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Migration und Integration in Deutschland

Durch die Möglichkeit der Beschäftigung ausländischer Arbeitnehmer in solchen [einfachen, manuellen] Positionen hat sich die Chance der deutschen Arbeiter, sich beruflich weiterzuentwickeln und in der Betriebshierarchie aufzusteigen zweifellos verbessert.

Bundesanstalt für Arbeit, Repräsentativuntersuchung ’72 über die Beschäftigung ausländischer Arbeitnehmer…, 1973

Internationale Wochen gegen Rassismus

„Rassismus in Deutschland ist sichtbarer geworden“

Zu den diesjährigen Internationalen Wochen gegen Rassismus rechnen die Initiatoren mit mehr als 1.300 Veranstaltungen in 300 Städten und Gemeinden mit rund 100.000 Teilnehmern. Das ist ein Rekord.

Stiftung für die Internationalen Wochen gegen Rassismus
Stiftung für die Internationalen Wochen gegen Rassismus

In Karlsruhe sind am Montag die 20. Internationalen Wochen gegen Rassismus eröffnet worden. Unter dem Motto „Anerkennung statt Ausgrenzung“ werden bis zum 29. März bundesweit mehr als 1.300 Veranstaltungen in 300 Städten und Gemeinden mit rund 100.000 Teilnehmern angeboten, wie die Organisatoren mitteilten. Koordiniert werden die Veranstaltungen von der Stiftung für die Internationalen Wochen.

Der Rassismus in Deutschland sei vor allem durch die islamfeindlichen „Pegida“-Demonstrationen und die zunehmenden Anschläge auf Flüchtlingsunterkünfte, Moscheen und Synagogen sichtbarer geworden, sagte Jürgen Micksch, Vorsitzender des Interkulturellen Rates und geschäftsführender Vorstand der Stiftung für die Internationalen Wochen.

Die diesjährigen Veranstaltungen seien eine Antwort „auf die von Populisten, Rechtsextremisten und rassistischen Demonstrationen geschürten Ängste und den Hass gegen Flüchtlinge, Muslime, Roma, Juden und andere Minderheiten“. Die Internationalen Wochen gegen Rassismus seien eine starke Bewegung, die seit Jahren zunehme.

Die Stadt Karlsruhe sei für die Eröffnung ausgewählt worden, „weil hier beispielhaft gegen Rassismus gearbeitet werde“, betonte Micksch. In Karlsruhe gibt es in den nächsten zwei Wochen 103 Veranstaltungen.

Es gebe verschiedene Formen von Diskriminierung, sagte Baden-Württembergs Integrationsministerin Bilkay Öney (SPD). Es gebe zwar in Deutschland seit 2006 ein Antidiskriminierungsgesetz, dies sei aber in der Gesellschaft nur wenig bekannt. „Viele Menschen kennen ihre Rechte gar nicht“, sagte Öney.

Um die jährlichen Internationalen Wochen gegen Rassismus langfristig zu sichern, wurde im vergangenen Jahr in Frankfurt am Main die Stiftung gegründet. Das Grundkapital in Höhe von 50.000 Euro stellten die Evangelische Kirche in Hessen und Nassau (EKHN), der Deutsche Fußballbund (DFB), der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB), der Förderverein Pro Asyl und der Interkulturelle Rat zur Verfügung, weitere 40.000 Euro kamen von Zustiftern.

Den Etat für dieses Jahr in Höhe von 150.000 Euro hätten zahlreiche Sponsoren aufgebracht, allen voran die EKHN, sagte Micksch. Zu den Geldgebern zählten auch der DFB, der DGB, die Robert Bosch Stiftung, die Organisation Pro Asyl, das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge sowie mehrere Handels-, Versicherungs- und Industrieunternehmen.

Der Vorsitzende des Stiftungsrates, der ehemalige DFB-Chef Theo Zwanziger, sagte, dass der Kampf gegen Diskriminierung immer eine Herausforderung sei. „Ich bin der Auffassung, dass wir alle bei den Wochen gegen Rassismus mitmachen müssen.“ Schließlich habe man in der NS-Zeit gesehen, wohin rassistisches Gedankengut führe. „Deshalb haben wir eine Verantwortung und Verpflichtung dafür, dass so etwas nie mehr passieren darf“, betonte Zwanziger.

Die Internationalen Wochen gegen Rassismus gehen auf einen Aufruf der Vereinten Nationen im Jahr 1979 zurück. Sie sollen an das Sharpeville-Massaker erinnern, bei dem Polizisten am 21. März 1960 in Südafrika 69 Menschen erschossen, die gegen das damalige Apartheid-Regime demonstrierten. Der 21. März wurde später von den UN zum „Internationalen Tag zur Überwindung von Rassendiskriminierung“ erklärt. (epd/mig)

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