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Migration und Integration in Deutschland

Wir haben unsere Behörden über Jahrzehnte in eine Abschottungskultur hineinentwickelt. Man hat gesagt: Haltet uns die Leute vom Hals, die wollen alle nur in unsere Sozialsysteme einwandern. Jetzt müssen wir deutlich machen, dass wir Fachkräfte brauchen, dass wir um sie werben müssen.

Peter Clever, Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände, April 2013

Wirtschaftsflüchtlinge

Ein bedingungsloses Ja zu den christlich-abendländischen Werten

Ok-Hee Jeong und ihre zwei Geschwister waren drei, fünf und acht Jahre als ihre Eltern sie in Korea ließen und nach Deutschland zogen. Das war in den 70ern. Heute würde man sie als Wirtschaftsflüchtlinge bezeichnen und nicht haben wollen.

VONOk-Hee Jeong

Die Verfasserin arbeitet als freie Journalistin in Berlin. Ihre bisherigen Artikel sind unter anderem in ZEIT Online, taz, FAZ und WOZ erschienen. Zurzeit arbeitet sie an einem Dokumentarfilm.

DATUM3. Februar 2015

KOMMENTARE36

RESSORTLeitartikel, Meinung

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Als meine Eltern uns, ihre drei Kinder, verließen, waren wir gerade mal drei, fünf und acht Jahre alt. Sie verließen uns, weil sie uns liebten.

Südkorea war nach jahrzehntelanger japanischer Kolonialherrschaft und durch den Koreakrieg in Schutt und Asche gelegt, und in den siebziger Jahren gehörte Südkorea zu den ärmsten Ländern der Welt. Meine Eltern hatten gerade mal die High-School abschließen können. Studieren war nicht möglich, weil kein Geld dafür vorhanden war. Schulbildung war Luxus. Es ging nur ums Überleben. Es waren entbehrungsvolle Tage, es waren Tage ohne Hoffnung auf die Zukunft. Gott sei Dank gab es aber ein Anwerbeabkommen zwischen Südkorea und der damaligen BRD; die Möglichkeit als Gastarbeiter nach Deutschland zu gehen, war eine ungeahnte Möglichkeit für meine Eltern und ihre Großfamilie. Zuerst flog mein Vater nach Deutschland. Halbes Jahr später folgte ihm meine Mutter. Mein Vater sagte zum Abschied: „Ich werde mit viel Geld nach Hause zurückkommen.“ Meine Mutter sagte zum Abschied: „Ich werde ganz bald zurückkommen.“

Ganz bald. Wie viele Tage bedeuteten „ganz bald“ für meine dreijährigen und achtjährigen Brüder? Wie viele Tage kannte ich wohl mit meinen fünf Jahren? Vielleicht habe ich damals die Nächte an meinen kleinen zehn Fingern abgezählt. Ein Finger für eine Nacht, ein zweiter Finger für eine weitere Nacht, dann noch ein weiterer Finger, noch ein weiterer Finger …

Die zehn Finger abzuzählen muss für mich bestimmt wie eine Ewigkeit angefühlt haben. Aber meine Eltern kamen auch nach dieser Ewigkeit nicht wieder. Nicht nach zehnmal schlafen, nicht nach hundertmal schlafen, nicht nachdem der Winter vorbei war und der Frühling kam; auch dann nicht, als nach den langen Monaten wieder der kalte Winter zurückkam; sie kamen auch dann nicht, als es wieder tonlos Frühling wurde, der schwüle, zähe Sommer sich langsam in den Herbst windete und als dieser Herbst, der in meinen Augen keine Farben mehr trug, wieder nur stumm in den kalten Winter mündete.

Als ich Mutter eines Kindes wurde, fragte ich mich, wie es meiner Mutter damals ergangen sein muss, sich von ihren kleinen Kindern zu trennen. Ich erahne es. Es muss ihr das Herz zerrissen haben. Denn genau das spüre ich an meinem eigenen Mutterherzen.

Als ich im Jahre 2011 der Einladung des Thüringer Ministeriums für Soziales, Familie und Gesundheit folgte, während der Interkulturellen Wochen mein Theaterstück aufzuführen und Lesungen mit meinen Kurzgeschichten zum Thema Migration zu halten, weilte ich für einige Tage in Erfurt und Ilmenau, war in Jena und Gera, und besuchte dazu noch die abgelegenen kleinen Ortschaften in Thüringen, an deren Namen ich mich leider nicht mehr erinnern kann.

