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[Die Verhinderung der Sesshaftmachung] würde den Vorteil haben, dass das Interesse an einer Familienzusammenführung zurückgeht und damit uns erheblich geringere Infrastrukturkosten entstehen würden.

Ein Vertreter der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände, Weber, 1974

Mehrere Methoden

Tipps fürs Deutschlernen

Der Mythos von der Schwierigkeit der deutschen Sprache ist so alt wie die Sprache selbst. Dabei lässt sich mit einer gewissen Grundlage eine innere Logik und Geschlossenheit entdecken, die das Lernen gerade in fortgeschrittenen Phasen einfacher gestaltet. Ein Überblick:

Lesen © pixabay.com © LouAnna (CC0 1.0)
Lesen © pixabay.com © LouAnna (CC0 1.0)

Um nicht nur einfach in Deutschland zu leben, sondern gleichermaßen erfolgreich teilzuhaben, neue Menschen kennenzulernen, sich im Alltag zu verständigen und einen Beruf zu finden, ist das Erlernen der deutschen Sprache nahezu unverzichtbar. Bekanntermaßen gilt Deutsch jedoch als verhältnismäßig schwer und komplex, was vor allem an den unzähligen Grammatik- und Rechtschreibregeln liegt. Tatsächlich haben selbst die Deutschen selbst in vielen Fällen Probleme mit ihrer Muttersprache, indem sie etwa den Dativ mit dem Genitiv verwechseln, Besonderheiten wie „dasselbe“ und „das gleiche“ nicht auseinanderhalten können oder bei bestimmten Wörtern die Präpositionen falsch setzen.

„Aufgrund meiner philologischen Studien bin ich überzeugt, dass ein begabter Mensch Englisch (außer Schreibung und Aussprache) in dreißig Stunden, Französisch in dreißig Tagen und Deutsch in dreißig Jahren lernen kann.“ — Mark Twain

Auch wenn Mark Twain der deutschen Sprache auf seinen Deutschland-Reisen im 19. Jahrhundert nach einigem Bemühen (und Scheitern) nichts abgewinnen konnte, so müssen heutige Lernende keineswegs verzweifeln. Denn wenngleich es auch einige Anfangsschwierigkeiten zu überwinden gilt, so verliert die deutsche Sprache nach einiger Zeit doch ihren Schrecken. Vielmehr lässt sich mit einer gewissen Grundlage eine innere Logik und Geschlossenheit entdecken, die das Lernen gerade in fortgeschrittenen Phasen einfacher gestaltet. Nichts desto trotz können die vielen Regeln, die es in anderen Sprach- und Kulturkreisen so nicht gibt, zunächst für Verwirrung sorgen – Abhilfe schaffen jedoch passende Lerntechniken und Ratschläge, die das Deutschlernen erleichtern.

1. Deutsche Medien konsumieren
Wer sich regelmäßig Beiträge im deutschen Fernsehen anschaut oder vielleicht auch einmal ein deutsches Buch liest, wird schnell Erfolge hinsichtlich der Aussprache und der korrekten Schreibweise bemerken. Denn grundsätzlich gilt, dass der Mensch am besten lernt, wenn er etwas aktiv tut. Demnach müssen Deutsch Lernende also regelmäßig lesen, schreiben, sprechen und hören. Je mehr Sinne dabei gleichzeitig genutzt werden, desto besser ist der Lerneffekt.

Aus diesem Grund greifen viele Lehrer auf die sogenannten mnemotechnischen Lernhilfen zurück, mit denen eine Zusammenarbeit zwischen Verstand und Sinnen optimal unterstützt wird.

Laut Focus kann der Mensch am besten lernen und sich etwas merken, wenn er selbst aktiv anwendet und dabei so viele Sinne wie möglich nutzt.

2. Mnemotechnische Lernmethoden
Als Mnemotechnik werden Lern- und Merktechniken bezeichnet, die dabei helfen, Zahlen, Namen, Listen oder ähnliches auswendig zu lernen. Die Beispiele für Mnemotechnik sind zahlreich, sehr bekannt ist unter anderem die Loci-Technik.

Bei dieser Technik wird neues Wissen mit bereits bekannten Wegen verknüpft. Um die Technik auszuprobieren, sollten zunächst etwa 10 verschiedene Begriffe, die auswendig gelernt werden sollen, bereitstehen. Nun stellt sich der Lernende einen Weg in Gedanken vor, den er regelmäßig geht, etwa zur Haltestelle oder durch die Wohnung. Die Loci-Methode zielt nun darauf auf, dass die besagten Begriffe in Form von Gegenständen auf dem Weg liegen oder ein bestimmtes Ereignis auslösen. Dabei gilt: je ungewöhnlicher, desto besser. Darüber hinaus gibt es jedoch noch viele weitere Methoden, beispielsweise den Merksatz, die Körperliste, Lieder oder die Geschichten-Technik, die alle sehr ausführlicher auf folgender Seite beschrieben werden.

