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Ausstellung über Muslime, Christen und Juden in Ägypten

In Ägypten teilen sich Judentum, Christentum und Islam eine überaus lange gemeinsame Geschichte. Mit „EIN GOTT – Abrahams Erben am Nil“ widmet sich erstmals eine Ausstellung dem religiösen Leben und alltäglichen Miteinander der drei Glaubensgemeinschaften in Ägypten von der Römerzeit bis zum Ende der Fatimiden-Herrschaft im 12. Jahrhundert.

Den drei Buchreligionen und ihrer gemeinsamen Geschichte in Ägypten widmet das Berliner Bode-Museum von diesem Donnerstag an eine Ausstellung unter dem Titel „Ein Gott – Abrahams Erben am Nil“. Im Mittelpunkt stehen das religiöse Leben und der Alltag von Juden, Christen und Muslimen in Ägypten von der Antike bis zum Mittelalter. Die Integrationsbeauftragte der Bundesregierung, Aydan Özoğuz (SPD), sagte am Mittwoch bei der Präsentation, die Schau zeige, was in der Geschichte möglich gewesen sei. Der Bezug auf den gemeinsamen Stammvater aller drei Religionen sei eine Mahnung an alle, in Debatten über religiöse Vielfalt das Gemeinsame zu suchen und nicht das Trennende zu betonen.

Gezeigt werden rund 250 archäologische Objekte und schriftliche Dokumente, darunter Grabsteine, Porträts, Kultgegenstände, Handelsverträge, Alltagsgegenstände wie Kerzenhalter, Vasen und Haushaltsgefäße, aber auch hebräische Bibeln, Koran-Fragmente und ein christliches Psalter. Sie sollen die Entstehung und das Zusammenleben der drei Buchreligionen in Ägypten erläutern, sagte Friederike Seyfried, Kuratorin und Direktorin des Ägyptischen Museums und der Papyrussammlung. Als Brückenschlag in das 21. Jahrhundert mit seinen politischen Umwälzungen in der arabischen Welt dienen in der Ausstellung eigens angefertigte Dokumentarfilme über das Leben in den verschiedenen Glaubensgemeinschaften.

Titelgeber der Ausstellung ist Abraham – hebräisch: Awraham, arabisch: Ibrahim. Er gilt als Bindeglied zwischen Judentum, Christentum und Islam. Der „Vater der vielen Völker“, so die Bedeutung des Namens, war in allen drei Religionen der Erste, der sich zum Glauben an den einen Gott bekannte. Seine Gastfreundschaft gilt bis heute als Maßstab für Gastfreundschaft. Trotz der vielen Gemeinsamkeiten im Alltag und den vielen Wechselbeziehungen zwischen den verschiedenen Glaubensgemeinschaften verschweigt die Ausstellung aber auch nicht, dass es zwischen dem ersten und dem 13. Jahrhundert nach Christus auch zu Konflikten kam. Das weitgehend friedliche Zusammenleben führt Seyfried unter anderem auf die langanhaltende gute wirtschaftliche Lage in Ägypten zurück.

Die Ausstellung ist ein Gemeinschaftsprojekt des Ägyptischen Museums und der Papyrussammlung sowie des Museums für Islamische Kunst, der Skulpturensammlung und des Museums für Byzantinische Kunst. Zudem sind zahlreiche Leihgaben unter anderem aus Paris, London, Lyon und Cambridge zu sehen. Aus Ägypten selbst wurden aus finanziellen Erwägungen keine Exponate für die aktuelle Ausstellung ausgeliehen, hieß es. (epd/mig)