten über die künftige Verteilung der minderjährigen Flüchtlinge ist interessant, wo die insgesamt 2.171 Jugendlichen bis Ende April aufgegriffen und auch betreut wurden. Absoluter Spitzenreiter ist Bayern: Hier zählten die Behörden 575 Jugendliche. Das entspricht einem Anteil an allen Inobhutnahmen von 26,5 Prozent. Es folgen Hessen (15,1), Hamburg (13,0) und Nordrhein-Westfalen (11,0). Am Ende des Rankings finden sich Mecklenburg-Vorpommern (0,7) und Sachsen-Anhalt (0,3). (epd/mig)