3. Integrationskurse
Für Migranten gibt es zudem eine ganze Reihe an fördernden Angeboten, es ist also keineswegs erforderlich, sich alle Kenntnisse allein und selbständig anzueignen. Ein bekanntes Beispiel, das direkt vom Bundesamt für Migration und Flüchtlinge kommt, ist der Integrationskurs, der wiederum aus einem Sprach- und einem Orientierungskurs besteht. Im Allgemeinen dauert dieser insgesamt 600 Stunden, weitere Spezialkurse können aber auch bis zu 900 Stunden andauern. Dabei werden wichtige Themenaspekte wie Arbeit und Beruf, Aus- und Weiterbildung, Betreuung und Erziehung von Kindern, Einkaufen, Handel, Konsum, Freizeit, soziale Kontakte, Gesundheit, Medien oder das Wohnen und Leben behandelt. Zusätzlich lernen die Teilnehmer außerdem, wie sie auf Deutsch Briefe und Emails schreiben, Formulare ausfüllen oder wichtige Telefonate führen können.

Im Anschluss an den Sprachkurs findet ein Orientierungskurs statt, der nochmals 60 Stunden dauert. In diesem wird ausführlicher über die deutsche Rechtsform, Rechte und Pflichten in Deutschland, Formen des Zusammenlebens und Werte, die in Deutschland wichtig sind (etwa Religionsfreiheit und Gleichberechtigung) gesprochen. Abschließend findet ein Test statt, der die erworbenen Kenntnisse nochmals prüft. Wer einen Anspruch auf den Integrationskurs hat und ob oder wie viel dieser kostet, ist abhängig davon, ob es um EU-Bürger, Spätaussiedler, deutsche Staatsangehörige oder Ausländer mit Aufenthaltstiteln vor oder nach 2005 geht, das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge hält auf seiner Website detaillierte Informationen bereit.

4. Lehrmaterialien
Auch entsprechende Lehrmaterialien sollten nicht fehlen, wenn Deutsch als Fremdsprache gelernt wird. Vor allem für das richtige Verständnis der Grammatik und die richtige Anwendung der verschiedenen Fälle, also Nominativ, Genitiv, Dativ und Akkusativ müssen diese in der Regel zunächst auswendig gelernt werden, bevor sie korrekt angewendet werden können. Aber auch Adjektive, Adverbien, Artikel, Imperativ und vieles mehr sollten zunächst erst einmal genauestens analysiert und gelernt werden, bevor sie im Alltag zur Anwendung kommen.

Nicht zuletzt lässt sich außerdem auch das schlichte Vokabelnlernen realisieren, so wie es auch aus anderen Sprachunterrichten bekannt ist. Mittlerweile werden diesbezüglich viele unterschiedliche Niveaus angesprochen, sodass jeder Neueinsteiger auf seine Kosten kommt und in genau dem Tempo lernen kann, das zu ihm passt. Bei einem richtigen Sprachkurs werden die entsprechenden Materialien meist zusätzlich gestellt oder müssen für einen geringen Aufpreis selbst hinzugekauft werden.

Wer hingegen auf eigene Faust und ohne Gruppe oder Lehrer Deutsch lernen möchte, der muss die Lehrmaterialien meist selbst kaufen. Ganz billig sind diese in der Regel jedoch nicht, vor allem, wenn es die aktuellste Version eines Buches sein soll (dies wird in jedem Fall empfohlen). Allerdings lassen sich die Bücher im Nachhinein auch wieder rentabel verkaufen, sodass zumindest ein geringer Ausgleich geschaffen werden kann. Zudem kann so Hilfe durch das Anbieten günstiger Bücher für andere Lernwillige geleistet werden – nicht nur aus Kostensicht, sondern auch weil viele ausländische Titel im deutschen Buchhandel schwer erhältlich sind. Für den Verkauf selbst gibt es unterschiedliche Möglichkeiten, wie die Suche über spezielle Foren, wer es besonders einfach und schnell haben will, kann jedoch auch alle Bücher auf einen Schlag bei Portalen wie Momox im Internet anbieten.

5. Online lernen
Eine weitere immer häufiger genutzte Methode ist außerdem das Lernen über das Internet. Viele Onlinekurse können sogar kostenlos besucht und genutzt werden und sorgen für tiefere Einblicke in die deutsche Sprache, aber auch für erste Tests, um überhaupt eine Ahnung zu haben, ob man selbst eher Anfänger oder schon fortgeschrittener ist, lassen sich so in kürzester Zeit erledigen. Wenngleich gerade das interaktive Arbeiten beim Online-Lernen sehr praktisch ist und es meist ausführliches Lehrmaterial in Video- oder Textform gibt, so sollte aber dennoch keinesfalls auf zusätzliche Bücher und vor allem auf den Austausch mit anderen in direkter Kommunikation verzichtet werden. (sb)

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