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Und die einzige Leitkultur, die wir allen Menschen in Deutschland abverlangen müssen, steht in den ersten 20 Artikeln des Grundgesetzes.

Sigmar Gabriel (SPD-Chef), dpa, 7. Oktober 2010

Kölner Dom schaltet Lichter ab

Breites Bündnis gegen islamfeindliche Kögida-Demo

An diesem Montag soll die islam- und ausländerfeindliche „Kögida“-Demonstration stattfinden. Dem stellt sich ein breites Bündnis Kirchen und Organisationen gegenüber. Selbst der Kölner Dom macht mit: während der „Kögida“ soll die Außenbeleuchtung abgeschaltet werden.

Aus Protest gegen die geplante islamfeindliche „Kögida“-Demonstration am Montag in Köln hat ein breites Bündnis von Kirchen und Organisationen zu einer Gegenveranstaltung aufgerufen. Unter dem Motto „Köln stellt sich quer“ formiert sich am Montag im Stadtteil Deutz eine Gegendemonstration, der sich neben der evangelischen und katholischen Kirche mehrere muslimische Organisationen sowie die Musiker-Initiative „Arsch huh“ angeschlossen haben.

Auch in der Kölner Altstadt protestieren unter dem Motto „Kein Veedel für Rassismus“ jeweils 300 Teilnehmer an mehreren Stadtorten gegen „Kögida“, wie ein Sprecher der Kölner Polizei dem epd sagte. Die „Kögida“-Demonstration (Köln gegen die Islamisierung des Abendlandes) soll ab 18 Uhr vom Ottoplatz vor dem Deutzer Bahnhof über die Deutzer Brücke zum Roncalliplatz am Dom führen, wo eine Abschlusskundgebung geplant ist.

Kritik ernten die sogenannten „Pegidas“ von allen Seiten: Der Vorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland, Heinrich Bedford-Strohm, sagte im SWR, die Kirchen müssten gegen fremdenfeindliche und menschenverachtende Äußerungen sowie den Missbrauch von „christlich“ „ganz klare Kante zeigen“. Zugleich mahnte Bedford-Strohm aber, die Sorgen der Menschen ernst zu nehmen und politisch an der Wurzel zu packen. „Bei der Diskussion um die Armut – Altersarmut zum Beispiel“. Auch der oberste Katholik in Deutschland, Reinhard Kardinal Marx erklärte, er halte die gesamt Stoßrichtung der Gruppe für inakzeptabel, warnte aber auch davor, „Pegida“ überzubewerten. Man solle nicht den Eindruck erwecken, es handele sich um die „wichtigste politische Bewegung in unserem Land“, sagte Marx.

Dom schaltet Außenbeleuchtung ab
Unterstützt wird die Kundgebung „Köln stellt sich quer“ auch von islamischen Religionsgemeinschaften und türkischen Migrantenorganisationen. Damit solle ein „deutliches und unmissverständliches Zeichen gegen Islamfeindlichkeit, Rassismus, Ausländerfeindlichkeit, Fremdenhass und für die Solidarität mit den Flüchtlingen“ gesetzt werden, teilte die aus einem guten Dutzend bestehende Allianz mit.

Der Kölner Dom wird einer Ankündigung von Dompropst Norbert Feldhoff zufolge aus Protest in der Zeit von 18.30 bis 21 Uhr die Außenbeleuchtung abschalten. Die Hohe Domkirche wolle keine Kulisse für die „Pegdia“-Demonstration bieten, sagte Feldhoff. Vertreter der großen Religionsgemeinschaften in Köln haben in einer gemeinsamen Erklärung „die Versuche von ‚Pegida‘, die Gesellschaft zu spalten und Muslime und ihre Religion zu verunglimpfen und auszugrenzen“, verurteilt. (epd/mig)

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