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Migration und Integration in Deutschland

Es waren vor allem die übrig gebliebenen einheimischen Geringqualifizierten, die die Gastarbeiter als ungeliebte Konkurrenten empfanden.

Stefan Luft, Staat und Migration, 2009

Ratgeber

Die erste Wohnung günstig und trotzdem schön einrichten

Wer neu in ein Land einwandert, hat es schwer: sei es Arbeit- oder Wohnungssuche. Erschwerend ist meist das oft kleine Budget. Dennoch kann man sich die ersten eigenen vier Wände gemütlich einrichten.

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Renovierung © pixabay.com Counselling (CC0 1.0)

Einwanderer haben es schwer, in Deutschland Fuß zu fassen. Selbst mit besten Qualifikationen haben sie es schwer, einen guten Arbeitsplatz zu finden. Und viele Hürden tauchen dort auf, wo man sie gar nicht vermutet. Wer beispielsweise in einer Übergangswohnung oder vorübergehenden Unterkunft lebt, wird es schwer haben, beim potenziellen Arbeitgeber einen soliden Eindruck zu hinterlassen. So kann ein Teufelskreis entstehen: wer keine vernünftige Anschrift hat, findet keine Arbeit, wer keine vernünftige Arbeit hat, findet keine Wohnung – MiGAZIN berichtete bereits.

Vor allem die Suche nach einer ersten Wohnung ist schwer, weil Vermieter gerne auch wissen wollen, wo man bisher gewohnt hat und ob es Probleme mit dem bisherigen Eigentümer gab. Kann man da keine „Referenzen“ vorweisen, ist das ein dickes Minus gegenüber den Mitbewerbern. Aber auch sonst gestaltet sich für Einwanderer die Wohnungssuche als schwierig – unabhängig davon, ob man einen Arbeitsplatz hat oder nicht. Wenngleich in Deutschland aufgrund des Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetzes eine Diskriminierung durch den Vermieter bei der Wohnungsvergabe verboten ist, sieht es in der Praxis anders nicht selten so aus, dass Wohnungen – zumindest die guten – oftmals lieber an Deutsche vergeben werden als an Menschen mit Migrationshintergrund.

Ist es dann aber endlich geschafft, möchte man sich natürlich auch rundum wohlfühlen – das ist besonder in der Eingewöhnungsphase wichtig. Die richtige Einrichtung und Dekoration können dabei für den nötigen Ausgleich sorgen. Verzierungen und Accessoires aus der Heimat wirken vertraut und geben eine Sicherheitsgefühl, die neuen Möbel und das sonstige Neue drumherum können das harmonische Einleben beschleunigen.

Die Renovierung
Doch auch hier gibt es Tücken, auf die man achten sollte. Gemeinhin wird behauptet, dass ein Mieter die Wohnung bei seinem Auszug frisch renoviert übergeben muss. Das würde bedeuten, dass eine Renovierung bei Neubezug vollkommen wegfällt. Dem ist aber nicht so.

Gesetzlich sind Schönheitsreparaturen und Renovierungen Aufgabe des Vermieters. Er kann mit dem Mieter aber vereinbaren, dass die Wohnung unrenoviert übergeben wird. Das bedeutet, dass es bei Neubezug einer Wohnung durchaus sein kann, dass diese gestrichen oder tapeziert werden muss, wenn man es schön haben möchte. Eine Geldinvestition, die den Neumieter überfordern könnte.

Bevor die Wohnung aber aufgrund der Renovierungsbedürftigkeit abgelehnt wird, sollte dringend mit dem Vermieter verhandelt werden. Es ist möglich, dass dieser sich bereit erklärt, die Kosten für die Renovierung ganz oder zum Teil zu übernehmen, dafür muss zum Beispiel beim Auszug nicht renoviert werden. Auch könnte sich ein Vermieter darauf einlassen, dass der Mieter die Kosten übernimmt, dafür aber in den beispielsweise ersten zwei Monaten keine Miete zahlen muss. In so einem Fall ist ein Gespräch mit dem Verantwortlichen zu empfehlen.

Selber machen lautet bei der Renovierung die Devise, wenn es günstig sein soll. Streichen, tapezieren und Böden verlegen kann dabei mit einem bisschen handwerklichen Geschick sogar Spaß machen. Eventuell helfen Freunde oder neue Nachbarn, sodass schon vor dem Einzug in die neue Wohnung Anschluss gefunden werden kann.

