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Kinder leiden besonders unter Kriegstraumata

Die Trauma-Expertin Dima Zito hat zum Weltflüchtlingstag am 20. Juni auf die schwierige Lage der weltweit rund 25 Millionen Flüchtlingskinder aufmerksam gemacht. Je jünger ein Mensch sei, desto schwerer könne er die in Kriegen oder auf der Flucht erlittenen seelischen Traumata verarbeiten, sagte die Düsseldorfer Therapeutin dem Evangelischen Pressedienst. Bei Flüchtlingen über 18 Jahren hätten Studien zufolge 40 Prozent seelische Verletzungen erlitten. Bei Kindern liege der Anteil vermutlich noch höher.

Kinder würden in ihrer Persönlichkeitsentwicklung von unverarbeiteten Traumata stark beeinträchtigt. „Ihre Selbstheilungskräfte sind noch nicht ausgereift“, betonte die Expertin. Sie hätten ein höheres Risiko, Folgeerkrankungen zu entwickeln wie etwa posttraumatische Belastungsstörungen. „Deshalb ist es umso wichtiger, dass sie Hilfen und Therapien erhalten.“

Zito ist spezialisiert auf die Behandlung von Kindern und Jugendlichen und arbeitet im Psychosozialen Zentrum für Flüchtlinge in Düsseldorf. Sie ist Hauptreferentin in einem Symposium des Kinderhilfswerks terre des hommes am Donnerstag und Freitag in Hannover.

Viele Mädchen und Jungen lebten in Lagern oder unter prekären Bedingungen im Libanon, Jordanien, der Türkei oder in Nordafrika, unterstrich Zito. Das sei ein fortwährender Ausnahmezustand ohne Sicherheit. „Nur wenige schaffen es nach Europa und Deutschland. Die Fluchtwege sind ihnen verschlossen.“

Doch auch in Deutschland sei die Situation der Flüchtlingskinder in Erstaufnahmelagern und Sammelunterkünften problematisch. „Da kommen sie nicht aus der permanenten Anspannung heraus, in der sie sich seit dem Verlassen der Heimat befinden.“ Sie erlebten zudem die Anspannung der Eltern. „Und das Schlimmste ist, dass sie immer wieder mitbekommen, dass Bewohner abgeschoben werden.“

Zito bemängelte, in Deutschland gebe es zu wenige Therapieplätze für traumatisierte Flüchtlingskinder. „Schon eine Diagnose ist manchmal schwierig, weil die Symptome nicht eindeutig sind und Kinder eine lange Zeit scheinbar funktionieren.“ In den ersten 15 Monaten bis zum Erhalt einer Krankenkassenkarte sei es für Flüchtlinge zudem schwierig, überhaupt eine Behandlung genehmigt zu bekommen. Die Weigerung der Krankenkassen, die Dolmetscherkosten für eine Psychotherapie zu übernehmen, habe mitunter fatale Folgen: „Jugendliche, die selbst traumatisiert sind, übersetzen für ihre Eltern in der Psychiatrie.“ (epd/mig)