MiGAZIN

Migration und Integration in Deutschland

Das Beitragsaufkommen [in den Rentenversicherungen beträgt] auf Grund der Beschäftigung der ausländischen Arbeitnehmer jährlich rd. 1,2 Milliarden DM, während sich die Rentenzahlungen an ausländische Arbeitnehmer jährlich auf rd. 127 Millionen DM, also etwa ein Zehntel, belaufen.

Ludwig Kattenstroth, Staatssekretär im Arbeitsministerium, März 1966, Bundesvereinigung der Dt. Arbeitgeberverbände

Endlich

Es wächst zusammen, was zusammenwachsen muss.

Noch nie haben Muslime und die Spitze des Staates ein so deutliches Zeichen gesetzt. Vor 10.000 Menschen demonstrierten der Bundespräsident, führende Regierungspolitiker und Muslime ein längst überfälliges und wichtiges „Wir“. Endlich.

VONBirol Kocaman

DATUM14. Januar 2015

KOMMENTARE4

RESSORTAktuell, Meinung

SCHLAGWÖRTER , , , ,

DRUCKENAnsicht

MEHR ZUM ARTIKEL

DANKE,
ich möchte MiGAZIN auch in Zukunft lesen!

Stärker hätten Muslime und die Spitze des Staates Geschlossenheit nicht demonstrieren können. Mit der gestrigen Kundgebung am Pariser Platz vor dem Brandenburger Tor in Berlin haben sie ein klares Signal in alle Ecken der Republik und über die Grenzen Deutschlands hinaus gesendet: Wir stehen zusammen, wir lassen uns nicht auseinanderdividieren. Eine Botschaft, die auch nach dem 11. September, nach Madrid oder London gutgetan hätte.

Bundespräsident Joachim Gauck sagte vor etwa 10.000 Teilnehmern: „Wir alle sind Deutschland.“ Das gelte unabhängig von Religion und Herkunft. In Richtung der Terroristen sagte er: „Wir schenken Euch nicht unsere Angst. Euer Hass ist unser Ansporn.“ Muslime versicherten: „Wir werden es nicht zulassen, dass unser Glaube missbraucht wird. Wir werden es nicht zulassen, dass unsere Gesellschaft von Extremisten auseinandergerissen wird.“

Egal wer sprach, mit „wir“ konnten sich diesmal alle angesprochen fühlen: Muslime, Juden, Kirchen, Gewerkschaften, viele weitere aus der Zivilgesellschaft oder führende Bundespolitiker. Das Bild zum Abschluss der Kundgebung war geprägt von Einigkeit. Der Bundespräsident, Bundeskanzlerin Angela Merkel, Vizekanzler Sigmar Gabriel, weitere Kabinettsmitglieder und Oppositionspolitiker; sie alle hakten sich mit Muslimen und Vertretern anderer Religionsgemeinschaften unter und schlossen gemeinsam die Reihen.

Ohnehin hatte man diesmal von Anfang an ein seltsames Gefühl. Es lag eine ungewöhnliche Vorsicht, Rücksicht und vor allem Weitsicht in der Luft. So, als könnte es diesmal anders kommen. Selbst die sonst reflexartig erhobenen Forderungen vonseiten der Politik an die Muslime, sie sollten sich vom Terror distanzieren, schallten diesmal nicht so laut wie sonst. Sicherlich lag das zu einem guten Stück an „Pegida“. Man wollte nicht Wasser auf deren Mühlen gießen. Es lag aber auch an den Muslimen selbst, die sich diesmal schneller als sonst positioniert und den Anschlag verurteilt hatten.

Wie es scheint, ist man heute viel weiter als 2001, 2004 oder 2005. Man lernt voneinander, man geht aufeinander zu, man ist sich der Verantwortung bewusst. Es wächst zusammen, was zusammenwachsen muss. Endlich.

Testen Sie den kostenlosen MiGAZIN Newsletter:

4 Kommentare
Diskutieren Sie mit!»

  1. bertil sagt:

    Da hätte ich einige Fragen:

    Anwesende (lt. wohlwollende Pressemeldungen)
    ca. 10.000 Personen. Zeit 18:30 Uhr also
    auch eigentlich nach Beendigung der
    normalen Arbeitszeiten.

    Wie groß ist der Anteil von Muslimen/Türken/
    Menschen mit türkischem und/oder islamischen
    Mig-Hintergrund dort wohl gewesen ?
    Schaut man sich die TV Berichte und die
    Pressefotos an. 15% ? 20% ? 25 % ?
    Vielleicht 1.500 ?

