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Migrantenunternehmer haben es besonders schwer

Unternehmer mit ausländischen Wurzeln treffen in Deutschland nach den Worten des Mittelstandsforschers René Leicht noch immer auf besondere Hindernisse. „Sie sind in mehrfacher Hinsicht gegenüber deutschen Konkurrenten benachteiligt“, sagte Leicht dem Evangelischen Pressedienst. Die deutsche Gesellschaft diskriminiere Migrantenunternehmer.

Für Gründer sei es grundsätzlich schwieriger, von Banken einen Kredit zu bekommen. Zudem hätten die selbstständigen Migranten mit Vorbehalten der Kunden zu kämpfen, vor allem die hochqualifizierten, erläuterte Leicht, der das Thema am Institut für Mittelstandsforschung der Universität Mannheim erforscht: „Türkische Rechtsanwälte verdienen kaum an deutschen Klienten. Sie sind häufig stärker als gewünscht auf türkischstämmige Kunden angewiesen.“ Für nicht-akademische Betriebe wie beispielsweise Lebensmittelläden, Restaurants oder Friseure sei das hingegen weniger ein Problem.

Fachkräftemangel trifft Migranten
Generell sei es für Migrantenunternehmer besonders schwierig, Fachkräfte zu gewinnen. Kandidaten deutscher Herkunft würden sich seltener auf ihre Stellenausschreibungen bewerben. „Und selbst Migranten haben Vorbehalte gegenüber Migrantenbetrieben“, sagt Leicht. „Sie fürchten, dass es für ihre Karriere nicht förderlich ist, in einem solchen Unternehmen zu arbeiten.“ In den vergangenen Jahren habe sich das Problem verschärft: „In Zeiten des Fachkräftemangels ist die Gefahr groß, dass die Migrantenunternehmer diese Nachteile noch weniger als bislang kompensieren können.“

Für den Ausbildungsmarkt seien die Unternehmer mit ausländischen Wurzeln aber besonders wichtig: „Migrantenbetriebe geben Ausländern und Jugendlichen mit niedrigen Schulabschlüssen überproportional häufig die Chance, eine Ausbildung zu absolvieren“, erklärte Leicht. „Und das wird immer wichtiger, weil immer weniger Betriebe in Deutschland überhaupt ausbilden.“

Migrantenunternehmer scheiterten nicht öfter als deutsche Gründer mit ihrer Geschäftsidee. „Und wenn jemand selbstständig tätig ist, ist sein Einkommen höher als das eines Angestellten“, sagt Leicht. Das sei über alle Ethnien hinweg zu beobachten. (epd/mig)