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Neske/Heckmann/Rühl, Menschenschmuggel, 2004

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Was passiert, wenn ein Rechtsaußen einen anderen Rechtsaußen rechtsaußen überholt? Der regelmäßige Wahnsinn in Deutschland zusammengetragen von Sven Bensmann

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MiGAZIN Kolumnist Sven Bensmann © privat, bearb. MiG

VONSven Bensmann

Sven Bensmann (geb. 1983 bei Osnabrück) hat Philosophie, mittlere und neuere Geschichte, sowie europäische Ethnologie in Kiel studiert und einige Jahre von der Öffentlichkeit weitgehend unbemerkt ein politisches Blog betrieben. Heute ist sein Blog erreichbar unter s10n.tk

DATUM2. Juni 2015

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Diese bisher zumeist rein hypothetische Frage, da DVU, NPD und Konsorten zumindest bei kritischen Wahlen stets Seit an Seit marschierten, bekommt am nächsten Sonntag einige Relevanz. Dann nämlich tritt in Dresden ein kaum komischer Vogel an, Oberbürgermeister der Stadt des nationalen Rechtsdralls zu werden, und zwar für die AfD. Diese Splitterpartei, die sich gerade selbst kannibalisiert und noch nicht weiß, ob sie denn nun nach rechts oder nach ganz rechts soll, weil sie zwar ganz rechts denkt, aber auch denkt, sie bekäme keine Stimmen mehr, wenn sie jeder für ganz rechts hielte, hätte in der Heimat von Pegida einen Achtungserfolg bitter nötig, sie macht sich dabei wohl auch weiter Hoffnung, Stimmen aus dem spießbürgerlichen Lager abzugreifen.

Dumm nur, dass gleichzeitig der kümmerliche Rest von ebenjener Pegida, der in seiner rechtsextremen Filterblase seine Ideologie konsolidiert hat – nachdem sich jener Teil abgewandt hatte, der es nicht so wirklich cool findet, Hitler ganz öffentlich toll zu finden – mit Tatjana Festerling nun eine Frau ins Rennen schickt, die aus ebenjener AfD herausgeschmissen wurde, weil sie zu rechts für diese war, aber mit der Pegida-Bewegung doch ursprünglich noch den Schulterschluss der Rechtsradikalen mit diesem Spießbürgertum im Sinn hatte. Dafür bekommen Festerling und Pegida übrigens nicht nur Applaus und Unterstützung von der NPD, auf facebook hat sich bereits eine kleine Gruppe von „Patrioten“ gefunden, die Festerling und ihre Mission der Machtergreifung mit dem versorgen, was sie nun am nötigsten braucht: Solidarität. Davon haben diese ja auch genug übrig, schöpfen sie ihr Kontingent doch kaum aus, wenn es darum geht, sich mit Schwächeren zu solidarisieren.

Auch bei Festerling ist zu befürchten, dass es zu einem Achtungserfolg reichen könnte: seit Jahren beschwören deutsche Medien, dass überall in Europa rechte Parteien auf dem Vormarsch sind, nur Deutschland bisher außen vor sei. Einfach deswegen, weil im Kontext der Verbrechen des Zweiten Weltkriegs neonazistische Denkverbote einen Anschluss dieser Neonazis an die breite Masse verhindert hätten – kein Wunder, dass es die rechten Hetzer vor allem auf die Aufweichung und den Angriff auf solche Denkverbote abgesehen haben: Holocaust gab’s nicht, Ausländer sind Untermenschen und man sollte sie alle vergasen – das wird man ja wohl noch sagen dürfen.

Mit Pegida und AfD scheint diese konsensuelle Ausgrenzung des Rechtsextremen nun tatsächlich Geschichte zu sein: man darf in deren Reihen wie ein Nazi reden und denken ohne gleich einer sein zu müssen – rechts, so werden die Demagogen der Bewegung nicht müde zu betonen, seien sie schließlich nicht, auch wenn sie vielleicht so denken.

Die Geister, die die Rechtskonservativen wie Hans-Olaf Henkel riefen, wir werden sie so schnell wohl nicht mehr los werden, der Schaden an der den universalen Menschenrechten verpflichteten Demokratie ist bereits angerichtet. Selbst wenn der Spuk um AfD und Pegida in einigen Monaten vergessen sein sollte.

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Ein Kommentar
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  1. Buschkowsky-Fan sagt:

    Der Autor verbreitet. Unsinn. Der wahre Grund, wieso Deutschland noch keine richtig rechte Partei hat, liegt darin, dass wir von der Eurokrise – noch – nicht so betroffen sind. Wenn alle die fleißigen Studenten, gescheiten Rentner, klugen Rentnerinnen, fetten Hausfrauen, wohlhabenden Handwerker und emsigen Geschäftemacher auf einmal vor dem ökonomischen Nichts stehen würden, wäre das ganz, ganz anders.



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