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Ludwig Kattenstroth, Staatssekretär im Arbeitsministerium, März 1966, Bundesvereinigung der Dt. Arbeitgeberverbände

Satire

Mohammed-Karikatur auf dem Titel der neuen „Charlie Hebdo“

Die neue Ausgabe des französischen Satiremagazins „Charlie Hebdo“ erscheint mit einer Mohammed-Karikatur. Erstmals soll die Zeitschrift in einer Millionenauflage erscheinen. Religionssoziologe reagiert gelassen: Muslime ertragen Satire.

Eine Woche nach dem Anschlag auf die Redaktion erscheint die französische Satirezeitschrift Charlie Hebdo am Mittwoch mit einer Mohammed-Karikatur auf der Titelseite. Bevor das Blatt mit drei Millionen Exemplaren in die Kioske kommt, war die erste Seite am Dienstag vorab in der Tageszeitung Libération zu sehen.

Der Titel zeigt auf grünem Hintergrund den Propheten Mohammed mit heruntergezogenen Mundwinkeln und einer Träne im Auge. Er hält ein Blatt mit der Aufschrift „Ich bin Charlie“ in der Hand – dem Slogan der Solidaritätsbewegung mit den Opfern der Anschläge. Über der von dem Zeichner Luz stammenden Karikatur steht: „Alles ist vergeben“.

Trotz des Tods von zehn Journalisten und Zeichnern, die bei dem Angriff am vergangenen Mittwoch starben, setzt die Redaktion auf Humor. „Wir wollten nicht noch mehr Pathos“, sagte Chefredakteur Gérard Briard im Radiosender France Info. Am Mittwoch soll das Blatt in der Rekord-Auflage von drei Millionen Stück in 25 Ländern und 16 Sprachen erscheinen. Ursprünglich waren eine Million Hefte geplant gewesen. Zeitungshändler berichten bereits von langen Wartelisten für die neue Ausgabe, die wegen der tragischen Ereignisse nur einen Umfang von acht Seiten haben soll.

Die Zeitung hatte bereits mehrmals Karikaturen des Propheten Mohammed veröffentlicht. „Wir haben den Propheten gerächt“, riefen die mutmaßlichen Attentäter, die Brüder Said und Chérif Kouachi, nach ihrer Tat. Die Redaktion von Charlie Hebdo arbeitet seither in den Räumen von Libération. „Wir werden nicht zurückweichen, sonst hätte das alles keinen Sinn gehabt“, sagte der Anwalt von Charlie Hebdo, Richard Malka, am Montag auf France Info.

Religionssoziologe: Muslime ertragen Satire

Satire darf nach Meinung des muslimischen Religionssoziologen Rauf Ceylan auch religiöse Themen aufgreifen. „Der große Teil der Muslime in der Welt erträgt Satire und hält sie aus“, sagte er der Braunschweiger Zeitung. „Ansonsten würden wir in Deutschland nicht von etwa 200 gewaltbereiten Islamisten sprechen, sondern von Millionen.“

Allerdings sollten die Karikaturen daraufhin überprüft werden, ob sie zu Rassismus oder Hass anstachelten, forderte der Osnabrücker Wissenschaftler. Es müssten Gespräche darüber möglich sein, ob bei den Karikaturen Grenzen überschritten werden. „Islamkritik darf nicht dazu führen, dass in Deutschland islamophobe Tendenzen verstärkt werden.“

Am Sonntag waren in Paris mehr als 1,5 Millionen Menschen im Gedenken an die Opfer und für die Pressefreiheit auf die Straße gegangen. Neben den zehn Journalisten von Charlie Hebdo waren bei der Anschlagsserie in der vergangenen Woche drei Polizisten und vier jüdische Geiseln in einem Supermarkt getötet worden. Die Polizei erschoss die mutmaßlichen Attentäter, die Brüder Kouachi und ihren mutmaßlichen Komplizen Amedy Coulibaly. (epd/mig)

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5 Kommentare
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  1. karakal sagt:

