MiGAZIN

Migration und Integration in Deutschland

Der große Wert der Ausländerbeschäftigung liegt darin, dass wir hiermit über ein mobiles Arbeitskräftepotential verfügen. Es wäre gefährlich, diese Mobilität durch eine Ansiedlungspolitik größeren Stils einzuschränken.

Ulrich Freiherr von Gienanth, Der Arbeitgeber, 1966

Nach dem SZ-Artikel

„Es gab die üblichen Abwehrreaktionen, sobald das Gespräch auf Rassismus kommt.“

Alex Müller ist ein schwarzer Deutscher, 32 Jahre alt und lebt in Leipzig. In einem Artikel in der Süddeutschen Zeitung beschreibt er den Rassismus, der ihm im Alltag widerfährt. MiGAZIN sprach mit ihm über die Reaktionen auf seinen Text und sein Verständnis von Rassismus.

Rassismus, Ausländerfeindlichkeit, Rasse, Fremdenfeindlichkeit
Rassismus © MiG

VONAnanda Grade

 „Es gab die üblichen Abwehrreaktionen, sobald das Gespräch auf Rassismus kommt.“
Die Verfasserin ist freie Kulturjournalistin, spezialisiert auf Neue Medien. Nach ihrem Studium der Theater-, Film-, und Fernsehwissenschaft, Soziologie und Germanistik arbeitete sie in verschiedenen Medienbereichen. Heute produziert sie Netzartikel und Vodcasts rund um die Themen Gesellschaft und Kultur. www.anandagrade.de

DATUM9. Dezember 2014

KOMMENTARE19

RESSORTAktuell, Gesellschaft, Interview

SCHLAGWÖRTER , ,

Seite 1 2

DRUCKENAnsicht

MEHR ZUM ARTIKEL

DANKE,
ich möchte MiGAZIN auch in Zukunft lesen!

MiGAZIN: In Ihrem Artikel „Warum Alltagsrassismus keine Einbildung ist“ in der Süddeutschen Zeitung schreiben Sie über Rassismus, den Sie täglich am eigenen Leibe erleben. Wie haben andere auf Ihren Text reagiert?

Alex Müller1: Es gab die üblichen Abwehrreaktionen, mit denen man konfrontiert wird, sobald das Gespräch auf Rassismus kommt. Übliche Ausflüchte waren:

  • Das kann nicht sein.
  • Der Artikel ist maßlos übertrieben.
  • Vermutlich liegt das gar nicht an der Hautfarbe, dass er so mies behandelt wird, vielleicht kann man ihn grundsätzlich nicht ausstehen.
  • Wenn die Ausländer sich mal benehmen würden, würde so was nicht passieren.
  • Ich als Weißer habe dies und das erlebt…

Überraschend fand ich aber das enorme Feedback auf den Artikel. Bisher gab es mehr als 20.000 Social-Media-Aktivitäten (Facebook, Twitter, Google Plus und inklusive der verwursteten Artikel bei der Huffington Post) und unfassbar viele Menschen haben den Artikel geteilt, ohne zu widersprechen. Außerdem haben viele mutmaßliche Mehrheitsdeutsche Internetrollen Paroli geboten, wenn die versuchten, das Problem wegzudiskutieren oder mir die Schuld für Rassismus zu geben.

Außerdem hat mir die Redaktion Leserbriefe weitergeleitet, in denen sich Menschen bei mir bedankten. Da waren andere Rassismus-Betroffene, die meine Erfahrungen bestätigten und ganz besonders auf den empfundenen Ost-West-Unterschied eingingen. Da war ein Mann, der schrieb, dass er sich auch dabei erwischt hat, wie er sich nie neben Nichtweiße gesetzt hat. Er wolle jetzt, da er meine Erfahrungen kennt, darauf achten, dass er sich nicht mehr so verhält. Viele haben ihre Anteilnahme ausgedrückt.

Wo fängt Rassismus Ihrer Meinung nach an?

