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Replik auf Welt-Chefkommentator

Muslime sind gleichgültige Heuchler und Judenhasser

Welt-Chefkommentator Jacques Schuster ist Journalist. Zu seinem Job gehört die Recherche. Wenn es aber um die Verunglimpfung von Muslimen geht, zieht er Arbeitsverweigerung vor und lebt seine Abneigung in seinen Artikeln aus. So auch am Wochenende.

„Es gibt zwei Arten von Toten – diejenigen, deren Schicksal sich politisch missbrauchen und deren Tragödie sich lautstark betrauern lässt, und diejenigen, welche halt gestorben sind.“

Das schreibt Jacques Schuster, Chefkommentator der Zeitung „die Welt“ anlässlich des Leids der Palästinenser im syrischen Flüchtlingslager Jarmuk. Die Terrormiliz „Islamischer Staat“ hatte letzte Woche große Teile von Jarmuk eingenommen. Die deutsche Presse spricht von Todeslager, tiefster Hölle, schwärzestes Loch der Hölle, tödlicher Falle und so weiter.

Jacques Schuster geht es in seinem Artikel weniger um diejenigen, die „halt gestorben“ sind, sondern vornehmlich darum, was doch für „ewige Heuchler“ die Muslime und Araber im Allgemeinen und die Palästinenser in Gaza und Westjordanland im speziellen sind. Sein Argument folgt dem typischen Muster des Lichterkettenarguments der selbst ernannten politisch Inkorrekten. Das Lichterkettenargument zielt darauf ab, Gutmenschen der Heuchelei zu überführen, weil diese nur bei rassistischen Übergriffen gegen Einwanderer mit Lichterketten protestieren, aber bei gewalttätigen Übergriffen von Einwanderern gegen Deutsche schweigen.

Für Jacques Schuster sind nach dem Lichterkettenprinzip die Palästinenser im Westjordanland und Gaza Heuchler, weil der Aufschrei riesig sei, wenn nur ein einziger Palästinenser Opfer der Israelis wird. Wenn jedoch tausende von Palästinenser in der Hölle von Jarmuk schmoren, höre man, so Jacques Schuster, weder aus dem Gazastreifen noch dem Westjordanland von Massendemonstrationen oder Aufrufen, den rund 16.000 Brüdern und Schwestern zu Hilfe zu eilen.

Die deutschen Muslime schert Jacques Schuster pauschal als gleichgültige Heuchler und Judenhasser mehrheitlich über einen Kamm: „Aus welchem Grund finden schließlich die Muslime in Deutschland keinen gemeinsamen Tag für einen Massenprotest gegen die Menschenrechtsverletzungen, die in Syrien geschehen? Im Falle des Gaza-Kriegs ging es doch auch? Die Antworten auf sämtliche dieser Fragen sind klar: Den Genannten ist das Schicksal dieser Menschen gleichgültig. Einigen kommt ihr Tod sogar zugute. […] Die Mehrheit der Muslime in Deutschland entlädt wiederum lieber ihren Hass auf die Juden und Israel, als den innermuslimischen Krieg zu beklagen.“

Jacques Schuster ist Journalist. Zu seinem Job gehört die Recherche. Der Chefkommentator hält es jedoch nicht für nötig zu recherchieren. In Gaza und der Westbank protestieren Palästinenser schon im Januar 2015 und in den letzten Tagen gegen die Verbrechen in Jarmuk [hier, hier, hier, und hier].

Deutsche Muslime fanden in einer bundesweiten Aktion im September 2014 den von Jacques Schuster geforderten gemeinsamen Tag für einen Protest gegen den Terror des Islamischen Staats. Die übergroße Mehrheit der deutschen Muslime hat an den Gaza-Demonstrationen überhaupt nicht teilgenommen. Woher Schuster weiß, dass deutsche Muslime mehrheitlich Juden und Israel hassen, lässt sich vielleicht dadurch erklären, das Schuster selbst eine Abneigung gegen Muslime hat, diese Abneigung wiederholt in seinen Artikeln auslebt und auf diese Weise seine öffentliche Position als Chefkommentator auf verantwortungslose Weise missbraucht. Kurz, weil Schuster Muslime nicht leiden kann, glaubt er möglicherweise Muslime würden mehrheitlich Juden hassen.

Der Welt-Chefkommentator verunglimpft nicht nur Palästinenser und die deutschen Muslime, sondern versucht auch die Hamas und Hisbollah der Heuchelei zu überführen: „Wieso schmuggelt die Hamas keine Waffen ins Nachbarland? Der Schleichhandel in umgekehrter Richtung funktioniert doch auch? Wieso greift die Hisbollah nicht ein, um die Eingeschlossenen zu retten? Sonst ist sie doch auch so schnell dabei, sich auf die Seite der palästinensischen Opfer in Israel zu schlagen?

Die Hisbollah kämpft seit Monaten gegen die Terrormilizen des Islamischen Staats. Selbst Kritiker der Hisbollah gaben zu, dass dank ihrer Interventionen und ihres Widerstands der Vormarsch der ISIS behindert wurde. Die Hamas stand schon vor über einem Jahr in Kontakt mit der Hisbollah und dem Iran, um die Belagerung in Jarmuk zu beenden. In seinem Artikel selbst verlinkt Schuster einen weiteren Artikel von „die Welt“, der behauptet, dass eine eng mit der Hamas verbundene palästinensische Rebellengruppe die aktivste Gruppe im Kampf gegen den IS ist. Offenbar liest Jacques Schuster die Artikel seines eigenen Blatts nicht, bevor er sie verlinkt.

Nicht nur bei den Fakten gerät bei Jacques Schuster alles durcheinander. Es ist auch unklar, wen er alles kritisieren will. Im Titel des Artikels geht es um Muslime, im Teaser schränkt er die Heuchler auf die Araber ein. Im Haupttext geht es vornehmlich um die palästinensischen Heuchler und zwischendurch auch um deutsche Muslime und dann wieder um Araber. Nun sind nicht alle Palästinenser Muslime und die übergroße Mehrheit der deutschen Muslime sind keine Araber, sondern stammen in erster Linie aus der Türkei und dem Balkan.

Nichtsdestotrotz kommt die Message an. Schuster betrauert zunächst lautstark die Tragödie von Jarmuk: „Das Leid der Palästinenser im Flüchtlingslager Jarmuk schreit zum Himmel. […] Seit Monaten werden dort palästinensische Flüchtlinge abgeknallt, erschlagen und ausgehungert.“ Anschließend missbraucht er das Schicksal der Toten, um (deutsche) Muslime, Araber und Palästinenser pauschal als gleichgültige Heuchler und Judenhasser zu verunglimpfen. Für Schuster sind die Toten von Jarmuk dann offenbar die Toten der ersten Art: „Es gibt zwei Arten von Toten – diejenigen, deren Schicksal sich politisch missbrauchen und deren Tragödie sich lautstark betrauern lässt, und diejenigen, welche halt gestorben sind.“