    Eigentlich müßten die Muslime der göttlichen Vorsehung dankbar sein, daß es keine authentische Abbildung des Propheten Muhammad – Friede sei auf ihm – gibt, die man karikieren könnte, so wie bei jeder anderen Karikatur wesentliche Merkmale, inbesondere die Gesichtszüge, erhalten bleiben, jedoch verzerrt wiedergegeben werden. So können die Muslime bei all diesen Karikaturen letztlich sagen: Das ist nicht unser Prophet, sondern irgendein arabisch aussehender Mann. Selbst die Kleidung der karikierten Gestalt ist nicht authentisch, da die Araber damals noch nicht knöchellange Hemden trugen, sondern meist ein langes Lendentuch und über dem Oberkörper ein anderes nicht zugeschneidertes Tuch.
    Schwerwiegender als die Karikaturen in Zeichnungen sind jedoch Schmähungen in Worten, wie die lügenhaften Behauptungen, der Gesandte Gottes sei pädophil oder „sexuell verwahrlost“, geisteskrank, machtbesessen oder dergleichen gewesen. Da der Mensch jedoch eher von Bildern als von Worten angesprochen wird, lösen die Karikaturen bei den Muslimen meist größere Empörung aus als niedergeschriebene oder gesprochene Worte.
    Harmlose oder die Wahrheit treffende Satire ist eines, lügenhafte Entstellung, wie es der Däne Westergaard mit seiner (angeblichen) Darstellung des Propheten der Barmherzigkeit als Terroristen getan hat, etwas anderes. Wenn Prof. Ceylan davon spricht, Muslime könnten Satire vertragen, dann scheint er damit wohl die erstgenannte Art zu meinen. Und was heißt „vertragen“? – Oder meint er damit schmerzvoll ertragen, standhaft über sich ergehen lassen, da auf dem Rechtsweg nichts zu erreichen ist und Gewaltanwendung unzulässig und zudem kontraproduktiv?
    Einige törichte Nichtmuslime fordern sogar, die Muslime sollten bei all diesen Schmähungen dessen, was ihnen heilig ist, mitlachen. Die Liebe zum Propheten der Wahrheit ist bei den Muslimen jedoch zu groß und zu fest verankert, als daß sie sie ablegen und ihn zum Gegenstand des Spottes nehmen könnten. In diesem Sinne ist ein Beitrag unter dem Titel „Der Islam und der Prophet des Islam sind meine Ehre und meine Würde“ auf der Website „Unser Islam“ (http://unserislam.wordpress.com/2015/01/12/der-islam-und-der-prophet-des-islam-sind-meine-ehre-und-meine-wurde), wonach sich jeder (wirkliche) Muslim mit dem Propheten identifiziert, und somit jede Schmähung der historischen Gestalt Muhammads – Friede sei auf ihm – einer persönlichen Beleidigung eines jeden der eineinhalb Milliarden Muslime auf der Erde gleichzusetzen ist.
    Solange die nichtmuslimischen Abendländer nicht begreifen – können oder wollen –, daß es kein Recht auf Massenbeleidigung der Angehörigen einer Weltreligion gibt, wird es auch kein friedliches Zusammenleben geben.

  2. Poser sagt:

    Karakal scheint nicht auf die Idee zu kommen, dass die Meinung die er und ein paar andere Muslime gegenüber Mohammed vertreten nicht die Meinung anderer sein muß. Die von Ihnen genannte Vorwürfe gegenüber Mohammed sind nicht frei erfunden, sondern kann man aus heutiger moderner Sicht durchaus so sehen, wenn man den Koran liest. Der Koran und dessen Interpretation gehört nun mal nicht den Muslimen.

    Wenn Sie sich verletzt fühlen, dann karikieren Sie doch Charlie Hebdo oder unsere freiheitlichen Werte.

    Übrigens waren es Muslime die die Mohammed-Karikaturen erst berühmt gemacht haben. Diese hätten nämlich genau so gut in die Bedeutungslosigkeit verschwinden können, wenn sich nicht alle so unnötig darüber aufgeregt hätten. Aber vllt wollte man sich auch daran aufhängen?

    Ihren letzten Satz muss man wohl als Drohung interpretieren.

  3. Poser sagt:

    Schlussendlich müssen unsere freiheitliche Werte in Europa nicht jedem gefallen. Wenn jemand hier lebt und ein Problem damit hat, dann hat er halt ein Problem, aber es wird sich keiner seinen Forderungen oder seinem Weltbild beugen oder entgegenkommen. Den Feinden unserer Freiheit soll es natürlich möglichst ungemütlich hier gemacht werden und man sollte bloss nicht auf Kuschelkurs gehen.

  4. openyourmind sagt:

    @Karakal:
    „Solange die nichtmuslimischen Abendländer nicht begreifen – können oder wollen –, daß es kein Recht auf Massenbeleidigung der Angehörigen einer Weltreligion gibt, wird es auch kein friedliches Zusammenleben geben.“

    Hier geht es überhaupt nicht um nicht um einen Konflikt zwischen „Abendland“ und „Morgenland“. Die christlichen Kirchen mussten in den letzten Jahrzehnten einiges mehr über sich ergehen lassen, was man viel eher als Herabwürdigung betrachten könnte. Ich denke da beispielsweise an den gekreuzigten Frosch von Martin Kippenberger:

    http://www.sueddeutsche.de/kultur/das-kreuz-mit-dem-kippenberger-frosch-haengt-ihn-hoeher-1.577417

    Da ist das aktuelle Titelblatt von „Charlie Hebdo“, welches Mohammed mit Träne und den Zusatz „Es ist alles vergeben“ abbildet, im Vergleich dazu sehr sympathisch, höchst versöhnlich und alles andere als eine Schmähung oder Massenbeleidigung von Moslems.

  5. deutscher staatsbürger sagt:

    Natürlich ist jeder frei seine eigene Meinung zu äußern. Egal ob man sich mit einem bestimmten Thema auskennt oder nicht, so wie nach dem Motto, bilde dir deine Meinung.

    Meiner Meinung nach schreibt hier im Forum ein Poser, der weder arabisch spricht noch arabisch schreibt. Aber dennoch sich das Recht einräumt, den Islam und die Muslime zu definieren.

    Auch scheint dieser Poser nicht auf die Idee zu kommen, dass seine angebliche heutige moderne Sicht uns nicht den Weltfrieden bringt. Meiner Meinung nach hat dieser Poser überhaupt keine Ahnung von dem was er schreibt, aber dennoch ist er frei zu schreiben.

    Die schreckliche Tat von Terroristen, die Menschen getötet haben, werden von islamhassenden Menschen für ihre Zwecke missbraucht. Ich sehe, dass der Hass gegen Muslime geschürt wird. Ja, jeder der einen Mund hat redet. Niemand sieht die zig Millionen Muslime, die in den letzten Jahrzehnten, durch Krieg und Terror getötet sind. Aber Hauptsache die Islamhasser sind frei die Muslime weiterhin einseitig zu beleidigen.



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