Müller: Kurz gesagt: Rassismus ist Vorurteil plus Macht. Ich als Schwarzer kann zwar eine weiße Person als „Kartoffel“ bezeichnen. Das mag vielleicht eine Beleidigung sein, aber was fehlt, ist die Dimension Macht. Und die findet sich in umgekehrter Richtung, wenn z.B. weiße Richter entscheiden, dass ein bestimmtes Verhalten oder Wort nicht rassistisch ist, dann kann man sich dagegen nur schwer oder gar nicht wehren. Denn an den solchen Machtzentren sitzen nun mal in der Regel weiße Menschen, siehe etwa die Richterin in Eisenhüttenstadt, die ihre Macht missbraucht, indem sie rassistisch motiviert Gerichtsurteile fällt, und dabei von der Staatsanwaltschaft gedeckt wird. Macht heißt auch, dass weiße Menschen in der Regel sicher sein können, schwarze anzugreifen und die herbeigerufene Polizei erst einmal sie, womöglich nur sie, befragt, was denn der Schwarze angestellt hat. Eine Studie der Polizeihochschule Sachsen-Anhalt hat da wenigstens ein ekelhaftes Beispiel parat.

Wo sehen Sie in Deutschland bewusste und unbewusste Vorurteile?

Müller: Ein Fass ohne Boden. In der Regel gehen bewusste und unbewusste Vorurteile ineinander über. In Leipzig erlebe ich z.B. täglich wie Menschen ihre Wertsachen (z.B. Handtaschen) festkrallen, sobald sie mich erblicken. Es spielt da auch keine Rolle, wie viele Weiße vorher da waren. Wichtig ist es den Menschen, ihre Wertsachen vor mir, dem Schwarzen zu retten. Das geht dabei fast automatisch. Spricht man die Menschen darauf an, werden sie sich verteidigen. Entweder, sie hätten das gar nicht getan oder sie wären immer vorsichtig, oder sie verteidigen ihre Handlung, indem sie sagen, dass Ausländer nun mal kriminell sind. Dass ich weder Ausländer noch kriminell bin, interessiert nicht.

Bewusste Vorurteile sind zum Beispiel: Ausländer sind kriminell, unsere deutschen Frauen und Kinder sind in Gefahr, Schwarze handeln mit Drogen, Schwarze stinken, Schwarze sind dreckig, Schwarze sind hässlich. Solche Vorurteile werden oft unbewusst eingepflanzt, aber oft erlebe ich Menschen, dass sie sich mit voller Absicht aussprechen.

Das Thema Rassismus ist ja auch recht diffus. Es gibt nicht nur die einen, die fremdenfeindlich sind und die anderen, die es nicht sind. Dazwischen gibt es viele Nuancen. Wie sollte man das Thema angehen?

Müller: Am wichtigsten finde ich es, Mehrheitsdeutsche mit nichtweißen Menschen zusammenzubringen. Gerade in Ostdeutschland, wo es kaum nichtweiße Deutsche, Migranten und Ausländer gibt, müsste man die Menschen zu ihrem Glück zwingen. In Leipzig-Wiederitzsch zum Beispiel formiert sich gerade Widerstand von Einfamilienhaus-Rassisten, die kein Erstaufnahmelager in ihrer Nähe dulden wollen. Sie tun zwar auf besorgte Bürger, argumentieren aber mit den gleichen rassistischen Argumenten – Kinder sind gefährdet, die Kriminalität könnte ansteigen usw. Ich wünsche den Menschen, dass sie gar nicht anders können, als in Kontakt mit anderen Kulturen zu kommen, anders lernen sie es nicht. Die Menschen sollten nicht nur mit anderen Kulturen in Kontakt kommen müssen, sondern ganz generell mit Menschen, die nicht weiß sind.

Ansonsten ist es wichtig, Kinder von klein auf mit nichtweißen Kindern zusammenzubringen, weil Kategorisierungen schon früh eingeprägt werden und sie so schon lernen können, wie normal es ist, nicht weiß zu sein. Daneben ist es wichtig, dass endlich Diversität in die Medienlandschaft kommt. Noch immer sind schwarze Schauspieler auf Klischeerollen wie Asylsuchende, Prostituierte, Dealer usw. abonniert. Rollen wie Rechtsanwalt, Ärztin und Polizisten bringen viele Verantwortliche gar nicht mit einer schwarzen Hautfarbe zusammen. Der Zuschauer würde es ja nicht verstehen. Daneben braucht es mehr Journalisten mit Migrationshintergrund, damit Themen auch mal aus anderen Blickwinkeln betrachtet werden, oder auch nichtweiße Experten zu Wort kommen können.