Tief in Thüringen einzutauchen, in den kleinen Dörfern und Städten zu gelangen, war für mich, die aus dem Westen kam, spannend. Die Menschen, denen ich begegnete, waren freundlich. Aber die Orte fühlten sich für mich nicht heimisch an. Es war ein anderes Deutschland, als das ich vom Westdeutschland kannte. Es fühlte sich seltsam anders an. Vielleicht lag es daran, dass überall eine gewisse Mutlosigkeit und Hoffnungslosigkeit und Perspektivlosigkeit zu spüren war. Überall, wo ich ankam, war es mehr als augenscheinlich, dass es sehr viele hoch betagte Menschen gab, aber wenig junge Menschen. Die Binnenwanderung von Ost nach West, die nach der Wende unaufhörlich stattgefunden hatte, zeigte dort deutlich ihre Folgen. Zurückgeblieben schienen nur die Menschen, die nicht wegziehen konnten oder nicht die Möglichkeit hatten, wegzuziehen, oder einfach Glück gehabt hatten, dort bleiben zu dürfen, weil sie einen Arbeitsplatz hatten. Die Menschen, denen ich in diesen Tagen begegnete, klagten darüber, dass die ganze Wirtschaft dort nach der Wende ausgenommen und zerstört worden sei. Ich spürte ihre Wut und ihre Verbitterung und ihre Ohnmacht.

Ich erinnere mich an eine abendliche Lesung in einer Kleinstadt. Hoch betagte Menschen trudelten in die städtische Bibliothek ein, legten ihre Jacken ab und nach einem kleinen Plausch mit ihren Bekannten, machten sie sich auf den Holzstühlen zurecht und lauschten meinen Kurzgeschichten. Sie hörten aufmerksam und höflich zu, lachten an den lustigen Stellen und blickten betroffen bei den traurigen Stellen, während ich meine Kurzgeschichten vorlas, die von Migration handelten und natürlich auch von der Geschichte über die Trennung von meinen Eltern erzählten, als ich ein kleines Kind war.

Nach der Lesung folgte das Gespräch mit dem Publikum. An jenem Abend fühlten die alten Menschen und ich uns wohl sehr nah. Obwohl wir uns nicht kannten. Obwohl wir scheinbar aus unterschiedlichen Welten kamen. Ich erzählte von meiner Migrationserfahrung; sie erzählten von ihren Geschichten; sie erzählten von der Auswanderung ihrer Kinder und ihrer Verwandtschaft und Nachbarn. Auswanderung nach Westdeutschland oder gar ganz ins Ausland. Denn zu Hause gab es keine Arbeit. Keine Zukunftsperspektive. Sie nickten wissend und sagten wehmütig: „Wer will denn schon gern freiwillig seine Heimat verlassen?“

René, ein Studienfreund aus den neune Bundesländern, erzählt über den Stellenwert der Familie in der DDR: „Zur DDR-Zeit war für uns immer die Familie das allerwichtigste gewesen. Allen anderen konnte man ja nicht trauen. Ich erkläre mir damit den starken Familienzusammenhalt bei uns zu Hause.“

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36 Kommentare
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  1. Sigi sagt:

    Ich denke wir sind den abendländischen Werten sicherlich verpflichtet, wir sind aber auch anderen Werten verpflichtet, nämlich den Geld-Werten. Geld regiert die Welt und ohne Geld ist man kein Mensch. Will man andere wie Menschen behandeln, braucht man Geld. Folglich hat man eine Verantwortung gegenüber dem Geld. Geld ist eine endliche Ressource, darum ist Menschenliebe auch eine endliche Ressource. Kann eine Menschenliebe, die das Machbare vergisst, eine wirkliche Menschenliebe sein? Hier kommt die „Verantwortung“ ins Spiel. Ist es richtig gegen Pegida zu demonstrieren, aber nicht gegen Billionenschuldenlasten für zukünftige Generationen? Hat es einen Sinn, vom Reichtum dieses Landes zu reden, wenn zukünftige Generationen deutlich weniger Rente haben werden?

    Ich habe noch keinen katholischen Bischof erlebt, der gesagt hätte: „Ihr behandelt die Jugend falsch!“

  2. Tai Fei sagt:

    Sigi sagt: 3. Februar 2015 um 11:31
    …Geld ist eine endliche Ressource, darum ist Menschenliebe auch eine endliche Ressource. Kann eine Menschenliebe, die das Machbare vergisst, eine wirkliche Menschenliebe sein? Hier kommt die “Verantwortung” ins Spiel. Ist es richtig gegen Pegida zu demonstrieren, aber nicht gegen Billionenschuldenlasten für zukünftige Generationen? Hat es einen Sinn, vom Reichtum dieses Landes zu reden, wenn zukünftige Generationen deutlich weniger Rente haben werden?“

    Geld ist keine Ressource, es ist ein Tauschwert und ein ziemlich ideeller noch dazu. Ferner ist Geld ein Nullsummenspiel. Die Schulden des Einen sind IMMER die Guthaben des Anderen und zwar IMMER der aktuellen Generation, weil jede Generation nur das verbrauchen kann, was erzeugt wird. Soziale „Billionenschuldenlasten“ sind daher lediglich ein Verteilungsproblem, das diesen ja private „Billionenguthaben“ gegenüberstehen. Ferner wird die Umlagerente gar nicht über Schulden finanziert, sondern über aktuelle Zahlungen der Rentenversicherungspflichtigen an die Rentenempfänger. Wenn eine Wirtschaft also einem Wachstum unterliegt, kann die Rente einer zukünftigen Generation gar nicht niedriger ausfallen. Da die zukünftigen Rentenempfänger selbstverständlich auch nur das bekommen, was zukünftige Rentenversicherungspflichtige einzahlen, was bei einem Wachstum ja mehr sein sollte.

