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Gegen den Trend

Russen stellen deutlich weniger Visaanträge

Die Zahl der Visaanträge aus Russland sind im vergangenen Jahr deutlich zurückgegangen. Ganz anders der weltweite Trend. Insgesamt wurden 3,4 Prozent mehr Visaanträge gestellt. Das teilt die Bundesregierung mit.

Die Zahl der durch deutsche Auslandsvertretungen weltweit erteilten Visa ist im Jahr 2014 um 3,4 Prozent auf 2,15 Mio. gestiegen. Gesunken hingegen ist die Zahl der abgelehnten Visumanträge auf 132.000 (Vorjahr: 195.000). Das entspricht einer Ablehnungsquote von 5,73 Prozent. Das teilt die Bundesregierung auf eine Anfrage der Linkspartei mit.

Wie aus der Antwort allerdings auch hervorgeht, sind die Ablehnungsquoten nach Ländern differenziert höchst unterschiedlich. Hauptherkunftsländer von Asylsuchenden und afrikanische Staaten fallen dabei mit hohen besonders Ablehnungsquoten auf. In Afghanistan etwa betrug die Ablehnungsquote 24,9 Prozent, in Pakistan 23 Prozent. In afrikanischen Ländern wie Guinea wurde fast die Hälfte aller Anträge negativ beschieden. Zum Vergleich: In der Türkei betrug die Ablehnungsquote vergleichsweise niedrige 6 Prozent und in Russland nur 2,5 Prozent.

Russland, China, Türkei

Auffällig ist aber, dass die Zahl der Visaanträge in Russland stark zurückgegangen sind von 488.000 im Vorjahr auf 442.000. „Das ist auch Ausdruck der massiv verschlechterten deutsch-russischen Beziehungen“, erklärt Sevim Dağdelen, migrationspolitische Sprecherin der Linksfraktion.

Trotz starken Einbusen führt Russland aber die Liste der Länder mit den meisten Visumsanträgen an, gefolgt von China (340.000), der Türkei (223.000), Indien (132.000) und Ukraine (110.000). Über 90 Prozent der erteilten Visa weltweit waren Schengen-Visa und 9,6 Prozent nationale Visa für längerfristige Zwecke wie Familiennachzug, Erwerbstätigkeit oder Studium. Hier lag die Ablehnungsquote mit 9 Prozent deutlich höher als bei Schengen-Visa (5,35 Prozent).

Menschen ohne Chance auf Visum

Dağdelen kritisiert, dass es immer noch viele Menschen gibt, die faktisch keine Chance haben, ein Visum zu erhalten. „Das betrifft insbesondere junge, ledige Menschen in ärmeren Herkunftsländern und Personen ohne geregelte, hohe Einkünfte. Ihnen wird häufig pauschal und unbegründet eine fehlende ‚Rückkehrbereitschaft‘ unterstellt. Reisefreiheit darf aber kein Privileg für Besserverdienende sein“, so die Linkspolitikerin.

Tatsächlich wurde rund ein Drittel der ausgestellten Schengen-Visa an Geschäftsreisende (500.000) erteilt. An zweiter Stellen folgen Visa an Touristen (448.000) und Besuchsvisa (393.000). Dağdelen ist überzeugt: „Die deutsche Visumpraxis ist immer noch zu restriktiv und muss dringend erleichtert werden. An dem in einigen Visastellen bzw. bei einigen Mitarbeitern immer noch verbreiteten Geist der Abwehr muss sich dringend etwas ändern.“ (eb)