  1. Der Autor schreibt unter Pseudonym, weil er sonst mit Veröffentlichung dieses Textes den Anfeindungen und Drohungen derer ausgesetzt wäre, über die er schreibt. []
Seite: 1 2
Testen Sie den kostenlosen MiGAZIN Newsletter:

19 Kommentare
Diskutieren Sie mit!»

  1. Jojo sagt:

    @Tei Fei, Sie „rechnen“ mit Verlaub falsch. Es ist durchaus nicht unerheblich, wie viele Konkurrenten man konkret in der Arbeitswelt hat (das drückt den Lohn), es spielt durchaus eine Rolle, ob man ein Asylantenheim in einer reichen oder armen Kommune errichtet, Migranten dürfen wählen, sofern sie keine „Ausländer“ sind (hängt halt von der Definition ab), und eine hohe Produktivität bringt uns nichts, wenn Firmen abwandern oder das Wirtschaftswachstum bei sinkender Bevölkerung mehr oder weniger stagniert. Dass Arme eher ins Extrem neigen, ist auch bekannt.

    Sie können auch einen Porsche fahren und in Wirklichkeit pleite sein. Das mag zwar dem Ottonormalbürger nicht einleuchten, aber es ist so. Das ist ja gerade das Problem der Bundesrepublik. Vor 50 Jahren waren die Steuern niedriger, die Alterspyramide ausgeglichener und die Zahl der Funktionslosen marginal, obwohl wir weniger produktiv waren. Von Wachstumsraten von 5, 6 , 7 % können wir heute nur noch träumen. Fortschritt bedeutet nicht zwingend mehr Wohlstand.

  2. Tai Fei sagt:

    Jojo sagt: 11. Dezember 2014 um 11:43
    „@Tei Fei, Sie “rechnen” mit Verlaub falsch. Es ist durchaus nicht unerheblich, wie viele Konkurrenten man konkret in der Arbeitswelt hat (das drückt den Lohn),“

    Der Lohn wird eher durch politische Maßnahmen gedrückt. Dank der H4-Gängelung ist ja die Zumutbarkeit runtergesetzt wurden. Mit dem zweiten Arbeitsmarkt wurde eine staatl. Finanziertes Konkurrenzmodel geschaffen und die Mindestlohngrenze für ausländische Arbeitnehmer wurde ebenfalls kontinuierlich herunter gesetzt. Der Arbeitsmarkt ist kein Kartoffelmarkt. Er funzt nach anderen Regeln und ist immer staatlichern Regeln ausgesetzt.
    Außerdem noch mal, was hat DAS mit Rassismus zu tun. Der wird dadurch allenfalls begünstigt ist aber nicht die Ursache. Sie diskutieren am Thema vorbei. Das Thema des Artikels ist Alltagsrassismus. Wo sehen Sie die Kausalität der Sitzplatzfrage im ÖPNV mit der Arbeitsplatzkonkurrenz?

    Jojo sagt: 11. Dezember 2014 um 11:43
    „…es spielt durchaus eine Rolle, ob man ein Asylantenheim in einer reichen oder armen Kommune errichtet,“

    Sie werfen Äpfel mit Birnen zusammen, denn wenn die Standortfrage eines Asylsheims relevant wäre, dann hätten arme Menschen in einer armen Kommune eine niedrigern Lebensstandart wenn dort ein Asylanteheim steht als die wo keins steht und reiche Menschen in einer reichen Kommune ohne Asylheim, hätten einen höheren Lebensstandart als Reiche in einer reichen Kommune mit Asylheim. Den Nachweis hätte ich gern erbracht.

    Jojo sagt: 11. Dezember 2014 um 11:43
    „Migranten dürfen wählen, sofern sie keine “Ausländer” sind (hängt halt von der Definition ab),“

    Die sind dann aber lt. offizieller Definition keine Migranten sondern Deutsche mit Migrationshintergrund und diese Definition ist für mich bindend.

    Jojo sagt: 11. Dezember 2014 um 11:43
    „ und eine hohe Produktivität bringt uns nichts, wenn Firmen abwandern oder das Wirtschaftswachstum bei sinkender Bevölkerung mehr oder weniger stagniert.“

    Produktivität und Abwanderung unterliegen genauso wenig einer Kausalität, wie Wirtschaftswachstum und sinkende Bevölkerung. Sie sollten nicht alles Durcheinanderschmeißen. Entscheidend sind das Wirtschaftswachstum und die Verteilung des erwirtschafteten Reichtums.

