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Wenn Ausländer […] von der einheimischen Bevölkerung als Konkurrenten um Arbeitsplätze […] und als Bedrohung der Sicherheit […] wahrgenommen werden, dann erhöht die vermehrte Sichtbarkeit der Migranten dieses Gefühl […]

Forschungsverbund „Probleme der Ausländerbeschäftigung“ / 1979, 1979

Experte krtisiert Geheimdienste

Terrorwarnungen bestärken Angst vor Muslimen

Die sich häufenden Warnungen der Sicherheitsbehörden vor „islamistischen“ Anschlägen bestärken die ohnehin vorhandenen Angstgefühle. Maßnahmen zur Inneren Sicherheit sollten immer wieder kritisch hinterfragt werden, fordert der Hamburger Politikwissenschaftlers Kraushaar.

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Die Polizei im Einsatz Caruso Pinguin @ flickr.com (CC 2.0), bearb. MiG

VONReimar Paul

DATUM4. März 2015

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RESSORTAktuell, Politik

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Die sich häufenden Warnungen der Sicherheitsbehörden vor islamistischen Anschlägen wirken sich nach Ansicht des Hamburger Politikwissenschaftlers Wolfgang Kraushaar höchst unterschiedlich auf die Gesellschaft aus. Bei einigen Menschen komme es zu Gewöhnungseffekten und damit möglicherweise „zu einem mangelnden Ernstnehmen“ der Hinweise, sagte Kraushaar dem Evangelischen Pressedienst. Andere würden in ohnehin vorhandenen Angstgefühle bestärkt. „Wie das quantitative Verhältnis zwischen beiden Gruppen ausschaut, können nur Meinungsumfragen genauer klären.“

Mit Blick auf wachsende Vorbehalte gegenüber Muslimen und Ausländern sieht der Experte bereits jetzt negative Folgen der Terrorwarnungen. Auch hier scheine die Gesellschaft gespalten zu sein. Auf der einen Seite gebe es „eine geradezu phobische Haltung“ gegenüber Flüchtlingen und Angehörigen muslimischen Glaubens. Gleichzeitig sei eine zivilgesellschaftliche Mehrheit dazu bereit, „auf die Straße zu gehen, sich für bedrohte Minderheiten einzusetzen und gegen Pegida und andere zu protestieren“.

Seit Jahresbeginn hatten sich in drei deutschen Städten Warnungen vor gewaltbereiten Islamisten gravierend auf das öffentliche Leben ausgewirkt. Mitte Januar waren in Dresden alle öffentlichen Versammlungen verboten worden, weil eine Gefahr im Zusammenhang mit den Demonstrationen der islamkritischen „Pegida“-Bewegung angenommen wurde. In Braunschweig wurde vor zwei Wochen der größte Karnevalsumzug Norddeutschlands abgesagt. Zuletzt gab es am Wochenende in Bremen nach einer Anschlagswarnung einen großen Polizeieinsatz.

Immer kritisch hinterfragen
Zwar sei Deutschland in den vergangenen Jahren von Terrorattacken verschont geblieben, betonte Kraushaar. Dennoch mache das mit der Ausbreitung des „Islamischen Staates“ in Syrien und im Irak unzweifelhaft gestiegene Bedrohungspotenzial zusätzliche und strengere Sicherheitsanforderungen als bisher erforderlich. Ob diese gerechtfertigt seien, lasse sich nicht mit einer „Patentformel“ beantworten.

Wichtig sei vielmehr, Maßnahmen zur Inneren Sicherheit immer wieder kritisch zu hinterfragen. Freiheitsrechte und Sicherheitserfordernisse müssten gegeneinander abgewogen werden. Dabei gebe es Unterschiede zum Terror der Roten Armee Fraktion (RAF) in den 70er und 80er Jahren. Während sich die RAF-Anschläge nicht gegen die Bevölkerung im Allgemeinen gerichtet hätten, nehme der islamistische Terror keine Rücksicht auf die Allgemeinheit. Früher seien die Vertreter staatlicher und wirtschaftlicher Eliten samt ihres Sicherungsapparates betroffen gewesen, heute könne es potenziell jeden treffen, unterstrich Kraushaar. (epd/mig)

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5 Kommentare
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  1. H.P.Barkam sagt:

    Eines ist sicher, Terrorwarnungen lenken wunderbar von den umfangreichen Verfehlungen unserer verfassungsfeindlich geheim operierenden Dienste ab.

    In diesem Sinne

  2. surviver sagt:

    İch kann’s nicht mehr hören.
    Sobald ich im Auto das Radio einschalte oder zu Hause TV, immer dasselbe.
    Irgendwann, irgendwo, irgendwie haben angeblich „Islamische Terroristen“ auch in Deutschland ein Anschlag geplant.
    Was soll das?
    Das nennt man „Journalistisher Terrorismus“.
    Haben die nichts anderes zu berichten als Verwirrung zu stiften.
    Ich glaub den „Öffentlich Rechtlichen“ kein Wort mehr.

  3. Fragender sagt:

    @surviver

    Witzig. Das mit dem „Ich glaub den “Öffentlich Rechtlichen” kein Wort mehr.“ aka. „Lügenpresse“ haben Sie mit gewissen Spaziergängern in Dresden gemein.

    Für die Einen verschweigen die angeblich die „Wahrheit“ über den Islam, für die Anderen werden die Muslime nur schlecht gemacht. Verwirrend. Lügen die jetzt pro oder contra Islam?

    Aber vielleicht ist ja alles, was nicht zu 100 Prozent dem eigenen Weltbild entspricht, automatisch eine Lüge.

  4. aloo masala sagt:

    Politik der Angst ist ein probates Mittel politische Ziele durchzusetzen. Es gilt Sicherheitsgesetze zu verschärfen und Überwachungsmaßnahmen auszuweiten. Dies geht teilweise mit einem Rückbau von Bürgerrechten einher. Kaum ein Bürger würde solchen Einschränkungen und die ausufernde Bespitzelung und Überwachung seiner Privatsphäre freiwillig zustimmen, außer er hat Angst. Das ist der Job der Terrorwarnungen.

  5. surviver sagt:

    @Fragender

    Wenn Sie mich schon der AfD zuordnen, mit Politik hatte ich nie im Leben etwas am Hut.
    Ein gewalltiger fehler. Jeder sollte sich schon früh genug für Politik interessieren, denn nur so kapieren die Bürger die „Verarschung“, und dazu gehört leider auch manipulierte Meinungsbildung der Presse.

    in Sachen „Lügenpresse“ hat die AfD nicht ganz Unrecht.
    Es gibt 1.000 Beispiele von „fehlerhaften Informationen“ in den 8-Uhr-Nachrichten.

    Als Quellenangabe gebe ich Ihnen vorab „propagandaschau.wordpress.de“.
    Dort werden solche „Falschmeldungen“ veröffentlicht.
    In Deutschland hat die Presse „Narrenfreiheit“ durch den Presserat. Sie werden nur gerügt, lachen sich in die Faust und machen weiter.
    Das müsste anders ablaufen.
    Wer lügt, muss zahlen.
    Der GEZ-Zahler hat ein Recht darauf objektiv informiert zu werden.

    Wollen Sie noch mehr Quellenangaben?
    Fragen Sie ruhig.



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