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Wenn ich mir die Hauptschulen in Ballungszentren anschaue, sehe ich es als zentralen bildungspolitischen Auftrag für diese Schulart, dass sie […] Schülern ein niederschwelliges Bildungsangebot macht […]. Gerade für Jugendliche mit Migrationshintergrund.

Präsident der Kultusministerkonferenz Ludwig Spaenle (CSU), taz, 20. Januar 2010

Anschlag in Paris

Muslime rufen zu Mahnwache in Berlin auf

Die Islamischen Religionsgemeinschaften rufen anlässlich des Anschlags auf „Charlie Hebdo“ zu einer Mahnwache gegen Gewalt auf. Bundesjustizminister Maas fordert mehr Dialog zwischen Muslimen und der Mehrheitsgesellschaft. Gesetzesverschärfungen erteilt er eine Absage.

Nach dem Terroranschlag von Paris rufen islamische Religionsgemeinschaften am Dienstag in Berlin zur einer Mahnwache auf. Muslime und Nichtmuslime müssten Gesicht zeigen gegen Gewalt und für ein weltoffenes und tolerantes Deutschland, forderte der Vorsitzende des Zentralrates der Muslime, Aiman Mazyek, am Freitag in Köln. „Wir dürfen nicht zulassen, dass unsere Gesellschaft von Extremisten hüben und Drüben auseinandergerissen wird, denn beide haben das Ziel, Hass und Zwietracht zu stiften.“

Die Mahnwache soll am Pariser Platz um 18 Uhr stattfinden. „Wir wollen unsere Solidarität mit dem französischen Volk zum Ausdruck bringen. Wir trauern mit Euch und den Familien der Opfer! Es gibt keine Rechtfertigung für solche Taten“, heißt es in dem Aufruf.

„Diese Tat hat uns sehr schockiert und als Muslime zutiefst getroffen“, sagte der Generalsekretär Bekir Alboğa von der Türkisch-Islamischen Union der Anstalt für Religion (DITIB) in Köln zum Anschlag auf auf das Pariser Satiremagazin Charlie Hebdo mit zwölf Toten. Auch der Vorsitzende des Islamrats, Ali Kızılkaya, betonte, dass der Anschlag kein religiöser Akt, sondern ein Akt gegen die Religion gewesen sei: „Es war ein Akt gegen die Menschlichkeit.“ Der Generalsekretär des Verbands der Islamischen Kulturzentren (VIKZ), Seyfi Ögütlü, drückte den Hinterbliebenen der zwölf Todesopfer sein Beileid aus.

Bundesjustizminister Maas besucht Moschee

Derweil rief Bundesjustizminister Heiko Maas (SPD) bei einem Besuch der Berliner Şehitlik-Moschee am Freitag zu mehr Dialog zwischen Muslimen und der Mehrheitsgesellschaft in Deutschland auf. „Wir müssen mehr miteinander reden“, sagte Maas. Dialog sei der beste Beitrag, Radikalisierung entgegenzutreten. Zugleich lobte Maas die gemeinsame Erklärung von Vertretern verschiedener Religionen, derzufolge kein Glaube Terror und Morde rechtfertige. Es sei ein großartiges Signal, dass die verschiedenen Religionen zusammenstehen.

Mit Blick auf Forderungen nach einer Verschärfung von Gesetzen sagte der SPD-Politiker, „wir brauchen keinen Wettlauf um neue Gesetze“. Weitere Verschärfungen seien pure Symbolik. Die Vorratsdatenspeicherung habe in Frankreich den Anschlag auf die Redaktion des Satire-Magazins Charlie Hebdo nicht verhindert. Das Strafrecht werde nur dort verändert, wo es wirklich sinnvoll sei. Stattdessen sollte noch intensiver darüber debattiert werden, „was wir präventiv tun können, um die Radikalisierung von jungen Menschen zu verhindern“.

Der Vorsitzende der Şehitlik-Moschee, Ender Çetin, betonte, es sei wichtig, dass Muslime und Nicht-Muslime in der Gesellschaft solidarisch miteinander lebten. Die Gefahr der Radikalisierung gebe es auf beiden Seiten. Zugleich mahnte er mehr öffentliche Förderung für Moscheegemeinden an. Sozial- und Präventionsarbeit geschehe weitgehend ehrenamtlich. Die Şehitlik-Moschee mit rund 1.500 Gemeindemitgliedern ist eines der größten muslimischen Gotteshäuser in Berlin. (epd/mig)

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2 Kommentare
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  1. glamorama sagt:

    Es ist heute genau eine Woche her, dass die Türkische Gemeinde am Brandenburger Tor zum Protest gegen die „abendländischen Patrioten“ des Berliner Pegida-Ablegers aufrief. Gerne bin ich (Deutscher und Atheist) diesem Aufruf gefolgt, um gegen Intoleranz zu demonstrieren und meine Solidarität mit den Türken und türkischstämmigen Deutschen zu zeigen, die für mich ein unverzichtbarer Bestandteil der Stadt Berlin und ihrer Kultur sind.

    Bei der Veranstaltung hielt einer der Organisatoren (wenn ich mich korrekt erinnere, war es Bekir Yilmaz, der Vorsitzende der Türkischen Gemeinde in Berlin) eine Rede, in der er die Situation der Muslime in der Bundesrepublik mit der Situation der Juden in Nazideutschland verglich: „Damals brannten die Synagogen, heute die Moscheen“ sagte er, und: „Man sieht es auch an den Karikaturen, mit denen sie unseren Propheten beleidigen“.

    An diesem Punkt wurde mir sehr unwohl: Ja, es gibt beinahe wöchentlich gemeine Anschläge auf Moscheen. Ja, es gibt verabscheuungswürdige Hetzte gegen den Islam in den Medien – und auch durch hochrangige Berliner Politiker wie Sarrazin und Buschkowsky. Ja, es gab staatliche Unterstützung für die NSU-Mörder und eine systematische Diskriminierung ihrer Opfer. Dennoch: Die heutige Situation der Muslime ist nicht vergleichbar mit der gesetzlich festgeschriebenen Diskriminierung der Juden in Nazideutschland und erst recht nicht mit dem staatlich organisierten, millionenfachen Massenmord, der nichts Geringeres als die totale Auslöschung des gesamten Judentums zum Ziel hatte. Wer solche Vergleiche zieht, verharmlost entweder den Holocaust oder dramatisiert die Zustände, unter denen Muslime in Deutschland leben. Zu einem fairen, objektiven Dialog tragen solche Vergleiche nicht bei, im Gegenteil.

    Angesichts der aufgeheizten Stimmung nach der Tragödie von Paris bleibt zu hoffen, dass die heutige Kundgebung ohne solche verbalen Ausrutscher auskommt. Ich werde wieder dabei sein – gegen Pegida und Seite an Seite mit meinen türkischen Nachbarn und Freunden.

  2. Monika Fares sagt:

    Genau solchen muslemischen Predigern , die den Holocaust mit der heutigen Situation der Muslime in Deutschland (oder Europa) vergleichen sollte man deutlich machen, dass sie nicht den Frieden zwischen den Religionen fördern sondern die Spaltung!
    Wenn man der Pegida vorwirft, sie instrumentiere die schreckliche Tat in Frankreich für ihre Zwecke, so könnte man das auch der Mahnwache der Muslime vorwerfen!
    Jede bürgerliche Bewegung- ob Pediga oder Muslem-Verband – hat das Recht sein Entsetzen und seine Trauer über die Mordtat zu äußern! Niemand hat das Recht, dies anzuzweifeln oder gar zu verbieten!



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