    Kompletter Unsinn ist es dann noch Nächsten- bzw. „Menschenliebe“ an volkswirtschaftliche Zahlen zu koppeln. Das eine ist ein moralischer Wert, das andere ein wirtschaftlicher. Wir können uns allenfalls fragen, was ist uns unsere Moral wert, in welcher Gesellschaft wollen wir leben und wie soll unser Wirtschaftssystem diese finanzieren. Die Wirtschaft hat der Gesellschaft zu dienen und nicht umgekehrt.

  3. karakal sagt:

    Diese beiden „christlichen“ Werte, nämlich Gott von ganzem Herzen, von ganzer Seele, von ganzem Gemüt und von allen Kräften zu lieben und seinen Nächsten zu lieben wie sich selbst, sind auch Werte der islamischen Religion, was einen nicht nicht verwundern sollte, wenn man bedenkt, daß der Islam der Erbe des Judenchristentums und des messianischen Judentums ist.
    Die Frage ist jedoch, ob und wieweit die heutigen Christen diese beiden Werte verwirklichen. Da drängt sich einem Lessings Ringparabel in „Nathan der Weise“ auf. Wie viele der Christen unter den zig Millionen in Deutschland praktizieren Jesu Anweisungen und in welchem Maß? Betrachtet die Mehrheit der aufgeklärten und säkularisierten Christen diese Werte überhaupt noch als „ihre“ Werte? Wie kann man Gott von ganzem Herzen, von ganzer Seele, von ganzem Gemüt und von allen Kräften lieben, wenn man an seiner Existenz zweifelt? – Man suche nach Muslimen, die an der Existenz Gottes zweifeln. – Wie kann man seinen Nächsten lieben oder zumindest für ihn das Gleiche haben wollen, wie für sich selbst, wie der Prophet des Islams es sagte, wenn man ganz vom Egoismus eingenommen ist und in seinem Mitmenschen nur einen lästigen Konkurrenten oder ein Objekt der Ausbeutung sieht? – Im Ganzen ist den Muslimen die Nächstenliebe nicht so sehr abhanden gekommen wie den abendländischen Kulturchristen.
    Wie läßt sich der Schutz dieser christlich-abendländischen und zugleich islamisch-morgenländischen Werte besser verwirklichen als durch ein bedingungsloses Ja dazu, daß der Islam zu Deutschland gehört?

  4. Sigi sagt:

    @Tei Fei So wie Sie reden, waren Sie ganz bestimmt noch niemals arm. Wer jemals arm war, weiß ganz genau, dass die Welt in erster Linie eine Welt des Geldes ist. Die Basis für das Funktionieren unserer Gesellschaft ist das Kapital, weniger die Moral. Ohne Geld sind keine Renten, keine Kranken, keine Zuwanderer und keine Kinder finanzierbar. Ohne Geld ist der Staat wie ein Mann ohne Hosen, ohne Geld steht selbst der moralischste Ideologe vor verständnislosen Menschen.
    Die Gesellschaft dient in erster Linie der Wirtschaft und nicht umgekehrt. Wer anderes behauptet, ist kein Realist. Ohne Geld ist man subjektiv betrachtet kein Mensch. Darum ist Geld ein „Gut“, das nicht aus dem Fenster geworfen werden darf.

    Geld ist also in Hülle und fülle vorhanden? Billionenschulden müssen nur durch „Enteignung“ getilgt werden oder wie? Wie soll das ohne sozialen Unfrieden funktionieren? Wie soll den das bitte demokratie- und grundgesetzkonform gehen und wie wollen Sie Sachwerte in Geldwerte umwandeln? Sie vergessen, dass Millionärs- und Milliardärsvermögen ja keine Barvermögen sind, sondern Sachwertvermögen, mit denen keineswegs unbeschränkt laufende Kosten beglichen werden können. Was könnte der Fiskus mit 10000 Aldifilialen oder total überbewerteten Facebook-Aktien anfangen?

    Außerdem: Die Schulden des einen sind nicht das Guthaben des anderen. Im Gegenteil: Schulden machen alle, darum gibt es ja Weltwirtschaftskrisen. A leiht bei B, B leiht bei C, C leiht bei D und D leiht F, F leiht bei A. So funktioniert der Großkapitalismus. Wenn C ausfällt, haben alle anderen ein Problem. Das ist aber nicht so schlimm, denn die Staaten bürgen ja und die Notenbanken können ja auch noch Geld drucken. Dieses Geld fließt dann in Form von Kredit in den Finanzmarkt, so dass man problemlos Schulden durch noch mehr Schulden tilgen kann. Leider sinken dann die Zinsgewinne, so dass noch mehr riskant investiert werden muss, was die Blasenbildung noch mehr anheizt. aber kein Grund zur Sorge, man kann ja immer so weiter machen, denn bevor man den Kollaps in Kauf nimmt, verschiebt man die Probleme noch mehr in die Zukunft. Die Enkel werden es schon managen.

    Wenn Sie ehrlich sind, müssten Sie ja zugeben, dass Ihr Vorschlag der Umverteilung derzeit von den Banken umgesetzt wird, nur eben auf eine sehr subtile Weise.