    Jojo sagt: 11. Dezember 2014 um 11:43
    „Sie können auch einen Porsche fahren und in Wirklichkeit pleite sein. Das mag zwar dem Ottonormalbürger nicht einleuchten, aber es ist so.“

    Sie dürfen BWL und VWL nicht verwechseln. Was für einzelne Personen zutrifft gilt noch lange nicht für ganze Volkswirtschaften und Schulden des Einen sind IMMER auch Vermögen des Anderen.

    Jojo sagt: 11. Dezember 2014 um 11:43
    Vor 50 Jahren waren die Steuern niedriger, die Alterspyramide ausgeglichener und die Zahl der Funktionslosen marginal, obwohl wir weniger produktiv waren. Von Wachstumsraten von 5, 6 , 7 % können wir heute nur noch träumen. Fortschritt bedeutet nicht zwingend mehr Wohlstand.“

    Natürlich waren vor 50 Jahren die Steuereinnahmen niedrigen. Wir haben fast jedes Jahr Rekordsteuereinnahmen, weil diese wachstumsbedingt steigen. Die Zahl der Funktionslosen war natürlich niedriger aber nicht obwohl sondern WEIL wir weniger produktiv waren. Heute sind viel weniger Arbeitskräfte nötig. Natürlich nehmen auch die Wachstumsraten mit steigender industrieller Entwicklung ab. Das ist ein normaler wirtschaftlicher Vorgang. Sie vergessen hier aber die Produktivität. Mit 1-2% Wachstum wird heute immer noch mehr, sowohl absolut als auch prozentual, produziert als 1950 mit 7%. Wir haben kein Verteilungsproblem damit, als das wir zuwenig hätten. Im Gegenteil inzwischen haben wir eher das Problem von Überkapazitäten. Nur sind die halt zu ungleichmäßig verteilt. Das fällt ja inzwischen schon dem IMF und der OECD auf.

    Und NOCHMAL als Fazit: was hat der ganze Sch… mit dem Inhalt des Artikels zu tun?

  3. Jojo sagt:

    Der Lohn unterliegt dem Angebot und der Nachfrage, nicht den politischen Maßnahmen, wir leben nicht im Kommunismus. Und die Steuern steigen, weil die EZB Geld druckt (vermehrte Geldmenge). Natürlich sind auch ganze Industriebereiche weggebrochen, so dass man nicht von „mehr“ Produktion sprechen sollte. Die Produkte sind mehr wert, das ist aber alles. Natürlich erzwingt eine höhere Produktivität eine Abwanderung, da die Löhne auch entsprechend steigen. Die Schweiz, Korea und die USA hatten hohe Wachstumsraten, obwohl sie hochentwickelt waren. Empfehle schnellstens einen Nachhilfekurs in VWL. Selbstverständlich war die Zahl der faktischen Analphabeten vor 50 Jahren viel niedriger als heute und natürlich hat der ganze Sch… sehr viel mit dem oberen Artikel zu tun, da es wie gesagt ums Geld und nicht nur um „Emotionen“ geht.

  4. Tai Fei sagt:

    Jojo sagt: 11. Dezember 2014 um 16:13
    „Der Lohn unterliegt dem Angebot und der Nachfrage, nicht den politischen Maßnahmen, wir leben nicht im Kommunismus.“

    Ach Mindestlohn, Kombilohn, Ich-AG, Absenkung Mindestverdienst für ausl. Angestellte usw. usf. sind also keine politischen Maßnahmen? Nochmal der Arbeitsmarkt ist KEIN Kartoffelmarkt. Der Lohn ist nämlich nicht nur Bestandteil der Kosten bei der Produktion sondern ebenfalls erheblicher Bestandteil der Nachfrage beim Produktabsatz.

    Jojo sagt: 11. Dezember 2014 um 16:13
    „Und die Steuern steigen, weil die EZB Geld druckt (vermehrte Geldmenge).“
    Die Steuern stiegen auch schon ohne EZB. Steuern beeinflussen nicht die Geldmenge und auch nicht umgekehrt. Steuern sind ein Verteilungsmechanismus.

    Jojo sagt: 11. Dezember 2014 um 16:13
    „Natürlich sind auch ganze Industriebereiche weggebrochen, so dass man nicht von “mehr” Produktion sprechen sollte. Die Produkte sind mehr wert, das ist aber alles.“
    Richtig, die Dampfmaschinenbranche ist tatsächlich weggebrochen und auch der Pferdekutschenbau, geht´s noch? Industriebereiche brechen nur weg, wenn sie obsolet sind, ansonsten werden sie allenfalls verlagert. Selbstverständlich wird auch MEHR produziert. Sie wollen doch nicht etwa behaupten, dass die dt. Industrie fünf Jahre nach der verheerenden Zerstörung der Infrastruktur durch den WW2 mehr produziert hat als heute.