  • Die Einrichtung
    Viele Einwanderer haben bei Ihrer Einreise oft ein bescheidenes Budget zur Verfügung. Wenn dann auch noch die erste eigene Wohnung bezogen wird, fehlt es meist an allem: Bett, Sofas, Schränke. An Dekorationen denken viele dabei gar nicht erst, vermissen dies aber dann doch, wenn die Wohnung nicht gemütlich, sondern nur spärlich ausgestattet erscheint. Das alles kostet Geld. In einem Möbelhaus kann eine Sitzgarnitur allein schon mehrere tausend Euro kosten. Es gibt aber günstige Alternativen, mit denen ein Wohlfühlfaktor geschaffen werden kann:
  • Möbeldiscounter
    Wenn es Neuware sein soll: Es gibt sowohl sogenannte Outlet-Stores renommierter Möbelhäuser, die bestimmte Ware (Vorführmodelle, Saisonware) günstig anbieten, als auch Möbeldiscounter, die zwar keine hochwertigen, dafür aber dennoch günstige und brauchbare Möbel im Sortiment haben. Zu beachten hierbei ist, dass in der Regel keine kostenlose Lieferung angeboten wird. Wer demnach nicht die Möglichkeit hat, die Ware selbst zu transportieren, wird in den Transport durch die Firma zusätzlich investieren müssen.
  • Kleinanzeigen im Netz
    Was früher die Zeitungsinserate waren – die es natürlich auch heute noch gibt – sind mittlerweile die online Kleinanzeigen und die Versteigerungen. Hier ist es möglich, sehr preiswerte Schnäppchen aus zweiter Hand zu machen. Bei Versteigerungen kann das Glück eine große Rolle spielen, hohe Lieferkosten müssen aber eingeplant werden. Bei den Kleinanzeigen hingegen ist es möglich, sich Angebote aus der Region zur Selbstabholung anzeigen zu lassen, vielleicht sogar nur wenige Häuserblocks entfernt.
  • Flohmarkt
    Auf Flohmärkten werden die verschiedensten Dinge angeboten. Von Tischen über Schränke bis hin zu antiken Deko-Artikeln ist dort immer etwas zu finden. Der Vorteil ist dabei, dass es im Gegensatz zu Versteigerungen oder Inseraten möglich ist, direkt vor Ort verschiedene Angebote zu vergleichen und die angebotene Ware direkt in Augenschein zu nehmen.
  • Sozialkaufhäuser
    Sozialkaufhäuser sind Geschäfte, die zu einem günstigen Preis Waren verkaufen, die vornehmlich gebraucht und gespendet worden sind. Auch hier ist es möglich, sehr gute Ware zu einem günstigen Preis zu erhalten. Dabei sollte es niemandem peinlich sein, ein solches Kaufhaus zu betreten. Denn schließlich sind diese dazu da, Menschen zu helfen, die zum Beispiel bei ihrem Start ins Leben in Deutschland nur wenig Geld besitzen und Unterstützung benötigen. Eventuell ist man in einigen Jahren in einer besseren finanziellen Situation und findet sich selbst als Spender an diesem Ort wieder.
  • Do it Yourself
    Gerade im Bereich der Dekoration muss gar nicht viel Geld investiert werden. Wichtiger ist Kreativität, denn aus vielen Dingen lässt sich etwas Schönes kreieren. Hier sollte der Fantasie freien Lauf gelassen werden – eine gute Idee, um eventuell mit den eigenen Kindern einen schönen Bastelnachmittag zu verbringen, ist dies obendrein. Ein paar schöne Deko-Ideen gibt es zum Beispiel beim Fernsehsender SAT1.
  • Schnäppchenshops
    Sogenannte Schnäppchenshops oder 1-Euro-Shops Läden gibt es vielerorts. Gerade für Dekorationen oder Gebrauchsgegenstände für den Haushalt sind sie ein guter Anlaufpunkt.
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Ein Kommentar
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  1. Der Don sagt:

    was hier leider überhaupt nicht angesprochen wird, ist die Tatsache das man ganz schnell in eine horrende Schuldenfalle gerät durch die Zwangs-Krankenversicherung. denn durch die behördliche Anmeldung beginnt die Uhr zu ticken. Es ist doch meist so das man erst eine Wohnung sucht (schon problematisch genug und man sollte immer neutrale Zeugen dabei haben)sich um die Möbel kümmert und Behördengänge erledigt und sich dann mit der neuen Aresse anmeldet. Und dann schnappt die Falle zu. Wer sich dann bei einer Krankenkasse anmelden will bekommt erstmal einen Haufen Papier zugeschickt, Informationen zero. Da können schon mal 2-3 Monate oder länger ins Land gehen. Informationen sind nur spärlich oder wiedersprüchlich.
    Es gibt zwar infos auf der Homepage des Gesunheitsministeriums auch für Rückkehrer ( da muß man erstmal drauf kommen) nur sind die sehr versteckt und nicht jeder hat gleich internet bei dem man sich erstmal durch den Tarifdschungel wühlen muß. Die Bundesregierung kommt ihrer Informationspflich äußerst mangelhaft nach da kann es sehr schnell passieren das der Zoll vor der Tür steht und Pfänden will und man kann sich rechtlich nicht dagegen wehren. Dabei wäre es ganz einfach den Problemen aus dem Weg zu gehen: Jeder der sich in Deutschland anmeldet bekommt eine Meldebescheinigung ausgedruckt, wenn darauf ein Dreizeiler meinetwegen in mehreren Sprachen mit Hinweis auf die KV-Versicherungspflicht dann wäre der Fisch gegessen, aber das ist wohl zu viel verlangt an Kreativität. Übrigens sind ca. 130.000 Personen immer noch nicht versichert. Also Leute Vorsicht. Saludos



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