    Mit dem Miniwachstum der Bundesrepublik und der Notenbankinflation wird es nicht gelingen, zukünftige Renten ohne Kürzungen zu finanzieren. Die Rente wird zwangsläufig niedriger ausfallen, weil die Jungbevölkerung pro Generation um ein Drittel abnehmen wird. Selbst wenn die Löhne theoretisch steigen sollten, wird die Last pro Arbeitnehmer immer größer, weil die Zahl der Alten viel zu stark zunimmt und die Vermögen und Ersparnisse dank der Billiggeldpolitik abgewertet werden. Insofern haben die „Schulden“ sehr wohl etwas mit den Renten zu tun. Mit 1, 2 oder sogar 2,5 Prozent Wachstum löst man auf jeden Fall die Probleme in Deutschland nicht.

    Aber das spielt natürlich keine Rolle, denn man kann ja weiterhin indirekt auf die Methode Umverteilung zurückgreifen, indem man leichtfertig Billiggeld zur ‚Hand nimmt, indem man als Staat Schulden über Schulden anhäuft. Seit 2007 waren das 500 Milliarden Schulden, welche die öffentlichen Haushalte zusätzlich angehäuft haben. Prima! Das gibt Zinseszinsen. Ist aber nicht so schlimm, denn man muss ja nur so weitermachen. Silvio Gsells Thesen werden so geradezu auf den Kopf gestellt, denn was nützt der beste Zins, wenn man am Ende nur das Papier in der Hand hält? Am Ende wird der Euro in sich zusammenfallen, weil die künstlich am Leben erhaltenen Wirtschaftskreisläufe in sich zusammenfallen. Wollen wir wetten?

  5. Rudolf Stein sagt:

    „Ist es unser Verdienst und gottgegebenes Recht, dass wir in einem reichen Land wie Deutschland leben? Es ist leider nur einer banalen Laune des Schicksals geschuldet, dass wir in diesem reichen Land geboren wurden, und nicht in einem Gebiet, wo Hunger oder Krieg herrscht.“ Ja, so mag jeder denken, der keinen Bezug zu diesem Land und seiner Geschichte hat. Nein, dass dieses Land so ist, wie es gegenwärtig ist, ist keine laune des Schicksals, sondern das Ergebnis härtester Arbeit meiner Großeltern- und Elterngeneration und nun meiner Generation. Wer hierher kommt, hat nicht die geringste Ahnung, wie es in diesem Land 1945 ausgesehen hat und er hat nicht die geringste Ahnung, welche Mühen und wieviel Hunger (jawohl Hunger!) es gekostet hat, dieses Land wieder aufzubauen. Niemand hatte die Möglichkeit, einfach seine Koffer zu packen und seiner Wege zu gehen und woanders unterzuschlüpfen.

  6. Ute sagt:

    @Rudolf Stein Ja und dass Deutschland vor 1933 ja auch noch ein armes Land war, zumindest für die „normalen“ Leute, sollte schon auch erwähnt werden. Von Wohnungsbädern, Wohnungsklos, Kühlschränken, Autos, Fernsehern und dergleichen konnten da die allermeisten Menschen nur träumen. Aber d a s ist natürlich kein Gegenstand der Beschäftigung mit der Vergangenheit.

  7. Tai Fei sagt:

    Sigi sagt: 3. Februar 2015 um 17:06
    „Die Gesellschaft dient in erster Linie der Wirtschaft und nicht umgekehrt. Wer anderes behauptet, ist kein Realist.“
    Das ist ja richtig, aber genau das ist ja das Problem!

    Sigi sagt: 3. Februar 2015 um 17:06
    „Geld ist also in Hülle und fülle vorhanden? Billionenschulden müssen nur durch “Enteignung” getilgt werden oder wie? Wie soll das ohne sozialen Unfrieden funktionieren? Wie soll den das bitte demokratie- und grundgesetzkonform gehen und wie wollen Sie Sachwerte in Geldwerte umwandeln? Sie vergessen, dass Millionärs- und Milliardärsvermögen ja keine Barvermögen sind, sondern Sachwertvermögen, mit denen keineswegs unbeschränkt laufende Kosten beglichen werden können.“

    Das mit den Sachwerten ist nicht richtig. Allein die Sichtguthaben in DE sind ausreichend um alle Schulden der BRD auf einmal zu begleichen. Die Sachvermögen sind da noch gar nicht mit drin. Im Übrigen sinkt seit Jahren der Wert an Sachvermögen, da die Investitionsrate unter die der Abschreibungen gefallen ist. Ferner geht es gar nicht um „Enteignung“. Das wäre sicher eine Lösung, wenn auch nicht demokratisch legitimiert. Es würde aber schon helfen, wenn man einfach nur wieder die Steuersätze einführen würde, die noch in den 70/80ern Bestand hatten. Das Steueraufkommen aus Kapitalerträgen ist prozentual seit Jahren rückläufig. Der Staat verschenkt hier Milliarden an das Großkapital.