    Jojo sagt: 11. Dezember 2014 um 16:13
    „Natürlich erzwingt eine höhere Produktivität eine Abwanderung, da die Löhne auch entsprechend steigen. Die Schweiz, Korea und die USA hatten hohe Wachstumsraten, obwohl sie hochentwickelt waren. Empfehle schnellstens einen Nachhilfekurs in VWL.“
    Wieso sollte höhere Produktivität eine Abwanderung erzwingen? Abwanderung erfolgt nicht auf Basis einer höheren Produktivität sondern auf Basis der Gewinnmaximierung. Alle Länder hatten mal hohe Wachstumsraten. Wachstumsraten allein sagen aber nicht viel aus. Wenn ein Land statt einer Fabrik plötzlich zwei hat, dann hat es eine Wachstumsrate von 100%. Deswegen ist das Land aber keine Supermacht und schon gar nicht hochindustrialisiert. Ferner ist die Lohnentwicklung nicht zwangläufig an die Produktivitätssteigerung gebunden. Das sehen wir ja (o.k. Sie nicht) besonders in DE, wo die Löhne ein gesamtes Jahrzehnt stagnierten bzw. sogar rückläufig waren. Wo war außerdem Korea hochentwickelt. Südkorea war ein Agrarland. Die gesamte Industrie die die Japaner in Korea aufgebaut hatten, lag nahe der ressourcenreichen Mandschurei im Norden. Nach dem Koreakrieg war dann aber auch nicht mehr viel übrig. Der wirtschaftliche Aufstieg Koreas wurde im Wesentlichen durch Staatskapitalismus (macht die VRC ja recht erfolgreich nach) getragen.
    Sorry, aber ihre Empfehlung für einen Nachhilfekurs kann ich nur zurückgeben.

    Jojo sagt: 11. Dezember 2014 um 16:13
    Selbstverständlich war die Zahl der faktischen Analphabeten vor 50 Jahren viel niedriger als heute und natürlich hat der ganze Sch… sehr viel mit dem oberen Artikel zu tun, da es wie gesagt ums Geld und nicht nur um “Emotionen” geht.

    Es gibt primären, sekundären, semi (vernachlässigbar) und funktionalen Analphabetismus. Letzterer wird erst seit 40 Jahren langsam erkannt. Zuvor wurde er gar nicht statistisch erfasst.
    Sie scheinen im Übrigen ebenfalls zu dieser letzten Gruppe zu gehören, denn von Geld ist im Artikel nicht die Rede.

  5. Silvia sagt:

    Ein sehr interessanter Artikel, der zu einer Diskussion zjm Thema Rassismus zwischen Eltern an der Schule meines Sohnes passt. Ich möchte nur eines anzweifeln: dass Rassismus sich aus Vorurteilen und Macht (ausübung) in dem Sinne wie im Artikel beschrieben zusammensetzt. Um ein Beispiel zu nennen: ein Deutscher, gebürtiger Türke, seit 50Jahren hier, beklagt sisch über die Diskriminierung der Türken in Deutschlands – um sich im nächsten Satz über die diebischen, unangepassten Sinti und Roma auszulassen. Mir wurde gesagt, das sei KEIN Rassismus, weil keiner von beiden der priviligierten, weißen, herrschenden Rasse angehöre, die bspw. über Abschiebungen entscheiden könne. Es sei vielleicht „nicht nett“, aber kein Rassismus….da freuen sich die von Abschiebung bedrohten weißen Serben und Kosovo-Albaner bestimmt. Angenommen, der Mann greift eine Sinti wegen seiner Vorurteile gewalttätig an – kein Rassismus? Hat das keine Macht?
    Übrigens bin ich wegen meines Sohnes und der Fremdenfeindlichkeit im Dorf seines Vaters (wo alles als fremd betrachtet wird, was nicht eingeboren ist) extra nach Berlin zurück und bin froh, dass es für mein Kind, z.sp. auch im Wedding, normaler Alttag war/ist, mit hellen und dunkleren Hautfarben zusammen zu sein.
    Ansonsten wie gesagt ein Artikel, den ich

