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Bilanz zum Weltflüchtlingstag

Flüchtlingszahlen höher als nach dem Zweiten Weltkrieg

Selbst nach dem zweiten Weltkrieg war die Zahl der Flüchtlinge weltweit nicht so hoch. Rund 59,5 Millionen Menschen waren Ende 2014 auf der Flucht. Das ist die bittere Bilanz der Vereinten Nationen zum Weltflüchtlingstag.

Die Zahl der Flüchtlinge weltweit ist wegen kriegerischer Konflikte auf einen neuen Höchststand gestiegen. Rund 59,5 Millionen Menschen waren Ende 2014 auf der Flucht, wie das Flüchtlingshilfswerk der Vereinten Nationen (UNHCR) am Donnerstag in Genf mitteilte. Das waren 8,3 Millionen mehr als im Jahr davor. Nie zuvor war eine höhere Zahl an Flüchtlingen erfasst worden, nicht einmal nach dem Zweiten Weltkrieg. Der Bericht zum Weltflüchtlingstag am 20. Juni trägt den Titel „Welt im Krieg“.

Danach war der Anstieg der weltweiten Flüchtlingszahl 2014 stärker als je zuvor. Ende 2013 waren noch 51,2 Millionen Flüchtlinge registriert gewesen. Der UN-Hochkommissar für Flüchtlinge, António Guterres, nannte als Grund für die starke Zunahme die Konflikte und Kriege wie in Syrien, im Südsudan und in der Ukraine. Nach seiner Prognose könnte sich die globale Flüchtlingskrise sogar noch verschlimmern.

Im Jahr 2014 sind dem Bericht zufolge jeden Tag im Durchschnitt 42.500 Menschen vor Gewalt und Unterdrückung geflohen. Innerhalb von vier Jahren hat sich diese Zahl somit vervierfacht. Der frühere portugiesische Premierminister Guterres beklagte, dass viele Politiker und Warlords, die für die Kriege verantwortlich seien, straffrei ausgingen. Zudem sei die internationale Gemeinschaft völlig unfähig, die Konflikte zu beenden.

Guterres forderte von der Staatengemeinschaft mehr Hilfen für Flüchtlinge. Das UNHCR und andere humanitäre Organisationen kämpften mit Geldnot, weil es an finanzieller Unterstützung fehle, kritisierte er.

Viele Kinder auf der Flucht
Von den rund 60 Millionen Flüchtlingen waren Ende 2014 etwa ein Drittel aus ihren Ländern geflohen. Von den 19,5 Millionen Menschen war die Hälfte Kinder. Mehr als 38 Millionen Menschen suchten als Flüchtlinge im eigenen Land irgendwo Schutz. Die Zahl der Asylbewerber beziffert das UNHCR mit 1,8 Millionen.

Die meisten Flüchtlinge kamen Ende 2014 aus Syrien, es waren rund 3,9 Millionen Menschen. Die überwiegende Mehrzahl von ihnen fand in Nachbarländern Zuflucht. Dahinter folgen Afghanistan mit 2,6 Millionen geflohenen Menschen und Somalia mit 1,1 Millionen. Syrien war Ende 2014 auch dasjenige Land mit den meisten Binnenflüchtlingen im Land: Es waren 7,6 Millionen.

Die Türkei beherbergte Ende 2014 fast 1,6 Millionen Flüchtlinge und war damit das Land mit der größten Flüchtlingsbevölkerung. Dahinter folgten Pakistan mit 1,5 Millionen Geflohenen und der Libanon, wo fast 1,2 Millionen Flüchtlinge eine Bleibe fanden. (epd/mig)