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Migration und Integration in Deutschland

Der große Wert der Ausländerbeschäftigung liegt darin, dass wir hiermit über ein mobiles Arbeitskräftepotential verfügen. Es wäre gefährlich, diese Mobilität durch eine Ansiedlungspolitik größeren Stils einzuschränken.

Ulrich Freiherr von Gienanth, Der Arbeitgeber, 1966

SWIFT & SEPA

Rücküberweisungen von Migranten – was ist zu beachten?

Immer mehr Migranten überweisen Geld in ihre Heimat und unterstützen damit nicht nur ihre Familien, sondern ganze Regionen. Bei Auslandsübereisungen gibt es aber einige Regelungen in Bezug auf Kosten. Was ist zu beachten? Hier ein kleiner Überblick:

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Geld © Scoobay auf flickr.com (CC 2.0), bearb. MiG

Rücküberweisungen von Migranten in ihre Heimatländer sind kein neues Phänomen und sorgen in verschiedenen Ländern sogar für eine deutliche Steigerung der Wirtschaftsleistung. Laut eines Artikels auf die-gdi.de liegt das weltweite Volumen der Rücküberweisungen bei 450 Milliarden US-Dollar (ca. 410 Milliarden Euro) und damit deutlich über der globalen Entwicklungshilfe. Migranten überweisen ihren Familien in der Heimat Geld und stützen somit ganze Regionen. Doch was in Bezug auf Regelungen und Kosten für Auslandsüberweisungen zu bedenken? Dieser kleine Ratgeber soll die wichtigsten Punkte zusammenfassen.

Die Kosten fallen je nach Empfängerland sehr unterschiedlich aus

Wer eine Überweisung ins Ausland vornehmen möchte, kann dies im Normalfall bei nahezu jeder Bank erledigen. Die Gebühren unterscheiden sich dabei je nach Bank und Empfängerland jedoch erheblich. In Deutschland ist zunächst jedoch zwischen 2 grundsätzlichen Fällen zu unterscheiden:

  1. Überweisungen innerhalb der EU (SEPA-Verfahren)

Eine Überweisung im SEPA-Raum (Single European Payment Area) umfasst alle 28 Staaten der EU, die EWR-Länder Island, Liechtenstein und Norwegen sowie San Marino, die Schweiz und Monaco. Nach Vorgabe der EU-Verordnung 2560/1001 dürfen SEPA-Überweisungen zudem nicht mehr kosten als gewöhnliche Inlandsüberweisungen, wie auf die-deutsche-kreditwirtschaft.de berichtet wird. Für eine solche Überweisung sind folgende Daten zwingend erforderlich:

  1. Die Internationale Kontonummer (IBAN)
  2. BIC (SWIFT-Code)

Hinweis: Nach §67 Außenwirtschaftsverordnung (AWV) ist laut Bundesbank.de für Überweisungen mit einem Wert von über 12.500 Euro eine gesonderte Meldung an die Bundesbank abzugeben.

  1. Überweisungen in Nicht-EU-Länder (SWIFT-Verfahren)

Überweisungen in Zielländer außerhalb des SEPA-Raums werden häufig per SWIFT-Verfahren durchgeführt. Die Society for Worldwide Interbank Financial Telecommunication (SWIFT) mit Sitz in Belgien verfügt über ein eigenes Kommunikationsnetz, dem weltweit mehr als 10.000 Banken angehören. Für Überweisungen solcher Art können laut Kostenloses-Konto.net auch noch zusätzliche Kosten entstehen:

  • SWIFT-Gebühren
  • Bankgebühren beider beteiligter Geldinstitute
  • Marktferne Wechselkurse

Ein kleines Beispiel soll dies verdeutlichen:

Es sollen 10.000 chinesische Renminbi nach China überwiesen werden. Der offizielle Wechselkurs liegt bei 0,1449. Eine Bank verlangt beispielsweise jedoch 0,1481 als Umrechnungskurs. Daraus ergeben sich folgende Unterschiede:

offizieller Wechselkurs von der Bank festgelegter Wechselkurs
Überweisungsbetrag 10.000 CNY 10.000 CNY
Eurobetrag nach Umrechnung 1.449 Euro 1.481 Euro
Bankgebühren 12,50 Euro 12,50 Euro
Gesamtkosten 1.461,50 Euro 1.493,50 Euro

Tabelle 1: Kostenunterschiede durch Wechselkurse

Das Beispiel zeigt sehr deutlich, dass ein Vergleich der von den Banken genutzten Wechselkurse bei Auslandsüberweisungen ein sehr wichtiger Aspekt ist. Gerade bei größeren Beträgen können günstigere Wechselkurse mitunter auch höhere Gebühren ausgleichen. Spezielle Transferdienstleister bieten neben Banken ebenfalls die Möglichkeit von Auslandsüberweisungen an. Oft liegen die Gebühren bei diesen Anbietern deutlich niedriger, aber das Wechselkursniveau fällt ungünstiger aus. Auch hier ist ein genauer Vergleich im Einzelfall angebracht.

Fazit

Überweisungen ins Ausland sind mitunter komplexen Regelungen und Kostenstrukturen unterworfen, die nicht jeder so leicht überblicken kann. Während SEPA-Überweisungen relativ transparent ausfallen und nicht teurer als Inlandsüberweisungen sind, sieht das Ganze beim SWIFT-Verfahren anders aus. Die beteiligten Banken können eigenständig zusätzliche Gebühren erheben und es fallen zudem auch SWIFT-Gebühren an. Darüber hinaus stellen die angebotenen Wechselkurse nicht selten zusätzliche verdeckte Gebühren dar. Ein genauer Vergleich dieser Kostenpunkte sorgt letztlich dafür, dass sich bei Überweisungen in die Heimat unter dem Strich sehr viel Geld sparen lässt. (etb)

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