    Sigi sagt: 3. Februar 2015 um 17:06
    „Außerdem: Die Schulden des einen sind nicht das Guthaben des anderen. Im Gegenteil: Schulden machen alle, darum gibt es ja Weltwirtschaftskrisen. A leiht bei B, B leiht bei C, C leiht bei D und D leiht F, F leiht bei A. So funktioniert der Großkapitalismus. Wenn C ausfällt, haben alle anderen ein Problem. Das ist aber nicht so schlimm, denn die Staaten bürgen ja und die Notenbanken können ja auch noch Geld drucken. Dieses Geld fließt dann in Form von Kredit in den Finanzmarkt, so dass man problemlos Schulden durch noch mehr Schulden tilgen kann.“

    Hübsch ausformuliert, widerspricht jedoch ihrer Anfangsthese: Sigi sagt:3. Februar 2015 um 11:31 „…Geld ist eine endliche Ressource…“ Sie haben hier aber nur teilweise recht, da Sie ja NUR ein Teil des Finanzmarkts betrachten. Die Realwirtschaft erzeugt ja durchaus auch reale Werte und Vermögen sind somit auch tatsächlich da. Tatsächlich sind die auch nicht zu knapp. Die Gesamtwirtschaftsleistung eines Jahres in den 1950ern wird heute in einem Bruchteil der Teil erzeugt. Im Übrigen kann man Staatsschulden nicht einfach mit Bankschulden gleichsetzen. Staatsschulden fallen eher in den Bereich von Investitionen. Selbst Sozialausgaben sind Investitionen in die Kaufkraft. Das Problem der Staaten liegt doch eher darin begründet, dass, wie Sie schon richtig erwähnen, Verluste verstaatlicht werden, werden Gewinne privatisiert werden.

    Sigi sagt: 3. Februar 2015 um 17:06
    „Wenn Sie ehrlich sind, müssten Sie ja zugeben, dass Ihr Vorschlag der Umverteilung derzeit von den Banken umgesetzt wird, nur eben auf eine sehr subtile Weise.“

    Ne, die Umsetzung verläuft ja in entgegen gesetzter Richtung. Das ist gerade NICHT mein Vorschlag.

    Sigi sagt: 3. Februar 2015 um 17:06
    „Mit dem Miniwachstum der Bundesrepublik und der Notenbankinflation wird es nicht gelingen, zukünftige Renten ohne Kürzungen zu finanzieren. Die Rente wird zwangsläufig niedriger ausfallen, weil die Jungbevölkerung pro Generation um ein Drittel abnehmen wird. Selbst wenn die Löhne theoretisch steigen sollten, wird die Last pro Arbeitnehmer immer größer, weil die Zahl der Alten viel zu stark zunimmt und die Vermögen und Ersparnisse dank der Billiggeldpolitik abgewertet werden. Insofern haben die “Schulden” sehr wohl etwas mit den Renten zu tun. Mit 1, 2 oder sogar 2,5 Prozent Wachstum löst man auf jeden Fall die Probleme in Deutschland nicht.“

    Mal davon abgesehen, dass wir gar keine Inflation haben sondern eher an einer Deflation gerade so vorbei schrammen, unterliegt Ihre Annahme hier einem falschen Ansatz. Sie müssen zuerst mal unterscheiden zwischen einer Umlagerente und einer kapitalgedeckten Rente. Die kapitalgedeckte Rente (siehe Riester) hat bei Minizinsen tatsächlich ein Problem, steht aber grundsätzlich vor dem Problem, dass zukünftige Aussagen zum Kapitalmarkt eher einem Glücksspiel gleichen. Die umlagefinanzierte Rente funktioniert aber gar nicht nach diesem Prinzip. Die Umlagerente gibt i.d.R. (Versicherungsfremde Leistungen klammere ich da mal aus) nur das aus, was sie einnimmt. Die jetzige Generation erwirtschaftet durch Ihre Beiträge Einnahmen, die an die Rentner ausgezahlt werden. Hier wird gar nicht auf zukünftige Generationen verteilt und diese werden auch nicht mehr belastet. Das die Zahl der Rentenempfänger zunimmt und die der Rentenzahler abnimmt ist kein neues Phänomen. Das passiert SEIT Einführung der Rente unter Bismark. Sie unterschlagen bei dieser Aussage ja den techn. Fortschritt. Heute sind viel weniger Einzahler nötig um die Renten zu erwirtschaften. Die Produktivität nimmt progressiv zu. Selbst ein Miniwachstum von 0,5% erzeugt heute mehr Werte als ein Wachstum von 5% in den 1950ern. Somit fallen zukünftige Renten auch nur dann niedriger aus, wenn die Wirtschaft in eine Rezession rutscht, was wiederum passieren kann, wenn die Massenkaufkraft abnimmt. Das ist z.Z. das Problem von DE. Der Einzelhandelsindex stagiert seit 1994. Die dt. Wirtschaft rettet sich insgesamt nur durch ihre Exporte.