  6. Ernst sagt:

    @Tei Fei @Jojo

    Tei Fei: Wenn Sie ernsthaft glauben, dass gewisse Gruppen hierzulande keine Probleme in Sachen Bildung haben, haben sie die Diskussionen der vergangenen Jahre verschlafen.
    Selbstverständlich hat man schon vor mehr als 100 Jahren genaue Bildungsstatistiken gehabt. Dass Deutschlands Löhne stagnieren, hängt mit einem aufgeblähten Niedriglohnsektor zusammen, der politisch und ökonomisch gewollt ist (Stichwort Personenfreizügigkeit), gleichzeitig aber den Gesetzen von Angebot und Nachfrage unterliegt. Beides ist richtig. Die Niedriglöhne konzentrieren sich aber hauptsächlich auf simple Tätigkeiten und eben nicht auf die hochwertige Industrie- und Fertigungsarbeit.
    In Sachen Stahlerzeugung, Elektroindustrie, Computer- und Chipherstellung, in der IT-Branche, in der Textilindustrie und anderen Branchen ist Deutschland in vielen Bereichen tatsächlich nicht mehr bedeutend. Deutschland ist halt nicht mehr so modern und innovationsfreudig wie früher. Natürlich hatte Deutschland eine ganz andere Palette an High-Tech zu bieten. Siemens, Krupp, Thyssen, Bayer, Hoechst und AEG waren da noch wirklich große Weltunternehmen. Deutschland ist halt keine Wissenschafts- und Bildungssupermacht mehr.

  7. Tai Fei sagt:

    Ernst sagt: 12. Dezember 2014 um 14:38
    „Tei Fei: Wenn Sie ernsthaft glauben, dass gewisse Gruppen hierzulande keine Probleme in Sachen Bildung haben, haben sie die Diskussionen der vergangenen Jahre verschlafen.
    Selbstverständlich hat man schon vor mehr als 100 Jahren genaue Bildungsstatistiken gehabt.“

    1. Habe ich nicht behauptet, dass in DE kein Bildungsnotstand herrscht. Das ist auch kein Wunder, da die BRD bei Bildungsausgaben deutlich unterhalb des OECD-Mittelwerts liegt.
    2. Was die Angaben zur Analphabetisierung angeht, so war vor hundert Jahren das entscheidende Kriterium die Unterschrift auf amtl. Dokumenten. Den sogenannten funktionalen Analphabetismus hat man damals weder erkannt noch erfasst. Zwar dürfte auch der primäre Analphabetismus leicht angestiegen sein, die wesentlich höheren Zahlen verursacht aber der Funktionale.
    ————————————-
    Ernst sagt: 12. Dezember 2014 um 14:38
    „Dass Deutschlands Löhne stagnieren, hängt mit einem aufgeblähten Niedriglohnsektor zusammen, der politisch und ökonomisch gewollt ist (Stichwort Personenfreizügigkeit), gleichzeitig aber den Gesetzen von Angebot und Nachfrage unterliegt. Beides ist richtig. Die Niedriglöhne konzentrieren sich aber hauptsächlich auf simple Tätigkeiten und eben nicht auf die hochwertige Industrie- und Fertigungsarbeit.“

    Die Lohnstagnation konzentriert sich nicht nur auf den Niedriglohnsektor. In praktisch jeder Branche, die nicht exportorientiert arbeitet, lagen die Lohnabschlüsse der letzten 10 bis 15 Jahre unter der Inflationsrate. Hinzu kam die massive Auslagerung von Kernkompetenzen in Zeit- und Werksverträge. Die Einrichtung des Niedriglohnsektors kommt allenfalls erschwerend hinzu.
    Sie schreiben selbst dass dies politisch und ökonomisch GEWOLLT war, sprich hier wirkt eine Agenda und keinesfalls „die unsichtbare Hand des Marktes“. Auch wenn ich mir hier zum hundertsten Mal wiederhole der Arbeitsmarkt funktioniert nicht allein nach den Regeln von Angebot und Nachfrage, da der Arbeitslohn nicht nur Bestandteil der Kosten im Arbeitsprozess ist. Ums noch mal primitiv mit Fords Worten zu erklären: “Autos kaufen keine Autos!“ Wenn Ihre Aussage zutreffen würde, dann wären Pflegekräfte in DE inzwischen wahrscheinlich steinreich. Womit wir wieder beim Anfang wären, Niedriglöhne konzentrieren sich halt nicht nur auf simple Tätigkeiten, auch wenn sie dort natürlich überproportional zu finden sind.
    —————————-
    Ernst sagt: 12. Dezember 2014 um 14:38
    „In Sachen Stahlerzeugung, Elektroindustrie, Computer- und Chipherstellung, in der IT-Branche, in der Textilindustrie und anderen Branchen ist Deutschland in vielen Bereichen tatsächlich nicht mehr bedeutend. Deutschland ist halt nicht mehr so modern und innovationsfreudig wie früher. Natürlich hatte Deutschland eine ganz andere Palette an High-Tech zu bieten. Siemens, Krupp, Thyssen, Bayer, Hoechst und AEG waren da noch wirklich große Weltunternehmen. Deutschland ist halt keine Wissenschafts- und Bildungssupermacht mehr.“