    Wie hätte das Bild ausgesehen, wenn zu dieser Veranstaltung
    nur die Verbände ihre und andere Muslime aufgefordert
    hätten ?

    Frage: Wie groß schätzt man die Zahl von Personen
    mit türkischem und/oder islamischen
    Mig-Hintergrund in Berlin ein ?

    Der Senat geht davon aus, dass unter den 3,4 Millionen Einwohnern in Berlin 220 000 bis 300 000 Muslime sind. Nehmen wir nur die Erwachsenen über 18 Jahre. Sagen wir, so ca. 120.000 – 150.000 .

    Was sagt uns das ?

    Und was sagt uns das über den, von den Verbänden immer lt.
    verkündeten Anteil von Muslimen in D , die sie angeblich
    vertreten ? ( Unserer Innenminster hat gestern in einer
    sehr guten, kleinen Runde auf Phönix, auf der er
    gefragt wurde gesagt, er gehe von 10 bis höchstens
    15 % aus !)

    Warum werden dann diese Verbände staatlicherseits
    so hoffiert ? Dadurch ergibt sich nur,das
    der Druck in der Community noch
    größer wird, dort Mitglied zu werden .

    Frage: Warum haben die Verbände noch NIE ( auch nicht nach 9/11)
    jemals eine größere Demo, faktisch NUR mit Muslimen/ihren
    Mitgliedern zu Wege gebracht, oder dazu aufgerufen ?
    Ganz einfach mit dem Slogan NICHT IN UNSEREM NAMEN ?
    Warum wohl ?

    Hat man (berechtigte) Sorge, das das dann sich ergebende
    Bild MEHR als dürftig ausfallen würde ?

    Geben sie sich (ausnahmsweise ehrlich) selbst die Antwort…….

  2. Realist sagt:

    Das deutsche „Wir“ existiert nicht. Das hat es schon unter Kaiser Wilhelms Zeiten nicht gegeben. Albern.

  3. Konservative sagt:

    Nicht einmal die Altbayern fühlen sich als echte Deutsche. Das ist nicht einmal gelogen.

  4. KJB sagt:

    Soso: ‚Bundespräsident Joachim Gauck sagte vor etwa 10.000 Teilnehmern: “Wir alle sind Deutschland.” Das gelte unabhängig von Religion und Herkunft. In Richtung der Terroristen sagte er: “Wir schenken Euch nicht unsere Angst. Euer Hass ist unser Ansporn.” ‚
    Klingt gut, stammt aber, als Selbstzitat, aus einer Rede Gaucks, in der vor NSU-Hintergrund rechtsextremistische Ausländer- und Muslimfeinde gemeint waren. Und genau dieser Aspekt der angeblich nur ‚islamkritischen‘ Anti-Islam-Agitation publizistischer und medialer Brandstifter fehlte in dieser Veranstaltung weitestgehend, so dass als Gefährder nur die islamistischen Terroristen aufschienen. Angesichts der Pariser Ereignisse verständlich, aber sehr einseitig. KJB



Bitte beachten Sie unsere Netiquette. Vielen Dank!

Ihr Kommentar dazu:

MiGAZIN

Ziel und Zweck von MiGAZIN ist die Förderung der politischen, gesellschaftlichen und kulturellen Partizipation von Migrant(inn)en in der Aufnahmegesellschaft. In diesem Sinne soll MiGAZIN die Kommunikation fördern und füreinander sensibilisieren. Mehr über uns...

MiGMACHEN

Die Redaktionsmitglieder von MiGAZIN haben vor allem eins gelernt: Wer über sein Wissen und seine Erfahrungen schreibt, lernt immens dazu. Die kritische Diskussion mit Lesern eröffnet neue Horizonte. Daher hat das MiGAZIN-Team die Aktion-MiGMACHEN ins Leben gerufen. Hier bieten wir allen Interessierten die Möglichkeit, MiGAZIN als Autor, Pate oder Jungautor mitzugestalten. Nähere Informationen...

GRIMME Online Award 2012

    Begründung der Jury: "Über Migranten und Migration wird in Deutschland viel gesprochen. Vor allem von Deutschen. Im Chor der vielen und oft sehr lauten Stimmen fehlen aber zumeist die der Migranten. Und genau diese Lücke füllt das MiGAZIN mit qualitativ hochwertigen Texten und verständlicher Berichterstattung." Weiter ...