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Nur jeder Vierte demonstriert wegen „Islamisierung“

Der typische „Pegida“-Demonstrant entstammt einer Studie zufolge der Mittelschicht, ist 48 Jahre alt, männlich, gut ausgebildet und berufstätig. Außerdem verfüge er über ein für sächsische Verhältnisse leicht überdurchschnittliches Nettoeinkommen. Zudem geht der Studie zufolge nur jeder Vierte wegen dem „Islam, Islamismus oder Islamisierung“ auf die Straße.

Vielmehr sei das Hauptmotiv für die Teilnahme an „Pegida“-Demonstrationen eine generelle „Unzufriedenheit mit der Politik“. An zweiter Stelle wird die Kritik an Medien und Öffentlichkeit genannt. An dritter Stelle folgen grundlegende Ressentiments gegenüber Zuwanderern und Asylbewerbern, dabei seien Vorbehalte gegen Muslime und den Islam besonders ausgeprägt, hieß es.

Kritik an der Studie
Die von einem Team um den Politikwissenschaftler Hans Vorländer erstellte Studie basiert auf der Befragung von rund 400 Demonstrationsteilnehmern auf drei Kundgebungen der Initiative „Patriotische Europäer gegen die Islamisierung des Abendlandes“. Die Befragungen wurden am 22. Dezember 2014 sowie am 5. und 12. Januar 2015 gemacht und Mitte vergangener Woche in Dresden vorgestellt.

Allerdings gerät die Studie immer mehr in die Kritik. Wie die Forscher selbst einräumen, haben etwa 65 Prozent der ursprünglich angesprochenen Teilnehmer eine Befragung abgelehnt. Stefan Niggemeier etwa vermutet, „dass zum Beispiel gerade Pegida-Teilnehmer mit extremeren Meinungen sich weigern, Auskunft zu geben“. Das bestätigte auch der Geschäftsführer des Forsa-Instituts Manfred Güllner In Die Welt sagt Güllner, es sei bekannt, dass Rechtsradikale sich „meistens nicht befragen lassen“.

Forscher wehren sich
Bemängelt wird zudem, dass die Forscher den Eindruck erweckt hätten, die Studie sei repräsentativ. Doch Hans Vorländer verteidigt die Ergebnisse seiner Untersuchung gegen Kritik. „Ich habe nicht behauptet, dass die Erhebung repräsentativ im strengen Sinne des Wortes ist“, sagte der Dresdner Politikprofessor am Donnerstag dem Evangelischen Pressedienst. Gleichwohl lasse die Zufallsauswahl der Befragten „einen validen Blick auf die soziodemografische Zusammensetzung und die Motivationen“ der „Pegida“-Anhänger zu.

Laut Vorländer ist ein hoher Anteil von Antwort-Verweigerern bei allen Erhebungen üblich. Bei telefonischen Umfragen etwa gebe es nur eine Beteiligung von 20 Prozent. Mit einer Erfolgsquote von 35 Prozent unter etwa 1.200 angesprochenen Personen liege die Ablehnungsquote „im erfahrungsgemäß zu erwartenden Bereich der empirischen Sozialforschung, vor allem unter den besonderen Bedingungen einer Demonstrationsversammlung“.

Vorländer betonte, dass seine Interviewer explizit darauf hingewiesen hätten, dass sie keine Medienvertreter seien. „Das erste, was die ‚Pegida‘-Anhänger wissen wollten, war, ob wir Journalisten sind. Erst als wir das verneint haben, wollten sie mit uns reden.“ Es gebe keine Anhaltspunkte dafür, dass diejenigen, die sich nicht beteiligt haben, andere Meinungen vertreten als die Umfrageteilnehmer. (epd/mig)