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In allen Zielstaaten der Arbeitsmigration weisen die Eltern der als Migranten erfassten Jugendlichen eine kürzere Schulbesuchszeit und einen geringeren ökonomischen, sozialen und kulturellen Status auf als die Eltern von Nichtmigranten. Nirgendwo ist dieser Unterschied … aber so stark wie in Deutschland.

Konsortium Bildungberichterstattung, Bildung in Deutschland, 2006

Hessen

Islamischer Religionsunterricht soll ausgebaut werden

Der Islamunterricht an Hessens Schulen soll weiter ausgebaut werden. Das kündigte Nurgül Altuntaş vom Hessischen Kultusministerium an. Das sei auch nötig. Viele muslimische Schüler seien „religiöse Analphabeten“.

Der bekenntnisorientierte islamische Religionsunterricht in Hessen soll weiter ausgebaut werden. Dies kündigte Nurgül Altuntaş vom Hessischen Kultusministerium am Samstag auf einer Tagung der Evangelischen Akademie Hofgeismar an. Schon jetzt könne der zum Schuljahr 2013/2014 als ordentliches Lehrfach eingeführte Unterricht als ein „historischer Erfolg“ bezeichnet werden, sagte sie. Mit diesem bundesweit einmaligen Schritt sei Schulgeschichte geschrieben worden. Der Unterricht, der sich zunächst auf Grundschulen beschränkt, sei mit insgesamt 19 Lehrkräften gestartet worden.

Momentan werde rund 1.150 Schülern in 61 Klassen an 36 Schulen islamischer Religionsunterricht erteilt, sagte Fuat Kurt, Landesvorsitzender der Türkisch-Islamischen Union der Anstalt für Religion (Ditib). Grundsätzlich stehe es auch nichtmuslimischen Kindern oder Kindern von Eltern, die nicht der Ditib angehörten, frei, an diesem Religionsunterricht teilzunehmen. Aktuell werde zudem an einem Curriculum für künftige Religionslehrer gearbeitet, die an der Goethe-Universität Frankfurt ausgebildet werden sollen.

Die Direktorin des Pädagogisch-Theologischen Instituts der beiden evangelischen Landeskirchen in Hessen, Gudrun Neebe, begrüßte die erfolgreiche Einführung des Unterrichts. Die kurhessische und die hessen-nassauische Kirche hätten sich dafür ausgesprochen, da dieser Unterricht der religiösen Bildung insgesamt diene. Der Unterricht, der momentan nur in der ersten und zweiten Klassenstufe unterrichtet wird, sei ein hervorragendes Integrationsprojekt.

Nurgül Altuntaş wies darauf hin, dass viele muslimische Schüler „religiöse Analphabeten“ seien. Oft hätten sie auf Fragen andersgläubiger Mitschüler nach den Regeln ihrer Religion keine andere Antwort als die, dass sie eben Muslime seien. „Gegenüber evangelischen Schülern sind viele nicht kommunikationsfähig“, sagte Altuntaş. Der islamische Religionsunterricht könne dazu helfen, sie mit den Grundlagen des muslimischen Glaubens und dem Koran vertrauter zu machen. (epd/mig)

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3 Kommentare
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  1. Haralds sagt:

    Gehört Religionsunterrichts überhaupt in die Schule? Und wenn muslimische Schüler „religiöse Analphabeten“ sind, kann es mit der Religion nicht weit her sein. Religion gehört ins Private. Es hat lange gedauert, bis die Kirchen, die nichts anderes sind als Vermögensverwalter, zumindest einigermaßen zurechtgestutzt waren. Lassen wir also besser jede Religion im Privatbereich und versuchen es mit den alten Tugenden wie Achtung, Respekt und Toleranz untereinander. Der Islam wird weithin als rückständig und gefährlich wahrgenommen. Ein Islamunterricht, der sich mit den tiefen Widersprüchen des Islam nicht auseinandersetzt, wird die Situation nicht entspannen. Der Koran, das wird niemand bestreiten, entspricht nicht unseren Werten und ist mit unserem Grundgesetz nicht vereinbar. Will man also im Islamunterricht die unüberbrückbaren Unterschiede zwischen GG und Koran erklären? Das würde Sinn ergeben und muslimische Schüler fit machen für eine Zukunft in einer modernen freien Gesellschaft. Aber zu erwarten ist das nicht.

  2. Saadiya sagt:

    @ Haralds: „Der Koran, das wird niemand bestreiten, entspricht nicht unseren Werten und ist mit unserem Grundgesetz nicht vereinbar. “

    Lesen Sie mal die Bibel, die ist an einigen Stellen auch nicht mit dem GG oder den vermeintlichen Werten der deutschen Gesellschaft vereinbar.

  3. Rinne sagt:

    @Saadiya

    Und was schließen wir daraus? Religion gehört nicht in die Schulen. Der Staat hat kein Recht darauf eine Organisationen in Form einer Glaubensgemeinschaft zu subventionieren und eine andere Glaubensgemeinschaft nicht und deshalb kann es nur dann fair ablaufen, wenn es für niemanden einen spezifischen Religionsunterricht gibt.



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