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Tagebücher von Mundlos und Böhnhardt gefunden

Durch einen zufälligen und spektakulären Fund beim Bundesamt für Verfassungsschutz könnte der NSU Komplex lückenlos aufgeklärt werden. Wie der Generalbundesanwalt in den frühen Morgenstunden mitteilte, haben Uwe Böhnhardt und Uwe Mundlos jeweils ein „nahezu minuziöses“ Tagebuch über ihr Leben im Untergrund geführt. Ersten Auswertungen zufolge werden alle noch offenen Fragen zum NSU-Komplex beantwortet.

So gingen sämtliche bisher im Raum stehenden Straftaten tatsächlich auf das Konto von Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt. Hinweise auf weitere rechtsextreme Netzwerke oder anderweitige Strukturen gebe es nicht. „Damit bestätigt sich die von Beginn an vertretene These, dass es sich bei der NSU um eine Zelle handelt“, erklärte der Generalbundesanwalt.

Keine Reformen mehr nötig
Geirrt habe man sich lediglich über die Rolle der Dritten im Bunde, Beate Zschäpe. Sie werde durch die Tagebücher komplett entlastet. Sie sei in keine einzige Straftat involviert gewesen. Die Bundesanwaltschaft geht davon aus, dass die Vorwürfe gegen Sie fallengelassen werden kann. Sie muss sich derzeit vor dem Oberverwaltungsgericht München verantworten.

Das Bundesinnenministerium zeigte sich ersten unbestätigten Informationen zufolge erleichtert über die vorläufigen Ermittlungsergebnisse. Diese deckten sich mit bisherigen Vermutungen, dass es doch keine rechten Netzwerke in Deutschland gibt, auch keinen Ku-Klux-Klan, auch keine Querverbindungen der Neonaziszene zum Trio, zur Polizei, zum Verfassungsschutz, nichts dergleichen. So sinke der Druck erheblich, weitere Reformen beim Bundesamt für Verfassungsschutz durchführen zu müssen.

Tagebücher durch Zufall heil geblieben
Wie die Bundesanwaltschaft in Anspielung auf das Aktenschreddern beim Verfassungsschutz außerdem mitteilte, seien die Tagebücher nur durch einen glücklichen Zufall heil geblieben. Sie seien versehentlich in einer falschen Akte abgelegt worden. Ein V-Mann habe die Bücher mittels eines V-V-Mannes der Behörde übergeben kurz bevor die beiden Uwe’s Selbstmord begangen haben. Die letzten Seiten des Tagebuchs seien Verfasst wie ein Abschiedsbrief, auf denen man sogar ein paar Tropfen Tränen gefunden habe. Derzeit werde untersucht, um wessen Tränen es sich handelt, die von Uwe oder die von Uwe. „Aufgrund der Brisanz dieses Falles, wollen wir es ganz genau wissen“, wird ein Ermittler in den Medien zitiert. Man werde alles tun für eine lückenlose Aufklärung.

Auf die Frage, wieso die Bücher so lange unentdeckt geblieben sind, teilte der Verfassungsschutz mit: „Der zuständige Kontaktmann beim Verfassungsschutz ist kurz nach Empfang und Einlagerung der Bücher an einer unbekannten Herzkrankheit allein in seiner Wohnung verstorben. Hinweise auf ein Fremdeinwirken gab es nicht. Anlass für weitere Ermittlungen gab es keine. Deshalb hat man von den Büchern nie erfahren. Rückblickend ist man natürlich schlauer.“

Uwes kannten Zeugen nicht
Auch Spekulationen über den Zeitpunkt der Entdeckung der Tagebücher wurden als haltlos zurückgewiesen. Es sei reiner Zufall, dass die Bücher ausgerechnet jetzt auftauchten. „Das hat nichts mit den mysteriösen Todesmeldungen von wichtigen NSU-Zeugen in den Medien zu tun“, so ein Sprecher der Anwaltschaft. Im Übrigen hätten die Uwe’s in ihren Tagebüchern unmissverständlich festgehalten, dass sie die verstorbenen Zeugen nicht gekannt haben.

Bedenken, die Tagebücher könnten gefälscht sein, wies die Bundesanwaltschaft entschieden zurück. Die Echtheit sei in einer Nacht- und Nebelaktion von Experten geprüft worden. Es gebe keinerlei Anzeichen dafür. Darin seien Informationen enthalten, die nur die beiden Uwe’s hätten wissen könnten. Diese deckten sich mit bisher als Verschlusssache gehaltenen Informationen des Verfassungsschutzes. Sofern es der Sache dienlich erscheine, werde man diese bekanntmachen.

Tagebücher beseitigten Zweifel präventiv
„Wir sind sehr erleichtert über diesen Fund“, teilte die Bundesanwaltschaft in einer schriftlichen Erklärung mit. Vor allem sei man froh darüber, dass allen Verschwörungstheorien endlich der Boden entzogen worden sei. Das habe „kein gutes Licht auf unsere sehr zuverlässigen Geheimdienste und auf den NSU-Prozess geworfen“.

Die „ganzen“ Untersuchungsausschüsse in den Ländern würden umgehend über die neue Sachlage informiert. Man gehe stark davon aus, dass die Ausschüsse eingestellt werden. Die Tagebücher beseitigten alle Zweifel präventiv. Es gebe nichts, was man noch aufklären könne. Die einzelnen Seiten würden je nach bedarf nach und nach veröffentlicht.

Wie das MiGAZIN aus informierten Kreisen erfuhr, wird Bundeskanzlerin Angela Merkel in den Mittagsstunden eine Sonderansprache halten. Sie werde live vor die Kameras treten und die Einlösung ihres Versprechens nach lückenloser Aufklärung verkünden. Laut Redemanuskript, bezeichnet sie den 1. April 2015 als „ein Meilenstein deutscher Ermittlungsarbeit“. (mig/mag)