    Sigi sagt: 3. Februar 2015 um 17:06
    „Aber das spielt natürlich keine Rolle, denn man kann ja weiterhin indirekt auf die Methode Umverteilung zurückgreifen, indem man leichtfertig Billiggeld zur ‘Hand nimmt, indem man als Staat Schulden über Schulden anhäuft. Seit 2007 waren das 500 Milliarden Schulden, welche die öffentlichen Haushalte zusätzlich angehäuft haben.“

    Nur fragen Sie hier gar nicht, wieso die zusätzlich Schulden zusammengekommen sind? Mit den öffentlichen Geldern wurden die Verluste der Banken aufgefangen, sprich deren Fehlinvestitionen. Die Umverteilung, die zurzeit stattfindet, läuft doch in die Falsche Richtung. Genau das ist unser Problem.

  8. Sigi sagt:

    @Tei Fei Das ist alles falsch. Sie haben die Funktionsweise unseres Geldsystems nicht verstanden. Jede Form der Geldvermehrung läuft auf eine schleichende Enteignung heraus. Das reduziert den Wert der Schulden, trifft aber logischerweise auch zukünftige Renten. Weil der Staat Interesse an der Entwertung seiner Schulden hat, begrüßt er es, dass zukünftige Renten abgewertet werden, was ja eine Entlastung des Fiskus und der Sozialsysteme bedeutet. Schulden und Renten stehen so in einem indirekten, aber eindeutigen Zusammenhang. Ein Staat ohne Schulden kann kein Interesse an einer Abwertung haben. Er würde sofort intervenieren. Der größte Banker ist der Staat selbst, darum sollte Bankenkritik erst einmal beim Staat ansetzen.

    Wenn Sie behaupten, dass viel weniger Einzahler für zukünftige Renten nötig sind, dann widerspricht diese Meinung dem Grundkonsens in der Wissenschaft. Deutschland braucht dringend mehr Einzahler (Hans Werner Sinn). Mehr Rentner bedeuten mehr Lasten pro Kopf, weniger junge Leute bedeuten doppelte Last pro Kopf. Alles klar? Sie vergessen, dass es in den 50er Jahren sehr viel weniger Rentner gab als heute. Folglich blieb auch mehr übrig. Und die Renten waren auch geringer.

    Eine Geldentwertung trifft immer die zukünftigen Generationen und eine verfehlte Bevölkerungspolitik trifft sie auch. Das ist doch eine Binsenweisheit.

    Nur wenige Superreiche dürften Milliarden bar auf dem Konto haben. Das Geld ist angelegt, damit es wirtschaftet. Es ist Teil des Wirtschaftskreislaufes. Würde man das enteignen, würden Wirtschaftskreisläufe erlahmen und Leute auf der Straße stehen. Die privaten Sichteinlagen betragen 1 Billionen Euro, das sind 12500 Euro, keine weltbewegende Summe. Das ist viel zu wenig um die derzeitigen Schuldenberge zu begleichen, denn Sie beziehen ja die
    P r i v a t s c h u l d e n nicht mit ein (35000 Euro pro Kopf), die ja auch bedient werden müssen. All das ist auch nicht wünschenswert, weil ohne Ersparnisse weniger Autos gekauft würden, weniger Häuser gerichtet werden würden usw. Kreditausfälle würden sich fatal auswirken.
    Die „Realwirtschaft“ existiert in vielen Ländern so gut wie gar nicht mehr, sonst hätten wir ja nicht derartige Probleme. Deutschland exportiert in Pleiteländern, um diesen Ländern noch Kredit dafür zu geben, damit sie bei uns einkaufen können. Das zeigt doch schon, wie krank unsere Ökonomie ist.

    Ein Wachstum von 0,5% bringt uns rein gar nichts, das ist einfach schlecht gerechnet. Die schönste Produktivität bringt null, wenn sie nicht in reale Wohlstandssteigerung umgewandelt wird. Spanien war vor Kurzem auch Wachstumskönig, na toll!
    Die echten Pleitebanken in Deutschland sind überwiegend staatliche. Gezockt hat vor allem die öffentliche Hand. Schulden haben wir wegen eines total aufgeblähten Sozialstaats, wegen der falsch organisierten Wiedervereinigung, wegen einer falschen EU Politik und einer fehl geleiteten Mentalität der Wähler. Schulden hatten wir schon vor 2007. Das sollte nicht vergessen werden. Kommunen, die pleite sind, sind meistens solche, die über ihre Verhältnisse gelebt haben. Hier ist NRW vorne dran.

  9. Tai Fei sagt:

    Sigi sagt: 4. Februar 2015 um 11:32
    „Jede Form der Geldvermehrung läuft auf eine schleichende Enteignung heraus. Das reduziert den Wert der Schulden, trifft aber logischerweise auch zukünftige Renten. Weil der Staat Interesse an der Entwertung seiner Schulden hat, begrüßt er es, dass zukünftige Renten abgewertet werden, was ja eine Entlastung des Fiskus und der Sozialsysteme bedeutet. Schulden und Renten stehen so in einem indirekten, aber eindeutigen Zusammenhang. Ein Staat ohne Schulden kann kein Interesse an einer Abwertung haben. Er würde sofort intervenieren. Der größte Banker ist der Staat selbst, darum sollte Bankenkritik erst einmal beim Staat ansetzen.“

    Sie werfen hier einfach Buchgeld und Basisgeld zusammen. Schulden vermehren zwar das Buchgeld, sind Schulden aber zurückgezahlt ist dieses wieder verschwunden. Platzt der Kredit ist das Geld auch weg. Die Geldmenge ist davon nicht betroffen. Es stimmt zwar das über den Zins eine gewisse Entwertung stattfindet. Sofern der Kredit jedoch als Investition gedacht war, findet hier ja auch ein Mehrwert in der Realität statt. Selbst ein reiner Konsumkredit, trägt zum Wirtschaftswachstum und damit zur Steigerung des realen Mehrwerts bei.

