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Muslime sollen sich schon wieder distanzieren

Sachsens Ministerpräsident Stanislaw Tillich (CDU) fordert islamische Religionsgemeinschaften dazu auf, sich klar vom Terror zu distanzieren. Die Angst der Menschen vor dem Islam könnten die Muslime nehmen, wenn sie formulierten, dass es sich bei den Terrorakten um einen Missbrauch ihrer Religion handele. „Das wäre ein überzeugender Beitrag, die Ängste in diesem Land zu reduzieren“, so der Ministerpräsident in einem Interview mit Welt am Sonntag.

Für den religionspolitischen Sprecher der Grünen, Volker Beck, sind Forderungen dieser Art inzwischen nicht mehr nachvollziehbar. Damit „muss Schluss sein“, erklärte Beck und verwies auf die große Mahnwache vor dem Brandenburger Tor Mitte Januar. Die größten islamischen Religionsgemeinschaften hatten Gewalt und Terror im Namen ihres Glaubens verurteilt. An der Kundgebung hatten auch Bundespräsident Joachim Gauck und Bundeskanzlerin Angela Merkel teilgenommen. „Diese Erklärung immer und immer wieder von ihnen zu verlangen, hat etwas Demütigendes“, so der Grünen Politiker.

Tillich erklärte zudem, der Islam gehöre nicht zu Deutschland. Muslime seien willkommen und könnten ihre Religion frei ausüben, das bedeute aber nicht, „dass der Islam zu Sachsen gehört“, sagte Tillich in einem Interview mit Welt am Sonntag. Damit widersprach er der Aussage von Bundeskanzlerin Angela Merkel und provozierte Reaktionen.

Die kamen unter anderem vom Vorsitzenden der Grünen-Landtagsfraktion, Volkmar Zschocke. Tillichs Aussage sei so unnötig wie durchsichtig, betonte der Grünen-Politik und verwies auf die kleine Zahl der in Sachsen lebenden Muslime. Für Rico Gebhardt (Die Linke) hingegen spielt nicht einmal die Zahl eine Rolle: „Wo es Muslime gibt, gibt es Islam – auch in Sachsen“. Wer etwas anderes behaupte, bediene die Feinde einer offenen Gesellschaft.

Auch Beck sieht in den Äußerungen Tillichs keinen konstruktiven Beitrag. „Die sophistische Debatte, ob der Islam oder die Muslima und Muslime zu Deutschland oder der Koran in den Bücherschrank gehören, hat nur eine Botschaft: Wir wollen Euch nicht, das bringt uns keinen Schritt weiter“, erklärte Beck. Der Grünen-Politiker warb für einen offenen zivilgesellschaftlichen Dialog zwischen Kirchengemeinden und Moscheegemeinden nach dem Vorbild des christlich-jüdischen Dialoges. (eb)