MiGAZIN

Migration und Integration in Deutschland

Die Zerteilung der Arbeit in kurze und ständig zu wiederholende, gleichförmige Handgriffe ermöglicht es, Arbeiter ohne Qualifikation und ohne Kenntnis der deutschen Sprache einzusetzen; die Art der Arbeit erfordert es vielleicht sogar.

Hans-Günter Kleff, Vom Bauern zum Industriearbeiter, 1985

Folter im Dienst

Marokkaner sagt gegen Beamten der Bundespolizei aus

Die Misshandlungsvorwürfe gegen die Bundespolizei in Hannover erhärten sich. Der gefolterte 19-jährige Marrokaner hat inzwischen ausgesagt. Die Polizei habe ihn gefoltert. Die Staatsanwaltschaft ermittelt wegen des Verdachts der Körperverletzung im Amt.

Polizei, Flüchtling, Wache, Misshandlung, Folter
So wurde der 19-jährige Marokkaner offenbar misshandelt von der Polizei.

Die Vorwürfe gegen Beamte der Bundespolizei in Hannover wegen mutmaßlicher Misshandlungen von Flüchtlingen scheinen sich zu erhärten. Die Ermittler haben inzwischen den 19-jährigen Marokkaner ausfindig gemacht, der von dem Polizisten gedemütigt und gefoltert worden sein soll, wie Staatsanwalt Thomas Klinge am Montag dem epd sagte: „In der Vernehmung hat er bestätigt, dass es in den Arrestzellen zu Misshandlungen zu seinem Nachteil gekommen sei.“ Die Ermittler hätten den Mann im nördlichen Niedersachsen erreicht.

Anfang Mai hatten zwei Polizisten bei der Staatsanwaltschaft Anzeige gegen einen Kollegen erstattet. Er soll im vergangenen Jahr auf einer Polizeiwache am Hauptbahnhof den Marokkaner und einen ebenfalls 19-jährigen Afghanen misshandelt haben.

Der Afghane soll nach Recherchen des NDR geschlagen, gewürgt und an den Füßen gefesselt durch die Wache geschleift worden sein. Der Marokkaner soll in unnatürlicher Haltung mit Handschellen gefesselt auf dem Boden gelegen und vor Schmerz geschrien haben. Zudem sei er gezwungen worden, verdorbenes Schweinefleisch vom Boden zu essen. Die Staatsanwaltschaft ermittelt wegen des Verdachts der Körperverletzung im Amt.

Klinge wollte zu Details der Vernehmung keine Auskunft geben, da zunächst die Verteidiger dazu Stellung nehmen sollten. Die Staatsanwaltschaft will jetzt nach Möglichkeit weitere Geschädigte sowie Kollegen des beschuldigten Beamten befragen. Nach Medienberichten war bei der Bundespolizeidirektion Hannover schon seit Monaten bekannt, dass sich in einer Dienstgruppe der Bahnhofswache verdächtige Vorfälle häuften. Die Bundespolizei kündigte unterdessen an, eine „Sonderbeschwerdestelle“ einzurichten. (epd/mig)

Testen Sie den kostenlosen MiGAZIN Newsletter:

Ein Kommentar
Diskutieren Sie mit!»

  1. […] Folter im Dienst  Marokkaner sagt gegen Beamten der Bundespolizei aus […]



Bitte beachten Sie unsere Netiquette. Vielen Dank!

Ihr Kommentar dazu:

MiGAZIN

Ziel und Zweck von MiGAZIN ist die Förderung der politischen, gesellschaftlichen und kulturellen Partizipation von Migrant(inn)en in der Aufnahmegesellschaft. In diesem Sinne soll MiGAZIN die Kommunikation fördern und füreinander sensibilisieren. Mehr über uns...

MiGMACHEN

Die Redaktionsmitglieder von MiGAZIN haben vor allem eins gelernt: Wer über sein Wissen und seine Erfahrungen schreibt, lernt immens dazu. Die kritische Diskussion mit Lesern eröffnet neue Horizonte. Daher hat das MiGAZIN-Team die Aktion-MiGMACHEN ins Leben gerufen. Hier bieten wir allen Interessierten die Möglichkeit, MiGAZIN als Autor, Pate oder Jungautor mitzugestalten. Nähere Informationen...

GRIMME Online Award 2012

    Begründung der Jury: "Über Migranten und Migration wird in Deutschland viel gesprochen. Vor allem von Deutschen. Im Chor der vielen und oft sehr lauten Stimmen fehlen aber zumeist die der Migranten. Und genau diese Lücke füllt das MiGAZIN mit qualitativ hochwertigen Texten und verständlicher Berichterstattung." Weiter ...