    Der dt. Staat zahlt im Übrigen nicht die Rente. Die Rente wird von der Rentenversicherung bezahlt. Die Verschuldung des Staates hat also mit der Rentenversicherung formal nichts zu tun. Wenn Geld entwertet wird, steigen i.d.R. die Löhne, damit auch die Rentenbeiträge und damit auch die Renten. Damit hat auch die Entwertung des Geldes nichts mit der Rente zu tun, sofern (hier der große Einwand) Renten im Umlageverfahren ausgezahlt werden. Kapitalgedeckte Renten, wie bei privaten Versicherungen üblich, haben hier die A-Karte gezogen. Im Übrigen ist der Staat keineswegs der größte Banker. Alle wesentlichen Zentralbanken der Welt sind NICHT staatlich

    Sigi sagt: 4. Februar 2015 um 11:32
    „Wenn Sie behaupten, dass viel weniger Einzahler für zukünftige Renten nötig sind, dann widerspricht diese Meinung dem Grundkonsens in der Wissenschaft. Deutschland braucht dringend mehr Einzahler (Hans Werner Sinn).“

    Hans Werner Sinns Meinung ist aber nicht DER Grundkonsens, auch wenn das gerne so vermittelt wird. Dass dieser „Experte“ ein volkswirtschaftlicher Volldepp ist, wurde schon mehrfach bewiesen. Vielleicht sollten Sie sich mal eher an Flassbeck oder auch Bofinger orientieren.

    Sigi sagt: 4. Februar 2015 um 11:32
    „Mehr Rentner bedeuten mehr Lasten pro Kopf, weniger junge Leute bedeuten doppelte Last pro Kopf. Alles klar? Sie vergessen, dass es in den 50er Jahren sehr viel weniger Rentner gab als heute. Folglich blieb auch mehr übrig. Und die Renten waren auch geringer.“

    Weniger junge Leute (Menge X) bedeuten also die doppelte Last, die Formel möchte ich mal sehen. Sie vergessen bei Ihrer Milchmädchenrechnung jedoch die Arbeitsproduktivität. Es gab in den 50ern wirklich weniger Rentner und die Renten waren auch niedriger. Deutschland hatte aber gerade ein Krieg verloren und die Wirtschaft musste erst wieder aufgebaut werden. Die Arbeitsproduktivität hatte nur einen Bruchteil der heutigen. Alles klar?

    Sigi sagt: 4. Februar 2015 um 11:32
    „Eine Geldentwertung trifft immer die zukünftigen Generationen und eine verfehlte Bevölkerungspolitik trifft sie auch. Das ist doch eine Binsenweisheit.“

    Die Geldentwertung spielt keine Rolle, wenn Löhne und Gehälter mitziehen. Die Steigerung der Arbeitsproduktivität wirkt der Entwertung entgegen, da diese die Lohn-Stück-Kosten senkt. Die Geldentwertung wird nur zu einem Problem, wenn sie in eine Inflation ausufert. Im Moment passiert aber gerade das Gegenteil. Die Inflationsrate sinkt.

    Sigi sagt: 4. Februar 2015 um 11:32
    „Nur wenige Superreiche dürften Milliarden bar auf dem Konto haben. Das Geld ist angelegt, damit es wirtschaftet. Es ist Teil des Wirtschaftskreislaufes. Würde man das enteignen, würden Wirtschaftskreisläufe erlahmen und Leute auf der Straße stehen. Die privaten Sichteinlagen betragen 1 Billionen Euro, das sind 12500 Euro, keine weltbewegende Summe. Das ist viel zu wenig um die derzeitigen Schuldenberge zu begleichen, denn Sie beziehen ja die P r i v a t s c h u l d e n nicht mit ein (35000 Euro pro Kopf), die ja auch bedient werden müssen. All das ist auch nicht wünschenswert, weil ohne Ersparnisse weniger Autos gekauft würden, weniger Häuser gerichtet werden würden usw. Kreditausfälle würden sich fatal auswirken.“

    Sie haben das Wesen unserer Wirtschaftsgesellschaft noch nicht verstanden. Unsere Gesellschaft benötigt den Verbrauch/Konsum. Natürlich sind viele Gelder fest angelegt, ein immer größere Summe ist jedoch frei verfügbar und sucht nach Anlagemöglichkeiten, daraus entwickeln sich ja die ständigen Blasen. Die meisten Autos und Häuser werden auch nicht über Guthaben gekauft sondern über Kredite finanziert. Das ist ja das WESEN des Finanzkapitalismus. Ferner stehen den Staatsschulden immer größere Vermögen gegenüber, nur ein kleiner Teil ist da fest investiert, was sich dadurch nachweisen lässt das die Investitionsquote (selbst die rein private) seit Jahren rückläufig ist.
    Hier mal ein kleiner Abgleich zum Thema Staatsschulden und Privatvermögen.
    http://www.nachdenkseiten.de/upload/pdf/090330_staatsverschuldung_praesentation.pdf
    http://www.nachdenkseiten.de/upload/pdf/120710_troost_staatsverschuldung.pdf
    http://www.nachdenkseiten.de/wp-print.php?p=5967