    Das ist zum Teil üble Propaganda. Hochwertig Stahlerzeugnisse kommen immer noch aus Deutschland. Auch die Elektroindustrie ist in DE noch sehr wirksam vertreten. Die Textilbranche ist tatsächlich verlagert wurden, eine wirklich nennenswerte Computer- und Chipindustrie hatte DE nie, die hing immer am Subventionstropf. Deutschlands Stärke liegt nach wie vor, vor allem im Mittelstand begründet. Deutschland ist wenig deindustrialisiert und der Schwerpunkt der Beschäftigung liegt beim Mittelstand und weniger bei Großkonzernen. Aber auch die haben wir. Krupp/Thyssen ist ja fusioniert und immer noch bedeutend. Bayer gehört zu den führenden Konzernen im Bereich der chemischen Industrie ebenso wie BASF. Siemens und AEG sind ebenfalls noch bedeutende Konzerne, auch wenn Siemens eher durch Korruption als durch gute Produkte bekannt ist. Deutschland ist im Euroraum DIE Supermacht, was alle anderen Staaten, inzwischen sogar Frankreich, seit einiger Zeit leidvoll erfahren müssen. Deutschlands Exportstärke (dank Lohndumping) hat die „Eurokrise“ erst mit begründet und Deutschland bestimmt im Wesentlichen die Europäische Fiskalpolitik.
    —————————————–
    Dennoch auch an Sie wieder einmal die grundsätzliche Frage. Was haben Ihre Einwürfe mit dem Arktikel über latenten Rassismus zu tun. Auch Ihre Einwürfe sind reine Ablenkung. Das Problem besteht und es hat nichts mit der dt. Wirtschaftskraft zu tun noch ist es richtig, dass in DE der Verteilungsspielraum immer kleiner werden würde.

  8. Spötter sagt:

    @Tei Fei Deutschland hatte sehr wohl eine leistungsfähige Computerindustrie, nur die hat man halt in den 70er und 80er Jahren nicht gefördert. Geld war dafür nicht da. Radios, Funkgeräte, Fernseher und Telefone waren früher denen der Amerikaner und Asiaten weit überlegen. Grundig, AEG sind pleite, Löwe auch. Die Telekom verwaltet Besitzstände und Siemens siecht vor sich hin.
    Der wirkliche Grund für die Niedriglöhne liegt in dem zu hohen Überangebot an Arbeitskräften, die z.T. einfach mies ausgebildet sind. Deutschland ist König unter den Lahmen. Das ist aber auch schon alles. Der Industrie-Mittelstand bröckelt bei der nächsten Erbschaftssteuerreform auch weg. Das Problem ist das niedrige Bildungsniveau und zwar nicht beim aussterbenden deutschen Mittelstandsbürgertum. […]

  9. Tai Fei sagt:

    Spötter sagt: 15. Dezember 2014 um 17:02
    „@Tei Fei Deutschland hatte sehr wohl eine leistungsfähige Computerindustrie, nur die hat man halt in den 70er und 80er Jahren nicht gefördert. Geld war dafür nicht da. Radios, Funkgeräte, Fernseher und Telefone waren früher denen der Amerikaner und Asiaten weit überlegen. Grundig, AEG sind pleite, Löwe auch. Die Telekom verwaltet Besitzstände und Siemens siecht vor sich hin.“
    Was heißt nicht gefördert? Grundig hat mp3 verschlafen, Siemens wurschtelt inzwischen alles in Grund und Boden, die schaffen es noch nicht mal funktionierende Klimaanlagen für DE herzustellen und haben letztendlich Nixdorf ruiniert. Löwe und AEG produzieren immer noch, wenn auch unter einem anderen Dach, wobei dass bei Löwe noch nicht ganz raus ist. Warum sollte der Steuerzahler unternehmerische Inkompetenz fördern?

