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Einwanderung bremst Bevölkerungsrückgang in Deutschland nur leicht

Weniger Kinder, mehr alte Menschen: In 45 Jahren werden in Deutschland deutlich weniger Menschen als heute leben. Wie aus einer am Dienstag vorgestellten Vorausberechnung des Statistischen Bundesamtes hervorgeht, wird die Einwohnerzahl im Jahr 2060 je nach Stärke der Einwanderung zwischen 67,6 und 73,1 Millionen betragen. Da künftig mit mehr Zuwanderern gerechnet wird, soll der Rückgang aber geringer als erwartet ausfallen. 2009 war das Bundesamt noch von 65 bis 70 Millionen Menschen ausgegangen.

Während die Zahl der Frauen und Männer im Erwerbsalter deutlich sinkt, steigt die Zahl der älteren Menschen den Berechnungen zufolge. Die Bevölkerung im Alter von 20 bis 65 Jahren wird bis 2060 auf 34 bis 38 Millionen Menschen schrumpfen, so dass dann mehr als 60 Menschen (verglichen mit 34 im Jahr 2013) im Rentenalter etwa 100 Personen im Erwerbsalter gegenüberstehen.

Bereits heute ist jeder Fünfte 65 Jahre oder älter. 2060 wird es jeder Dritte sein. Die Lebenserwartung soll bei Männern bei 85 Jahren liegen und bei Frauen bei 89 Jahren. Laut Prognose werde die Zahl der Gestorbenen die Zahl der Geborenen in den nächsten Jahren immer deutlicher übersteigen, sagte der Präsident des Bundesamtes, Roderich Egeler. Dies bedeute, dass bei gleichbleibender Geburtenrate etwa 500.000 mehr Menschen sterben werden, als Kinder auf die Welt kommen.

Diese Lücke könne nicht auf Dauer durch das Plus von Zuzügen gegenüber Fortzügen aus Deutschland geschlossen werden, ergänzte Egeler. So werde die Bevölkerungszahl von 80,8 Millionen Menschen im Jahr 2013 je nach Ausmaß der Einwanderung zwar noch fünf bis sieben Jahre steigen, anschließend jedoch abnehmen. Um die Bevölkerungszahl Deutschland nahezu konstant zu halten, müssten jährlich mindestens 450.000 Menschen zuwandern. Den Berechnungen zufolge wird sich die Einwanderung bei rund 130.000 Menschen pro Jahr einpendeln.

Özoğuz fordert mehr Unterstützung
Die Integrationsbeauftragte der Bundesregierung, Aydan Özoğuz (SPD), forderte mehr Unterstützung für Zuwanderer, damit sie „schnell arbeiten oder sich nachqualifizieren können“. Die Weiterentwicklung des Einwanderungslandes Deutschland gehöre auf der politischen Agenda ganz nach vorne, erklärte Özoğuz.

Die Zahl der Personen, die nach Deutschland kommen und langfristig bleiben, schwankt stetig. Für mehr Einwanderung sorgte zwischen 2011 und 2013 vor allem die Arbeitnehmerfreizügigkeit. Als Beispiel nannten die Wissenschaftler Polen. Zudem entschieden sich viele Menschen aus Südeuropa, nach Deutschland zu kommen. Grund für ihre Auswanderung ist vor allem die Wirtschafts- und Finanzkrise. Die Wissenschaftler gehen davon aus, dass auch die Einwanderung aus Bürgerkriegsländern wie Afghanistan oder Syrien anhalten wird, wenn sich die Lage vor Ort nicht stabilisiert.

Die Geburtenhäufigkeit wird mit 1,4 Kindern je Frau weiterhin niedrig bleiben. Die Statistiker gehen davon aus, dass das Gebäralter steigen wird. „Das biologische Zeitfenster der Frauen verschiebt sich“, sagte die Referentin im Referat für demografische Analysen im Bundesamt, Olga Pötzsch. Sie schließt nicht aus, dass familienpolitische Maßnahmen wie das Elterngeld oder der Ausbau von Kita-Plätzen kurzfristig für eine „Erholung“ bei den Geburten gesorgt haben oder noch sorgen werden. Vor allem bei Frauen, die in den 70er Jahren geboren wurden, sei die Geburtenrate nicht zurückgegangen, sagte Pötzsch.