    Sigi sagt: 4. Februar 2015 um 11:32
    „Die “Realwirtschaft” existiert in vielen Ländern so gut wie gar nicht mehr, sonst hätten wir ja nicht derartige Probleme. Deutschland exportiert in Pleiteländern, um diesen Ländern noch Kredit dafür zu geben, damit sie bei uns einkaufen können. Das zeigt doch schon, wie krank unsere Ökonomie ist.“

    Ach nee, Ihr Herr Sinn ist doch ein Verfechter unserer Exportweltmeisterei. Wie kommt es, dass Sie das auf einmal kritisch sehen? Im übrigen Haben auch die „Pleiteländer“ eine Realwirtschaft. Nur kann die mit unserem Lohndumping nicht mithalten. Wir haben in EU den größten Niedriglohnsektor. Die Löhne stagnieren seit über 10 Jahren, der Einzelhandelsindex in DE seit 20 Jahren. Natürlich ist unsere (DE) Ökonomie krank, weil sie komplett Exportorientiert ist. Selbst die Chinesen sind inzwischen zu der Erkenntnis gekommen, das der Binnenmarkt gefördert werden muss, während wir jedes Jahr unseren Exportweltmeistertitel feiern.

    Sigi sagt: 4. Februar 2015 um 11:32
    „Ein Wachstum von 0,5% bringt uns rein gar nichts, das ist einfach schlecht gerechnet. Die schönste Produktivität bringt null, wenn sie nicht in reale Wohlstandssteigerung umgewandelt wird.“
    Das stimmt sogar. Die Schere zwischen Reich und Arm spreizt in DE immer mehr auseinander, weil eben eine Umverteilung von unten nach oben stattfindet.

    Sigi sagt: 4. Februar 2015 um 11:32
    „Die echten Pleitebanken in Deutschland sind überwiegend staatliche. Gezockt hat vor allem die öffentliche Hand. Schulden haben wir wegen eines total aufgeblähten Sozialstaats, wegen der falsch organisierten Wiedervereinigung, wegen einer falschen EU Politik und einer fehl geleiteten Mentalität der Wähler. Schulden hatten wir schon vor 2007. Das sollte nicht vergessen werden. Kommunen, die pleite sind, sind meistens solche, die über ihre Verhältnisse gelebt haben. Hier ist NRW vorne dran.“

    Die echten Pleitebanken sind eben nicht staatlich. Die waren das mal, die Landesbanken tragen das nur noch im Namen ansonsten arbeiten sie rein privatwirtschaftlich. Die Commerzbank musste überhaupt erst verstaatlicht werden, um sie zu retten, ebenso die HRE. Ferner sind die Ausgaben des Sozialstaates prozentual zum BIP gar nicht so stark gestiegen. Von aufgebläht kann keine Rede sein. Tatsächlich sind inzwischen viele staatlichen Betriebe und Einrichtungen sogar privatisiert worden. Unser Staat ist also schon seit Jahren „schlanker“ denn je. Es ist auch nicht richtig, hier bestimmten Kommunen den schwarzen Peter allein zu zuschieben. Durch die H4-„Reform“ wurden den Kommunen zusätzliche Kosten aufgebrummt, für die es keinen Ausgleich gab.

  10. nanni60 sagt:

    Tai Fei sagt, hier in diesem Land wäre ein Billionenvermögen vorhanden. Ja, mag stimmen. Dazu zählen aber auch „Vermögen“, für die Menschen wie mein Mann und ich ein Leben lang geschuftet und gespart haben. Ich kann nur von mir reden, und ehrlich, ich würde von diesem „Vermögen“ keinen Cent abgeben. Denn keiner kann mir dann das Leben zurückgeben, das ich dafür aufgewendet hab. Wenn, dann soll einzig und allein meine Familie davon profitieren. Ich bin mir sicher, sollten Sie auch „Vermögen“ haben, dass Sie das nicht teilen würden. Ich spende, was ich ohne Not entbehren kann und das muss reichen. Und wenn man wirklich „Vermögende“ wie die Gebrüder Albrecht (Aldi), z.B., dazu herziehen will, aus welchem Grund denn? Auch die waren mal arm, waren fleißig und sparsam, sehr, sehr sparsam und haben mit guten, eigenen Ideen ihr Imperium aufgebaut. Das ist wie der Vergleich mit den Talenten, oder? Der eine vergräbt sie, der andere benutzt sie nur und wiederum der andere vermehrt sie. Jesus hat aber den, der sie vermehrt, nicht verdammt, oder ich hab da was falsch verstanden.
    Immer diese Verteileritis.


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