    Spötter sagt: 15. Dezember 2014 um 17:02
    Der wirkliche Grund für die Niedriglöhne liegt in dem zu hohen Überangebot an Arbeitskräften, die z.T. einfach mies ausgebildet sind. Deutschland ist König unter den Lahmen. Das ist aber auch schon alles. Der Industrie-Mittelstand bröckelt bei der nächsten Erbschaftssteuerreform auch weg. Das Problem ist das niedrige Bildungsniveau und zwar nicht beim aussterbenden deutschen Mittelstandsbürgertum. […]

    Der Niedriglohnsektor wurde politisch geschaffen und zwar mit den H4-„Reformen“ und an der „miesen“ Ausbildung sind die Firmen doch selber Schuld. Die Zahl der Ausbildungsplätze nimmt jedes Jahr kontinuierlich ab. Ferner kann das Bildungsniveau gar nicht so niedrig sein, da die Zahl der Gymnasialabschlüsse und Uni-Zugänge wiederum kontinuierlich zunimmt. Das sagt, zugegebener Maßen, nichts über die Qualität aus. Aber der Fisch stinkt, wie man so schön sagt, vom Kopf her. Wenn also dt. Unternehmen in Schwierigkeiten sind, dann weil das Management bereits versagt. Strategisches Denken ist inzwischen obsolet, solange die Quartals-Benchmarks erreicht werden.
    Deutschland, als Wirtschaftsnation, steht nur deshalb recht gut da, weil es eben noch einen guten Mittelstand gibt. Der wird, sofern überhaupt eine Erbschaftssteuerreform kommt, dann ganz sicher entlastet. So wären für solche Unternehmen Stundungen möglich, die ja auch schon im Gespräch sind. Das „Mittelstandsbürgertum“ wird somit keineswegs aussterben. Was ausstirbt ist, die lange Zeit propagierte, „Mittelschicht“. Dieses Eya-Popeya-Konstrukt einer sozialen Marktwirtschaft sieht seinem Ende entgegen. Dieses Ende ist aber nicht dem Bildungsniveau geschuldet, wobei die Verblödung durchaus einen Anteil hat, sondern ist gewollter Klassenkampf von oben. Die Prekarisierung des doppelt freien Lohnarbeiters steht vor der Tür und so langsam nehmen das die Möchtegern-Mittelschichtler auch in ihren biedermeyerischen Puppenhäusern war. Leider machen sie die Falschen für ihren gesellschaftlichen Abstieg verantwortlich. Darin werden sie auch aktiv vom medialen und politischen Mainstream unterstützt.
    Man jetzt ist es mir sogar gelungen eine Brücke von diesen, recht flachen, Einwürfen zum Inhalt des Artikels zu konstruieren. Allerdings ist das eher der Anlass und nicht die Ursache des latenten Rassismus.


Seite 2/2«12

Bitte beachten Sie unsere Netiquette. Vielen Dank!

Ihr Kommentar dazu:

MiGAZIN

Ziel und Zweck von MiGAZIN ist die Förderung der politischen, gesellschaftlichen und kulturellen Partizipation von Migrant(inn)en in der Aufnahmegesellschaft. In diesem Sinne soll MiGAZIN die Kommunikation fördern und füreinander sensibilisieren. Mehr über uns...

MiGMACHEN

Die Redaktionsmitglieder von MiGAZIN haben vor allem eins gelernt: Wer über sein Wissen und seine Erfahrungen schreibt, lernt immens dazu. Die kritische Diskussion mit Lesern eröffnet neue Horizonte. Daher hat das MiGAZIN-Team die Aktion-MiGMACHEN ins Leben gerufen. Hier bieten wir allen Interessierten die Möglichkeit, MiGAZIN als Autor, Pate oder Jungautor mitzugestalten. Nähere Informationen...

GRIMME Online Award 2012

    Begründung der Jury: "Über Migranten und Migration wird in Deutschland viel gesprochen. Vor allem von Deutschen. Im Chor der vielen und oft sehr lauten Stimmen fehlen aber zumeist die der Migranten. Und genau diese Lücke füllt das MiGAZIN mit qualitativ hochwertigen Texten und verständlicher Berichterstattung." Weiter ...